3. Quartal 2022 - Weißstörche in den Landkreisen Celle und Gifhorn

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3. Quartal 2022

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Storchenpaare im Kreis Gifhorn - aktueller Stand

Besetzt sind die Storchennester in Adenbüttel (J3), Ahnsen (J1), Allerbüttel (J3), Ausbüttel-Siedlung (J3), Barwedel (-), Betzhorn (-), Bergfeld (J1), Böckelse (-), Calberlah-Wiesen (-), Dannenbüttel (J3), Didderse (J1), Ettenbüttel (J3), Gerstenbüttel (-), GF-Kästorf (J3), GF-Lehmweg (J1), Grassel (-), Gravenhorst (-), Groß Schwülper (J1), Hahnenhorn (-), Hankensbüttel (J3), Hillerse (J1), Hoitlingen (J2), Hülperode Am Alten Zollhaus (J2) , Hülperode-Grenzweg (J2), Isenbüttel (-), Jembke (-), Klein Schwülper Okerstraße 19 (J3), Klein Schwülper-Süd Okeraue (J2), Knesebeck (J3), Lagesbüttel-Rotdornallee (J2), Lagesbüttel-Schunterbrücke (J2), Leiferde NAZ Gehegefichte (J1), Leiferde-Kirche (-), Leiferde NAZ Mast 1 (J3), Leiferde NAZ Mast 2 (J3), Leiferde NAZ-Schornstein (-), Leiferde Plack (J2), Lingwedel (-), Lüben (J2), Müden-Alleraue (J2), Müden-Langenklint (J1), Neudorf-Platendorf (J1), Neuhaus (J1), Osloß (J4), Osloß-Ost (-), Parsau-Ort (J1), Radenbeck (J2), Ribbesbüttel (J1), Rötgesbüttel (-), Rothemühle-Im Winkel (J1), Rothemühle-Okerstraße 67 (-), Rothemühle-Mühle(-), Rühen (J2), Schönewörde (J2), Tappenbeck (J3), Teichgut (J2), Tülau-Fahrenhorst (J3), Triangel (J4), Ummern-Ost (J3), Ummern-West (J1), Volkse (J3), Vollbüttel (-), Vorhop (J2), Wahrenholz (J4), Walle (J1), Wasbüttel (J2), Wesendorf-Mitte (J4), Wesendorf-Nord (J2), Westerholz (J3), Weyhausen-Süd/Hohe Horst (-), Weyhausen-West (J4), Wittingen (J2), Zasenbeck (J1)

Bei Nestern mit (J) wurden inzwischen Fütterungen bzw. Junge beobachtet, bei Nestern mit (-) hat es entweder keine Brut oder einen Brutabbruch gegeben. (J1) = aktuelle Anzahl der beringten Jungen oder der Jungen in gleichem Alter vor dem Flüggewerden.

Im letzten Jahr ließen sich im Kreis Gifhorn 64 Storchenpaare nieder. 2022 waren es am 17. Mai 72 Paare. Das Paar in Grassel (-) und Isenbüttel ist identisch. In der Endabrechnung wird es dem Standort gutgeschrieben, an dem es am längsten war.

Storchenpaare im Kreis Celle - aktueller Stand
Besetzt sind die Storchennester in Adelheidsdorf (J3), Ahnsbeck (J2), Altencelle (J2), Altencelle-Burg (J3), Bannetze Holzweg (J1), Bannetze-Wiesen (-), Bleckmar (J1), Bockelskamp (J1), Celle-Stadt (J1), Eicklingen (J2), Großmoor (J1), Hambühren (J1), Hohne (J3), Hornbostel (-), Jeversen (J2), Langlingen-Schleuse (J3), Langlingen-Mylius (-), Nienhagen (-), Offensen (-), Oldau (-), Spechtshorn (-), Stedden (-), Wathlingen (J3), Wathlingen II (-), Wieckenberg-Wiesen(-), Wienhausen (-), Winsen  Jann-Hinsch-Hof (J1), Winsen-Schornstein (-), Wolthausen (J2).

Nestern mit (J) wurden inzwischen Fütterungen bzw. Junge beobachtet, bei Nestern mit (-) hat es entweder keine Brut oder einen Brutabbruch gegeben. (J1) = aktuelle Anzahl der beringten Jungen oder der Jungen in gleichem Alter vor dem Flüggewerden.

