Weißstorchbericht 2013 Kreis GF - Weißstörche in den Landkreisen Celle und Gifhorn

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Weißstorchbericht 2013 Kreis GF

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Trotz Winter bis den April, kaltem Dauerregen Ende Mai, Trockenheit ab Juli und Hagel - wieder Rekordjahr bei den Weißstörchen: 36 Paare ließen sich im Kreis Gifhorn nieder, 61 Junge wurden flügge
Saisonverlauf  
  • Weiterer Anstieg bei den Paaren
  • Nahrungsengpass durch Winter bis in den April
  • Jungenverluste durch Dauerregen Ende Mai
  • Optimale Nahrungsbedingungen im Juni
  • Futtermangel durch lange Trockenheit ab Juli, Hagelopfer
  • Erneut Rekordergebnis bei den flüggen Jungen
  • Berichte von den einzelnen Neststandorten

Weiterer Anstieg bei den Paaren
Fast alle im Vorjahr besetzten Nester wurden wieder angenommen. Nur Einzelstörche gab es diesmal in Osloß und Parsau/Wiesen, lediglich Besuchsstörche in Neudorf-Platendorf. Wieder besetzt waren dagegen die Nester in Betzhorn, Kaiserwinkel und Wagenhoff, die in den Jahren zuvor leer geblieben waren. Eine Neuansiedlung erfolgte in Leiferde/Freigehege.

Am Stichtag 18. Mai konnten schließlich 36 Storchenpaare und damit noch eins mehr als im Vorjahr registriert werden. Zuletzt wurde diese Zahl 1964 erreicht.

Hinzu kommen noch weitere Besuchsstörche in Ehra, Hahnenhorn, Rühen, Steimke, Tülau-Fahrenhorst und Volkse. Die in den letzten Jahren festzustellende Aufwärtsentwicklung bei den Weißstörchen vor allem in den alten Bundesländern findet also auch im Kreis Gifhorn ihre Fortsetzung.

Nahrungsengpass durch Winter bis in den April
In diesem Jahr dauerte der Winter mit Frost und Schnee bis in den April hinein. Da waren aber viele der Westzieher unter den Störchen schon längst zurückgekehrt. Weil vor Ort die Nahrung oft nicht ausreichte, flogen viele zu den Deponien in Wolfsburg und Braunschweig. In der Woche vor Ostern wurden dort zeitweise bis zu 60 Störche gesichtet. In den Grüngutannahmen und Kompostierungen suchten und fanden sie offensichtlich eine Menge Fressbares. Es handelte sich dabei sowohl um Brutstörche aus dem näheren Umkreis, als auch von weiter her und auf dem Durchzug. Auch dort, wo keine Deponien in der Region waren, überlebten die Störche die schwierige Zeit. Hier standen, wenn vorhanden, vor allem Mäuse und Maulwürfe auf dem Speiseplan. Teilweise wurde auch zugefüttert. Als dann ab dem 6. April die ersten Ostzieher eintrafen, besserten sich die Nahrungsbedingungen von Tag zu Tag.

Jungenverluste durch Dauerregen Ende Mai
Vom 24. - 27. Mai regnete es bei Temperaturen von unter 10° fast ununterbrochen. Die völlig durchnässten Storcheneltern insbesondere der Jungen, die schon über zwei Wochen alt waren, schafften es vielfach nicht mehr, ihren Nachwuchs zu hudern und zu füttern. Zahlreiche Junge starben innerhalb kurzer Zeit. Totalverluste gab es in diesen Tagen in Ahnsen, Calberlah/Wiesen und Wesendorf (dort konnte ein Junges gerettet werden). In den sieben Nestern mit dem frühesten Brutbeginn wurden insgesamt nur sieben Junge flügge. Normalerweise sind es dort im Schnitt zwanzig. Die Jungen hingegen, in diesen Tagen gerade erst oder überhaupt noch nicht geschlüpft waren, überlebten zumeist.