Im letzten Jahr ließen sich im Kreis Celle 26 Storchenpaare nieder. 2022 waren es am 17. Mai 29 Paare.

Dienstag, 16 August 2022
Der letzte vor dem Absprung
Mittlerweilen hat auch in Müden-Langenklint und in Radenbeck der Storchennachwuchs den ersten Abflug vom Nest hinter sich. Somit sind bisher 116 Jungstörche im Kreis Gifhorn flügge geworden. Ein einziger hat dies noch vor sich: der Jungstorch in Ribbesbüttel (Foto Friedrich Börner). Dort hatten die Storcheneltern als letzte im Kreis Gifhorn erst am 7. Mai mit der Brut begonnen. Zwei Junge schlüpften. Das eine starb bald. Das übrig gebliebene Geschwister aber wuchs heran. Heute ist es 69 Tage alt. Der erste Abflug vom Nest kann jetzt jeden Tag erfolgen. Es wäre dann der erste flügge Jungstorch in Ribbsbüttel seit Menschengedenken.
Donnerstag, 11. August 2022
Unerwarteter Zuzug nun auch in Müden
Die Storchensaison neigt sich dem Ende zu. Die meisten der diesjährigen Jungstörche im Kreis Gifhorn sind abgezogen. Bei etlichen Bruten folgten nun auch schon die Eltern. Von Tag zu Tag stehen mehr Nester leer. Ein völlig gegenläufiges Geschehen spielt sich indes nun auf dem Nest Müden-Alleraue ab. Zwei Junge sind herangewachsen und seit kurzem flügge. Seit Sonntagvormittag steht nun noch ein dritter Jungstorch bei ihnen auf dem Nest (Foto H.C. Albrecht). Er wirkt ein wenig älter als die anderen beiden und wird auch mit gefüttert. Woher er kommt, ist nicht festzustellen, da er im Gegensatz zu ihnen nicht beringt ist. Aus der näheren Umgebung stammt er jedenfalls nicht. Da haben bis auf eine Ausnahme alle Jungstörche einen Ring bekommen. Das ganze Geschehen ähnelt dem in Rotenkamp (Kreis Helmstedt). Dorthin war ein Jungstorch vom Nest Weyhausen-West gezogen - siehe Bericht vom 28. Juli! Ob der Müdener Neuzugang nun zusammen mit den beiden "Alteingesessenen" abzieht?

Je mehr Störche, desto häufiger die Sorgen um sie. Derzeit ist es DEW 4V 395, Jungstorch vom Nest Lagesbüttel-Rotdornallee, der sich doch ungewöhnlich verhält. Gerade mal eine Woche flügge kehrte er nicht mehr zum Nest zurück, sondern hielt sich gestern am 3. Tag in benachbarten Baugebieten von Groß Schwülper auf. Er ging die Straßen lang, wechselte in Gärten, klopfte an Scheiben und übernachtete dort auch - wobei ihm Wasser zum Trinken bereitgestellt wurde. Wenn er flog, dann meist nur kürzere Strecken. Möglicherweise reichen seine Kräfte nicht zu mehr. Seit gestern Mittag wurde er nicht mehr gemeldet.
Donnerstag, 4. August 2022
Weitere Verluste unter kaum flüggen Jungstörchen
Erneut sind Jungstörche gestorben kaum, dass sie zu zum ersten Male vom Nest abgeflogen waren. In Tülau-Fahrenhorst lag am 30. Juli einer der drei Jungstörche mit verdrehtem Hals tot unter dem Nest. Äußerlich waren keine Verletzungen zu sehen. Möglicherweise ist er bei einer missglückten Landung durch einen Aufprall auf die Nestaufbauten gestorben. Er wurde zur Untersuchung der Todesursache eingeschickt. Vier Tage darauf wurden am Teich nur 40 m entfernt davon Rupfungsspuren und nahe dabei ein halber Flügel gefunden. Sie gehören zu einem weiteren dortigen Jungstorch. Hier ähnelt vieles den Geschehen in Weyhausen-West und Allerbüttel. Dort waren insgesamt drei kaum flügge Jungstörche tot und angefressen in unmittelbarer Nestnähe aufgefunden worden, wobei vieles für den Seeadler als Verursacher spricht. Der jetzige "Tatort" Tülau-Fahrenhorst ist nur wenige km vom Seeadler-Paar im Drömling entfernt. Bereits im Vorjahr wurde ein Seeadler hier beobachtet. Es bleibt nun nur noch zu hoffen, dass wenigstens der dritte Jungstorch in Tülau-Fahrenhorst die nächsten Tage überlebt und ins Winterquartier abziehen kann. Heute war er noch da (Meldungen Rita Lunde).

Immerhin lebend, aber mit Einschränkungen für sein künftiges Leben wurde am 17. Juli einer der drei Jungstörche in Knesebeck innerorts geborgen, zunächst von einem Tierarzt erstversorgt und dann nach Leiferde gebracht. Dort wurde ein Kippflügel festgestellt. Bei dieser Flügelanomalie sind die Handschwingen so verdreht, dass die Schwungfedern in Ruhelage nach außen abstehen und durch Reibung am Boden oft bis auf die Federkiele abgewetzt werden. Bei der Beringung am 31. Mai war mir das nicht aufgefallen Mit einer solchen Behinderung wird der Storch nie richtig fliegen können. Aus Leiferde kommt nun die Nachricht, dass es gelungen ist, ihn bzw. sie - es ist ein Weibchen, wie eine Federprobe bewies - zusammen mit einem weiteren Pflegling in den Tierpark Herborn-Uckersdorf in Hessen zu vermitteln. Dort sind dann beide gut aufgehoben.
Donnerstag, 28. Juli 2022
Dem Adler entkommen - Adoptiveltern gefunden
Vom diesjährigen Geschehen am Nest Weyhausen-West haben wir schon mehrfach berichtet. Nun gibt es eine weitere Fortsetzung - mit einer ungewöhnlichen und sehr erfreulichen Entdeckung. Am 30. Juni war der erste tags zuvor flügge gewordene der vier Jungstörche tot und angefressen in Nestnähe gefunden worden, am 2. Juli der zweite. Alles spricht dafür, dass sie einem Seeadler zum Opfer gefallen sind. Zugleich war der dritte Jungstorch spurlos verschwunden, und DEW 4V 392, der übriggebliebene vierte, machte seinen ersten kleinen Abflug vom Nest. Vier Tage darauf, am 6. Juli, war auch er verschwunden, und seine Eltern ebenfalls (Beobachtungen Rita Lunde). Seitdem ist das Nest leer. Das Verschwinden der Eltern lässt sich mit der erfahrenen Seeadler-Bedrohung erklären. Nachdem auch ihr letztes Junges nicht mehr da war, gaben sie ihre Nestbindung auf. Und 4V 392? Normalerweise bleiben Junge auch nach dem Flüggewerden noch zwei Wochen und länger da, bevor sie richtig fit endgültig abzufliegen. Das war ihm nicht vergönnt.

Und dann kam in der vergangenen Woche aus dem Kreis Helmstedt die Nachricht vom Storchennest in Rotenkamp (nahe Elm), dass sich dort außer den beiden Jungen nun ein dritter, um einiges älterer Jungstorch aufhielte. Er würde ebenfalls von den Storcheneltern versorgt und könne auch schon fliegen. Dieser zugeflogene Jungstorch konnte nun abgelesen werden. Er ist 4V 392. Somit spricht alles dafür, dass er am 6. Juli von seinem Nest Weyhausen-West vor der Bedrohung durch den Adler geflohen ist. 20 km südlich ist er dann auf dem Nest in Rotenkamp gelandet - und, da er von den dortigen Eltern und Nestgeschwistern akzeptiert wurde, geblieben.

Ein solches Verhalten kommt ab und zu bei Weißstörchen vor. Storcheneltern können offensichtlich nicht zählen, und wenn der Zugeflogene sich artgerecht verhält, wird er mit versorgt. Das macht sich auch der Storchenhof Loburg zunutze, indem er junge Pfleglinge nach ihrer Gesundung bei der Beringung in andere Storchennester einsetzt, so auch im Storchendorf Wahrenberg an der Elbe. Dort wurden in diesem Jahr vier Junge eingesetzt. In den meisten Fällen gibt es dabei keine Probleme. In Wahrenberg haben wir auch schon beobachtet, dass zwei Jungstörche aus einem Vierernest in ein Nachbarnest mit nur einem Jungen übersiedelten und sich dort mehrere Tage lang durchfüttern ließen, bevor sie doch wieder auf ihr Nest zurückkehrten. 2016 gelang Friedrich Börner dort ein Foto (zu sehen auf der Titelseite dieser Homepage) vom Nest Tack, auf dem sogar sechs Junge gefüttert wurden - vier dahingehörige und zwei weitere dazu geflogene aus dem Dorf.