Optimale Nahrungsbedingungen im Juni
Nach den schweren Regenfällen war der Boden gut durchfeuchtet. Regenwürmer, die Hauptnahrung der Jungen, gab es nun in Hülle und Fülle. In den flach überschwemmten Flächen brauchten die hochgekommenen und dann ertrunkenen Würmer nur abgesammelt zu werden. Als das Wasser zurückging, blieben in vielen Senken ungeahnte Mengen von Fischen zurück, die auch für die Störche eine leichte Beute waren. Aufgrund der optimalen Nahrungsbedingungen wuchsen dadurch nun mehr Junge als in anderen Jahren auf. Dies trifft insbesondere auch auf die Aller- und Okerregion zu.

Futtermangel ab Juli, Hagelopfer
Normalerweise gilt: Wenn Junge die ersten vier Lebenswochen überstanden haben, sind sie aus dem Gröbsten heraus. Todesfälle gibt es dann kaum noch. In diesem Jahr war das allerdings anders. Im Kreis Gifhorn starben dann noch neun Junge vor dem Flüggewerden. Ursache war in den meisten Fällen eine durch die lange Trockenheit ab Ende Juni verursachte Nahrungsknappheit. Regenwürmer konnten nun nicht mehr erbeutet werden, die Mäusepopulation war in weiten Bereichen völlig zusammengebrochen. Dort, wo aufgrund der optimalen Bedingungen zuvor mehr Junge als sonst herangewachsen waren, folgte darum nun im letzten Abschnitt wieder eine Reduzierung. Darüber hinaus wurde ein Jungstorch in Rötgesbüttel bei dem verheerenden Unwetter am 27. Juli von Hagelbrocken bis Tennisballgröße im Nest erschlagen.

Erneut Rekordergebnis bei den flüggen Jungen
In 27 der 36 besetzten Nester flogen insgesamt 61 Junge aus. Je ein Junges war es in Hankensbüttel, Leiferde/Schornstein, Triangel, Vollbüttel und Weyhausen/West. Je zwei Junge waren es in Ausbüttel, GF-Kästorf, Forsthaus Giebel, Hillerse, Hoitlingen, Kaiserwinkel, Klein Schwülper, Rötgesbüttel, Ummern, Vorhop, Wahrenholz, Wasbüttel, Weyhausen/Süd (Hohe Horst), je drei in Ettenbüttel, Hülperode, Leiferde/Mast, Lüben, Radenbeck und Westerholz, je vier in Dannenbüttel, Didderse und Leiferde/Baum. Extra gezählt wird der eine in Wesendorf geborgene und dann in Leiferde ausgeflogene Jungstorch.

Die 61 flüggen Jungstörche bedeuten für den Kreis Gifhorn den viertbesten Bruterfolg seit 1964 (85) 1971 (63) und 2012 (62). Dies ist ein gerade angesichts der geschilderten extremen Bedingungen während der Brutzeit so nicht erwartetes sehr gutes Ergebnis. Bis auf fünf konnte ich alle Jungstörche im Nest beringen, als sie zwischen vier und sechs Wochen alt waren.
Storchengeschehen vor Ort
Beim Brutgeschehen an den besetzen Nest-Standorten gab es viele interessante Beobachtungen:

In Ahnsen musste das langjährige beringte Männchen DEW 1X 803 diesmal einen Monat auf (s)eine unberingte Partnerin warten. Das Brutgeschehen lief zunächst normal. Nach dem großen Regen Ende Mai konnten keine Fütterungsaktivitäten festgestellt werden. Unklar bleibt, ob zuvor überhaupt Junge geschlüpft waren. Anschließende längere Sitzphasen mit Ablösung könnten auf taube Eier, ein Nachgelege oder vielleicht auch auf eine versuchte Neubrut durch Wechsel des Weibchens hindeuten. Nachwuchs gab es nicht.

In den sechs Jahren zuvor waren in Ausbüttel/Siedlung jeweils drei Junge flügge geworden. Diesmal waren es nur zwei. Das ist aber immer noch ein gutes Ergebnis, weil das Storchenpaar als Westzieher zu den Frühbrütern zählt. Unter deren da schon etwas größeren Jungen hatte es durch den kalten Dauerregen Ende Mai besonders große Verluste gegeben.