Unerklärlich indes ist das Geschehen 2020 auf dem Nest in GF-Dannenbüttel. Dort stand mit einem Male außer den beringten drei Jungen im Alter von sieben Wochen ein kaum älterer unberingter Storch im Nest - und blieb. 17 Tage danach ist er zusammen mit ihnen erstmals vom Nest geflogen. Wie er aber überhaupt, obwohl damals noch längst noch nicht flügge, dorthin gekommen ist, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben (siehe Bericht vom 17. Juni im 2. Quartal 2020).
Mittwoch, 27. Juli 2022
Erste Jungstörche sind abgezogen
In vielen Nestern sind die Jungstörche inzwischen flügge geworden. In einigen dauert es noch, bis sie so weit sind. Als letzte im Kreis Gifhorn werden es dann um den 10. August herum hoffentlich die beiden Jungen in Radenbeck und das Junge in Ribbesbüttel sein. Von anderen Nestern sind die Jungen schon vollständig abgezogen. Vor Ort ist dieses auch daran zu erkennen, dass anders als in den Wochen zuvor die Eltern nun wieder auf dem Nest stehen und dort auch wieder übernachten, während von den Jungen nichts mehr zu sehen ist. Manchmal paaren sich die Eltern nach dem Abzug der Jungen noch mal. Nach menschlichem Empfinden könnte man meinen, dass die beiden - nun ohne Kinder - endlich mal wieder Zeit füreinander haben. Faktisch ist es so, dass wie auch nach einem Totalverlust das nun leere Nest für kurze Zeit noch mal den Fortpflanzungsimpuls auslöst. Das gibt sich aber schnell wieder. Einem Irrtum erlegen war übrigens gestern das Storchenpaar in Westerholz. Die Jungen schienen abgezogen, die Eltern kehrten auf das Nest zurück, paaren sich - doch da kam mit einem Male ein Jungstorch wieder zurück. Nun schlafen die Eltern wieder auf dem Dach und der Jungstorch wieder im Nest.

Ein Abzugsbeleg sind auch erste Ringablesungen von Jungstörchen weit von ihrem Nest entfernt. So kam aus dem Amt Neuhaus (Elbe ca. 100 km entfernt) die Nachricht, dass dort am 18. Juli in einem Storchentrupp auch Jungstörche aus dem Kreis Gifhorn übernachtet haben, und zwar je zwei Jungstörche aus Wesendorf und GF-Kästorf und der eine übriggebliebene vom Nest in Ausbüttel. Das ist bei letzterem schon ungewöhnlich, denn er war erst 8 Tage zuvor erstmals vom Nest geflogen. Meistens bleiben Jungstörche nach dem ersten Ausfliegen länger in Nestnähe. Diese Jungstörche befanden sich nun aber noch nicht auf dem Zug ins Winterquartier, sondern zogen erst mal durch die Lande. Da in allen Fällen die Eltern Westzieher sind, ist auch zu erwarten, dass ihr Nachwuchs dann diese Zugrichtung einschlägt. Zwei Tage darauf wurde DEW 4V 686, einer der Kästorfer Jungstörche, in der Altmark tot auf einem abgeernteten Rapsfeld gefunden. Da er schon völlig ausgeweidet war, konnte die Todesursache nicht mehr festgestellt werden. Der Storchentrupp war also nun wieder südwärts geflogen.
Sonntag, 17. Juli 2022
Reaktionen auf Totalverluste
Im Kreis Gifhorn mussten in diesem Jahr bisher 12 Storchenpaare den Totalverlust aller Jungen erleben. Wie reagieren die Eltern darauf? In einigen Fällen paaren sie sich unmittelbar darauf noch mal - immer ein Zeichen dafür, dass kein Junges mehr lebt. Manchmal tragen sie auch neu Nistmaterial ein. Es ist, als ob sie den ihnen innewohnenden Auftrag der Natur "Seid fruchtbar und mehret euch!" doch erfüllen wollen, obwohl der Zeiger der biologischen Uhr dafür in dieser Saison eigentlich schon zu weit vorgerückt ist. Solche Paarungen finden aber auch nur kurzfristig statt. Und dann? Nur ganz wenige Störche, wie beispielsweise in diesem Jahr das junge Erstbrüterpaar in Gravenhorst, verlassen gleich nach dem Verlust das Nest und ziehen fort. Die meisten anderen Paare behalten ihre Nestbindung auch in der folgenden Zeit bei.