Von Mitte April an gab es in Bergfeld ein Storchenpaar. Die beiden zeigten allerdings zeitweise eine nur geringe Nestbindung. Mal war zwei Störche da, mal nur einer. An manchen Tagen wurde überhaupt keiner gesichtet. Erst ab Juli war das Paar ständig zusammen. Gebrütet wurde nicht. Offensichtlich war zumindest einer der beiden noch zu jung.

Im Vorjahr hatte es in Betzhorn erstmals seit vielen Jahrzehnten kein Storchenpaar gegeben. Diesmal ließ sich zunächst das erst dreijährige Männchen DEW 7X 447 nieder. Die Tage zuvor hatte es mit dem dortigen Weibchen im benachbarten Wahrenholz ein Paar gebildet, musste aber dann dem vorjährigen Männchen weichen. Zwei Wochen danach gesellte sich in Betzhorn ein ebenfalls wohl noch sehr junges Weibchen hinzu. Gebrütet wurde nicht, die beiden blieben aber die ganze Saison über.

Bei extremen Wetterbedingungen bleiben manchmal sogar erfahrene Storcheneltern vom Verlust ihrer Brut nicht verschont. In diesem Jahr trifft das auch auf das Paar in Calberlah/Wiesen zu. Das nun schon dreizehnjährige langjährige Männchen und seine fünfjährige Partnerin vom Vorjahr gehören zu den Paaren, die als Frühbrüter von dem kalten Dauerregen Ende Mai besonders betroffen waren. Alle Jungen starben.

In Dannenbüttel erfolgte anfangs mehrfach ein Weibchenwechsel, bis sich dann offensichtlich die Störchin des Vorjahres durchsetzte. Mit ihrem Partner zog sie vier Junge auf - und alle vier wurden flügge. Somit erzielten die beiden das beste Ergebnis seit der Neubesiedlung vor vier Jahren. Dabei profitierte das Paar von den außergewöhnlich guten Nahrungsbedingungen dieses Jahres insbesondere auch in Allernähe.

Ebenfalls erstmals vier Junge wurden in Didderse flügge. Zu diesem Erfolg trug wesentlich das sich durch die Überschwemmungen der Oker ergebende optimale Futterangebot bei. Eins der vier Jungen starb dann aber vermutlich am Tag seines ersten Nestausfluges. Es wurde tot auf dem Hof unterhalb des Nestes gefunden. Bei einer Erstuntersuchung war eine Fraktur im Brustbereich spürbar. Sie könnte durch eine Kollision des jungen Storches mit Hausecke, Schornstein oder Fernsehantenne entstanden sein. Eine genaue Obduktion wird noch erfolgen.

Im Vorjahr hatte sich in Ettenbüttel das damals erst zweijährige Männchen nur sporadisch an der Brutpflege beteiligt. Nun um ein Jahr reifer war es diesmal an der Versorgung der Jungen voll mit beteiligt. Zur Nahrungssuche legte es dabei auch weite Strecken zurück, so beispielsweise zu den elf km entfernten Isenbütteler Stauwiesen südlich von Gifhorn. So trug es wesentlich mit dazu bei, dass von den anfangs vier geschlüpften Jungen letztlich drei flügge wurden.

Mit zwei flüggen Jungen das gleiche Brutergebnis wie 2012 gab im Nest auf dem Forsthaus Giebel. Eltern waren erneut das nun sechsjährige beringte Weibchen vom Vorjahr und ein unberingtes Männchen, das vermutlich nun schon etliche Jahre wieder kommt.

Beim ersten Mal nach der 2009 erfolgten Neuansiedlung in GF-Kästorf kam ein Paar, das noch nicht brütete. Im folgenden Jahr wurde gebrütet, allerdings ohne Erfolg. Im dritten Jahr schlüpften zwar Junge, starben aber bald. Im vierten Jahr wurde erstmals ein Junges flügge. Die kontinuierliche Steigerung setze sich nun auch 2013 fort: Diesmal flogen zwei Junge aus. Dabei brüteten die Eltern zum dritten Mal in Folge in der gleichen Zusammensetzung.