In Vollbüttel indes geschah nun dieses: Dort besteht das diesjährige Paar aus dem 14 Jahre alten Männchen DER A 8118, das nun zum zwölften Mal in Folge im Nestmast an der Kläranlage brütet, sowie der dreijährigen Erstbrüterin DEW 9T 663. Am 24. Mai beobachtete ich eine Fütterung mit Resteverzehr. Es waren also Junge geschlüpft. Zehn Tage später war das Nest leer. Die Altvögel waren verschwunden und blieben dies auch in der folgenden Zeit. Das war schon sehr ungewöhnlich. Der Fall fand dann eine Aufklärung Anfang Juli. Das Paar hatte in 300 Meter Entfernung auf einem von der Straße her nur schwer einsehbaren Abspannmast einer 12 KV-Stromleitung ein zweites Nest gebaut (Foto LSW). Da dieser Standort für die Störche sehr gefährlich ist, wurde das Nest durch die LSW entfernt und der Mast oben mit Büschelabweisern versehen. Doch die Störche dachten nicht daran, aufzugeben und trugen erneut Zweige dazwischen ein. Daraufhin wurden zusätzliche sogenannte Andreaskreuze angebracht, so dass ein Landen und Bauen nicht mehr möglich ist (Foto Friedrich Börner). Zwischenzeitlich wurde das Storchenpaar nun auch wieder auf seinem alten Nest an der Kläranlage gesichtet.

Was hat das Vollbüttler Storchenpaar bewogen, nach dem Verlust der Jungen ein zweites Nest zu bauen? Wollten sie einer weiter innewohnenden Erinnerung an den toten Nachwuchs entfliehen? Hatte möglicherweise ein Angriff auf das Nest - von wem auch immer- dazu geführt, es nun zu meiden und es an anderer Stelle neu zu versuchen? Die Antwort könnten nur sie selbst geben.
Freitag, 15. Juli 2022
Storchenansammlungen
Die Nahrungsbedingungen für die Weißstörche sind derzeit nicht optimal. Darum verzeichnen die Deponien Wolfsburg (ca. 30 Störche), BS-ALBA (ca. 30) und die angrenzenden BS Rieselfelder, hier der Shellteich (48), vermehrten Besuch. Wenn sich außerdem eine neue Nahrungsquelle auftut, dann spricht sich das unter den Störchen ganz schnell herum. Seit kurzem werden die Isenbütteler Wiesen wieder angestaut. Waren sie gestern Vormittag noch in kleineren Gruppen auf Nahrungssuche, so hatten sich zur mittäglichen Siesta rund 40 Störche auf einer (leider für den Beobachter nicht erreichbaren) Fläche versammelt. Die Zahlen in den Storchengruppen werden in den nächsten Tagen noch ansteigen, weil dann auch weitere diesjährige Jungstörche hinzukommen. Bei Isenbüttel war erst 1 Jungstorch dabei, bei ALBA und am Shellteich (Foto und Ablesungen von Gerhard Braemer), waren es insgesamt schon 10 beringte Jungstörche aus dem Gebiet Braunschweig-Schwülper-Wendeburg.



Mittwoch, 13. Juli 2022
Beringungen abgeschlossen
Gestern wurden die diesjährigen Weißstorchberingungen im Kreis Gifhorn beendet. In Ribbesbüttel, wo es seit Menschengedenken keinen Storchennachwuchs gegeben hatte, bekam das gut fünf Wochen alte Junge seinen "Personalausweis". Zahlreiche Ortsbewohner verfolgten das Geschehen. Damit wurden in 49 Nestern insgesamt 109 Junge beringt (bei 11 Jungen in fünf weiteren Nestern konnte dies aus unterschiedlichen Gründen nicht geschehen). Von ihnen sind aber inzwischen 4 Junge bereits im Nest und 5 seit dem Flüggewerden gestorben.
Ein Absturzverursacher ermittelt
Am 9. Juli wurde ein Jungstorch in Neuhaus leicht verletzt auf der Wiese unterhalb des Nestes gefunden. Zunächst blieb unklar, was dazu führte, dass er, obwohl noch längst nicht flügge, das Nest verlassen hatte bzw. es verlassen musste. Nun ist der Sachverhalt geklärt. Eine Anwohnerin hatte nämlich dies beobachtet: Die zwei Jungstörche befanden sich allein im Nest. Beide Eltern waren unterwegs auf Nahrungssuche. Da kam ein Fremdstorch angeflogen und attackierte die Jungen im Nest. Ein Junges stürzte ab. Dann waren auch schon die Eltern zur Stelle und vertrieben den Angreifer.
Entwarnung in Lagesbüttel
Alarm gab es heute aus Lagesbüttel vom Nest Rotdornallee. Einer der beiden Jungstörche war nach seinem vermutlich ersten Abflug in der Pferdekoppel gelandet und lief dort umher. Später kamen Meldungen, ein Storch sei auf der Straße Richtung Groß Schwülper unterwegs. Vor Ort zeigte sich, dass der Jungstorch sich inzwischen auf einer Wiese hinter dem Ortsende befand. Bei einer "Flugprobe" - auf ihn zugehen, um zu prüfen, ob und inwieweit er fliegen kann - zeigte sich, dass er nach etwas holprigem Start durchaus an Höhe gewann und über die Bäume Richtung Nest flog. Dort stand er dann anschließend wieder auf der Pferdekoppel. Somit konnte Entwarnung gegeben werden. Die Aussichten, dass der Jungstorch wieder aufs Nest findet, sind gut. Außerdem haben ihn die Eltern ja im Blick und könnten ihn, wenn sie denn möchten, auch unten füttern, bis er es schafft.
Montag, 11. Juli 2022
Ausbüttel: Zwei der drei Jungstörche verunglückt - und ein weiterer Todesfall in Allerbüttel
Am Samstag wurde in Ausbüttel noch ein fröhliches Storchenfest gefeiert. Die zahlreichen Besucher erfreuten sich am Anblick der drei Jungstörche, die Flugübungen auf dem dortigen Nest machten. Ein erster Abflug stand unmittelbar bevor. Heute flogen bereits alle drei vom Nest. Aber nur einer kehrte zurück. Der zweite lag tot am Boden unter der nestnahen Hochspannungsleitung. Beide Beine und ein Flügel waren gebrochen Der dritte wurde mit schwersten Flügel- und auch inneren Verletzungen unweit davon in einem Hausgarten entdeckt. Er wurde in die Pflegestation nach Leiferde gebracht und musste dort eingeschläfert werden. Die Art der Verletzungen und die Fundstellen sprechen dafür, dass beide Jungstörche durch Anflug an ein Seil der Hochspannungsleitung verunglückt sind. Obwohl diese nicht weit vom Nest entfernt ist, war sie bisher kein Problem für die Storcheneltern und ihren Nachwuchs gewesen. Eine Gefährdung konnte da schon eher durch die nahegelegene Bundes- und Landesstraße erfolgen.