Im Frühjahr war auch in Hahnenhorn eine neue Nisthilfe errichtet worden. Hier hatten bisher noch nie Störche gebrütet. Es ist darum schon als erfreuliches Geschehen zu werten, dass dieses Nest bereits im ersten Jahr von einem jungen Paar besetzt war. Die beiden trafen am 23. Mai ein und blieben sieben Wochen. Vielleicht kommt es dann ja im nächsten Jahr zur ersten Brut.

Gleich fünf Junge erblickten im Nest am Otterzentrum Hankensbüttel das Licht der Welt. Die ersten zehn Tage überstanden noch alle. Dann ward zunächst das kleinste nicht mehr gesehen, daraufhin das zweitkleinste. Noch im Alter von gut vier Wochen starben zwei weitere. Eins aber überlebte und wurde flügge. Die Reduzierung von fünf auf ein Junges wird nachvollziehbar, wenn man die Nahrungsbedingungen vor Ort betrachtet. Die waren zunächst nach dem großen Regen überdurchschnitt gut, verschlechterten sich dann aber zunehmend. Zum Schluss reichte es aufgrund der großen Trockenheit nur noch für ein Junges - wie im letzten Jahr.

In Hillerse kam ein anderes Paar als erstmals im Vorjahr. Dabei zeigte sich aufgrund der Beringung: Das Weibchen ist bereits 21 (!) Jahre alt. Damals hatte ich es mit zwei Geschwistern in Bröckel geborgen, weil das Männchen verunglückt war. Es wuchs in Leiferde auf und brütete anschließend vor allem im Kreis Peine. Zuletzt überhaupt gesichtet wurde es 2009. Nun, vier Jahre danach, war es wieder aufgetaucht und zog in einer Spätbrut mit dem Männchen noch zwei Junge groß. Es ist dies der erste Bruterfolg vor Ort seit rund fünfzig Jahren.

Am 6. April traf in Hoitlingen das Männchen ein, vier Tage darauf ein neues, erst zweijähriges Weibchen mit Ring. Aber schon einen Tag später war die alte Ordnung wieder hergestellt. Die neue musste einer unberingten Störchin weichen, wobei es sich vermutlich um das Weibchen des letzten Jahres handelte. Das wieder vereinte Paar zog dann zwei Junge groß.

Nachdem im Vorjahr dort erstmals seit Menschengedenken wieder Störche erfolgreich gebrütet hatten, waren die Bewohner in Hülperode gespannt, ob die neue Nisthilfe am Grenzweg erneut angenommen würde. Zunächst kam die Störchin. Andere männliche Bewerber wurden von ihr abgewiesen. Als dann aber das beringte Männchen vom Vorjahr eintraf, wurden die beiden sofort wieder ein Paar. Diesmal zogen sie sogar drei Junge groß.

Wieder relativ spät fand sich in Jembke doch noch ein Paar. Zumindest das beringte sechsjährige Männchen war neu, vermutlich das Weibchen ebenfalls. Ab dem 2. Mai wurde gebrütet. Zwei Junge schlüpften. Zunächst schien es, als wenn es die beiden schaffen würden. Dann wurde aber doch das eine tot abgeworfen. Das andere, da schon sechs Wochen alt, lag eines Morgens auf der Terrasse. Es wurde noch lebend geborgen und über Leiferde in die Tierärztliche Hochschule nach Hannover gebracht. Dort starb es trotz aller Bemühungen. Todesursache war ein großer Bezoar im Magen. Es ist dies ein Klumpen aus unverdaulichem Gras, Erde und anderem Auspolsterungsmaterial im Nest, das Junge bei extremem Nahrungsmangel herunterschlingen. Dadurch wird die weitere Nahrungszufuhr blockiert. Das Junge verhungert.

Bemerkenswertes spielte sich in Kaiserwinkel ab. Das diesjährige Männchen war nämlich im letzten August im östlichen Teil des Drömlings eingefangen, beringt und besendert worden. Seither kann nun sozusagen jeder einzelne seiner Schritte nachvollzogen werden. So stellte sich jetzt heraus, dass dieser Storch auf seiner Rückkehr aus Afrika erst durch ganz Mecklenburg-Vorpommern und dann auch im gesamten Drömling hin- und her geflogen war, bis er sich endlich in Kaiserwinkel nieder ließ. Als letztes Paar im Kreis Gifhorn begannen er und seine Partnerin dann noch am 9. Mai mit der Brut. Vier Eier wurden gelegt, drei Junge schlüpften, zwei wuchsen heran und flogen am 21. August erstmals vom Nest. Ende des Monats zogen die Jungen und dann die Eltern ab.

Wenn in diesem Jahr frühbrütende Störche zwei Junge aufziehen konnten, ist das angesichts der Verluste durch den kalten Dauerregen Ende Mai ein gutes Ergebnis. Dies gelang auch dem erfahrenen Storchenpaar in Klein Schwülper. Dort brütete schon zum sechsten Mal in Folge das Weibchen DEW 3X 631, und das vermutlich nun auch schon mehrere Jahre mit demselben unberingten Männchen. Die Eltern blieben noch lange nach dem Abzug der Jungen. Noch im letzten Septemberdrittel hielten sie sich mit fast anderen 20 Störchen im Bereich Okerauen/Rieselfelder/ALBA-Deponie auf.

In Knesebeck kam ein neues, auch erst dreijähriges Männchen. Nicht alltäglich war, dass es sich beim Nestausbau auch Zweige aus dem benachbarten Elsternnest holte. Nachdem schon etliche Tage gebrütet wurde, erschien dann doch noch das nun vierjährige Männchen des Vorjahres. Nach heftigen Kämpfen vertrieb es seinen Nachfolger und zerstörte die Brut. Es erfolgte dann noch eine Nachbrut, die aber erfolglos blieb. Darum gab es in diesem Jahr keinen Nachwuchs.

Auf dem Gelände des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde brüteten erstmals gleich drei Paare. Das altgediente Paar auf dem Schornstein schaffte es nicht mehr, sich der nachbarschaftlichen Konkurrenz zu erwehren. Zur letztlichen Duldung trug wohl auch bei, dass mindestens drei der vier anderen Störche auch schon im letzten Jahr dagewesen waren. Das und die Nähe zu den zwölf Stations-Pflegestörche führte so dahin, dass nun eine kleine Brutkolonie mit drei Paaren entstehen konnte. Alle anderen Paare im Kreis Gifhorn und auch in den benachbarten Kreisen haben ein festes Brutrevier, in das sie keine Konkurrenz hereinlassen. Im Nest auf dem Schornstein wurde von vier geschlüpften Jungen letztlich nur eins flügge. Das Paar auf dem Mast zog drei Junge groß. Das dritte Paar hatte sich auf einer gekappten Weide nahe am Zaun eines leeren Freigeheges einen doch sehr störungsanfälligen Neststandort erwählt, weil dort Besucher und Mitarbeiter vorbei mussten. So warf einmal das Männchen in einer Stressreaktion zwei der Eier aus dem Nest. Weil aber dennoch vier Junge flügge wurden, muss das Weibchen sechs Eier gelegt haben. Übrigens: Bei der Fütterung der Stations-Pflegestörche wurde darauf geachtet, dass keine Nahrung liegen blieb. Die drei Wildpaare flogen auf Futtersuche zu den Wiesen und Weiden bis zum Viehmoor und darüber hinaus.

In Lüben war Ende Mai klar, dass gefüttert wurde. Um wie viele Junge es sich dabei handelte, blieb allerdings noch längere Zeit unklar. Die Eltern hatten das Nest so hoch weiter ausgebaut, dass bis auf ab und zu ein Köpfchen aus der Entfernung nichts zu sehen war. Erst als die Jungen dann größer wurden, stellte sich heraus: Es sind drei. Und die wurden auch flügge.