Auch in Allerbüttel ist heute ein Jungstorch ums Leben gekommen. Ein Nachbarmädchen beobachtete einen "sehr großen Greifvogel", der sich in Nestnähe an einem Storch zu schaffen machte und bei Annäherung dann abflog. Der bereits flügge Jungstorch (DEW 3V 640) war tot, gerupft und angefressen. Beobachtung, Art der Rupfung und Fraßspuren sprechen auch hier wie kürzlich in Weyhausen-West für den Seeadler aus dem nahegelegenen Barnbruch als Verursacher - nur mit dem Unterschied, dass dieses nun erstmals in unmittelbarer Nähe zu den Wohnhäusern geschah.
Sonntag, 10. Juli 2022
Verlustreiche Zone
Die Storchenbruten im Bereich zwischen Weyhausen und dem Ilkerbruch sind besonders gefährdet. In acht von neun besetzten Nestern (inkl. der drei Nester in der Deponie WOB) ist ein Brutabbruch erfolgt. Kein einziges Junges ist dort groß geworden, ohne dass im Einzelnen die genauen Gründe dafür bekannt sind. In einigen Nestern erfolgte der Abbruch bereits während der Brutphase, in mehreren anderen dann, als die Jungen noch sehr klein waren. Hier kann elterliche Unerfahrenheit angesichts der schwierigen Ernährungssituation eine Rolle gespielt haben. Auch gibt es in jedem Jahr Jungenverluste durch Aspergillose, eine Pilzinfektion der Atemwege. Nur im Nest Weyhausen-West wuchsen Junge heran, vier an der Zahl. Aber auch dieses Nest blieb nicht von Verlusten verschont. Zur Zeit des Flüggewerdens wurde wurden zwei Junge tot und angefressen in Nestnähe gefunden. Der im vorigen Bericht vom 2. Juli ebenfalls erwähnte dritte Jungstorch ist seitdem nicht mehr aufgetaucht. Mit seinem Ableben muss ebenfalls gerechnet werden. Und der vierte? Er ist nach mehreren Tagen Flüggesein nicht mehr zum Nest zurückgekehrt. Auch beide Eltern sind verschwunden. Beim Nest Weyhausen-West gehen wir aufgrund der Beobachtungen und der Spurenlage vor Ort vom Seeadler als Verursacher aus. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er auch an dem einen oder anderen Brutabbruch beteiligt war, zumal es in den vergangenen Jahren in gerade diesem Gebiet immer wieder zu ähnlichen Verlusten, schweren Verletzungen und Todesfällen bei Alt- und Jungstörchen gekommen ist.

Auf der Wiese unter dem Nest in Neuhaus wurde gestern der eine der beiden verbliebenen Jungstörche im Alter von knapp sieben Wochen - und damit zwei bis drei Wochen vor dem Flüggewerden - humpelnd aufgefunden. Er wurde in die NABU Pflegestation nach Leiferde gebracht, wo auch im Flügelbereich leichte Verletzungen festgestellt wurden. Warum dieser Jungstorch sein Nest verlassen hat bzw. musste, ist unklar. Immerhin ist das Seeadlervorkommen im Barnbruch nicht so weit entfernt... .
Samstag, 2. Juli 2022
Seeadler erbeuten Weißstörche
Zum Nahrungsspektrum des Seeadlers gehören auch Störche. Erst kürzlich wurde im Waldgebiet Lucie in Kreis Lüchow-Dannenberg ein erwachsener Schwarzstorch vom Seeadler geschlagen. Im Amt Neuhaus (Elbe) hatte sich vor einigen Jahren ein Seeadler auf Weißstorchjunge spezialisiert und in einer Saison gleich vier Nester "ausgeräumt". Im Gifhorn-Wolfsburger Gebiet zwischen Weyhausen und dem Ilkerbruch wurden in den letzten Jahren immer mal wieder tote Weißstörche, insbesondere fast oder gerade erst flügge Jungstörche, bzw. ihre Reste aufgefunden. Vieles spricht für den Seeadler als Verursacher. Vorgestern (30. Juni) traf es den ersten gerade erst flügge gewordenen von vier Jungstörchen im Nest Weyhausen-West. Er wurde von Regionalbetreuerin Rita Lunde tot in Nestnähe aufgefunden. Während sie ihn noch untersuchte, kam aus der Richtung Deponie ein Seeadler direkt auf das Nest zugeflogen. Sofort stiegen beide Storcheneltern auf und griffen den Seeadler an. Der verschwand dann, noch lange vom Männchen verfolgt, in Richtung Ilkerbruch. Heute Morgen nun hat es den zweiten der Jungstörche getroffen. Fraßstellen an Teilen vom Körper und insbesondere auch die Art der Rupfung sprachen auch hier für den Seeadler als "Täter". Gegen Mittag wurde erneut ein Seeadler diesmal hoch über dem Ort des Geschehens gesichtet. Inzwischen fehlt auch der dritte der insgesamt vier Jungen. Es ist zu befürchten, dass auch er nicht mehr lebt (Beobachtungen und Foto Rita Lunde).

Beringt wurden nun auch die Jungen in Didderse (1), Groß Schwülper (1) und Hülperode Altes Zollhaus (2).
Hans-Jürgen Behrmann
Weißstorchbetreuer für die Landkreise Celle (bis 2019) und Gifhorn



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Hans-Jürgen Behrmann
Weißstorchbetreuer für die Landkreise Celle ( bis 2019) und Gifhorn



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