Das Nest in Neudorf-Platendorf, auf dem sich im Vorjahr erstmals ein Paar jedoch letztlich ohne Bruterfolg angesiedelt hatte, blieb diesmal leer. Statt dessen hielt sich auf einer weiteren Nisthilfe im Nordwesten des Ortes gut einen Monat lang ein junges Paar auf, das auch schon Nestaktivitäten entwickelte. Auf die Entwicklung im nächsten Jahr darf man gespannt sein.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde in Osloß nicht gebrütet. Zwar war Ende März ein Storch eingetroffen. Vermutlich wechselte er dann aber auf das benachbarte Nest Weyhausen/West, wo ebenfalls nur ein Einzelstorch war. Einige Zeit blieb das Nest in Osloß leer. Dann stellte sich erneut ein Einzelstorch ein. Der fand keinen Partner mehr, blieb aber bis zum Saisonende.

Nachdem in Parsau/Ort im Vorjahr das Weibchen mitten in der Brutphase verschwunden war, verlief das diesjährige Brutgeschehen für das Männchen auch nicht viel besser. Vielleicht lag es ja auch mit an ihm. Zunächst tauchte ein neues dreijähriges Weibchen auf, das jedoch bald von einer erst zweijährigen Partnerin abgelöst wurde. Gebrütet wurde dann erfolglos. Vermutlich waren die Eier nicht befruchtet. Bald darauf zog das Weibchen ab. Es fand sich dann eine unberingte Nachfolgerin ein. Die wurde von ihm aber nicht aufs Nest gelassen. Ebenso ging es anschließend einer weiteren, nun wieder beringten dreijährigen Störchin. Zwischenzeitlich war das Männchen auf Nahrungssuche in den östlichen Drömling geflogen. Dort wurde es eingefangen, beringt und besendert. Nach seiner Rückkehr war die kleine Antenne auf dem Rücken deutlich zu sehen. Nun haben wir also im Kreis Gifhorn nach dem Männchen in Kaiserwinkel einen zweiten mit Datenlogger versehenen Storch.

Zwar sind Störche entgegen landläufiger Volksmeinung nicht lebenslang partnertreu, zuweilen aber über Jahre nesttreu. Dabei kann es dann auch zu jahrelangen Partnerschaften kommen. Möglicherweise war so das Paar auf dem Nest in Parsau/Wiesen schon viele Jahre zusammen. In diesem Jahr erschien aber nur der eine Partner. Der zweite kam nicht wieder. Daraufhin verhinderte der eine alle Versuche anderer Störche, auf dem Nest zu landen. Er blieb solo. Und so gab es in dem erfolgreichsten Nest des gesamten Landkreises erstmals keinen Nachwuchs.

Zuletzt erfolgreich brüteten Störche in Radenbeck im Jahr 1998. Groß war daher die Freude, als dies nun nach fünfzehn Jahren erneut klappte. Mehrfach gab es heftige Kämpfe um das Nest. Dabei ging das erste, gerade gelegte Ei zu Bruch. Glücklicherweise führten die Eltern das Brutgeschäft weiter fort. Drei Junge schlüpften und wurden flügge.

Lange Zeit bestand die Hoffnung, dass im vierten Jahr der Wiederbesiedlung die Störche in Rötgesbüttel erstmals sogar drei Junge groß ziehen könnten. Aber dann kam das Hagelunwetter am 27. Juli. Ein Jungstorch wurde von einem Hagelklumpen getroffen und verstarb. Die anderen beiden blieben unversehrt und wurden flügge.

Auf dem Nest in Rühen erschienen wie in den Vorjahren über längere Zeit Besuchsstörche. Zu einer Brut kam es aber nicht.

Schon über drei Wochen alt waren die Jungen in Triangel, als Ende Mai der kalte Dauerregen kam. Zunächst schien es, als ob keins der Jungen überlebt hätte. Doch dann zeigte sich: Eins hatte es doch geschafft, und das wurde dann auch flügge. Die Eltern sind Westzieher. Sie verließen erst Mitte September ihr Nest und hielten sich dann noch einige Tage in einem großen Storchentrupp im Bereich Okerauen/Rieselfelder/ALBA Deponie auf.

Zum vierten Mal in Folge war die neue Nisthilfe in Ummern besetzt, davon nun zum dritten Mal mit Bruterfolg. Zunächst wuchsen drei Junge heran. Eins wurde dann aber im Alter von 20 Tagen tot unter dem Nest gefunden. Die beiden Geschwister hingegen wurden problemlos flügge.

Die Nisthilfe in Volkse besteht schon sehr lange. Bis auf gelegentlich von Besuchsstörchen war sie allerdings nicht besetzt. In diesem Jahr nun gab es aufgrund des Okerhochwassers besonders günstige Nahrungsbedingungen. Anfang Juni erschien dann tatsächlich ein Paar - und blieb bis in den August hinein. Es baute auch das Nest weiter aus. Als die ca. 12 km entfernten Isenbütteler Stauwiesen gewässert wurden, tauchte es auch dort zur Nahrungssuche auf. Nun ist die Hoffnung groß, dass die beiden im nächsten Jahr wieder kommen.

Als das beringte Männchen und vermutlich auch dasselbe Weibchen wie in den beiden Vorjahren Mitte März im Nest auf dem Gelände der Kläranlage in Vollbüttel eintrafen, herrschte noch Winter. Die Nahrung war knapp. Daraufhin flogen die beiden zur Deponie Braunschweig und fanden dort wie viele andere Störche auch Futter im Biomüll. Kurz vor Ostern kehrten sie zurück. Mitte April begannen sie mit der Brut. Den großen Regen Ende Mai überlebte dann nur ein Junges.

Nach der immerhin siebenwöchigen Verweildauer eines Paares im Vorjahr fanden sich diesmal bereits am 7. April zwei andere Störche auf der neu errichteten Nisthilfe in Vorhop ein. Sie blieben und brüteten. Die Bevölkerung verfolgte das Geschehen mit großer Anteilnahme, handelte es sich doch um die erste Storchenbrut im Ort seit rund fünfzig Jahren. Dem entsprechend war dann die Freude groß, als tatsächlich zwei Junge heranwuchsen und flügge wurden.

Nach der Erstbesiedlung des Nestes auf der Trafostation in Wagenhoff im Jahr 2008 kam nur noch 2009 ein Paar, das aber keinen Bruterfolg hatte. In den nächsten drei Jahren blieb das Nest leer. Um so erfreulicher ist es, dass nun am 11. Mai ein junges, noch nicht ganz brutreifes Paar eintraf und blieb. Das Nest wurde weiter ausgebaut. Da die beiden bis Mitte August blieben, besteht die Hoffnung, dass sie im nächsten Jahr – dann reifer - wiederkommen und brüten.

Anfangs erschien in Wahrenholz ein neues, erst dreijähriges Männchen. Es wurde dann aber vom Männchen des Vorjahres vertrieben und siedelte ins benachbarte Betzhorn über. Lange Zeit schien es, als könnten diesmal in Wahrenholz sogar vier Junge flügge werden. Zwei starben allerdings dann noch im Alter von sieben bzw. acht Wochen. Ursache war, dass durch die anfangs optimalen Nahrungsbedingungen zunächst mehr Junge als sonst herangewachsen waren. Aufgrund der anschließenden langen Trockenheit reichte die Nahrung letztlich dann aber nur noch für zwei.

Nun schon zum dritten Mal in Folge brüteten die Störche auf dem Nest in der Wiese am östlichen Ortsrand von Wasbüttel. Wiederum schlüpften zunächst drei Junge. Zwei von ihnen wuchsen heran. Sie wurden dann erneut im Rahmen eines Storchenfestes unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung beringt. Man kann nun schon feststellen: Wasbüttel ist zu einem stabilen Brutstandort geworden.

In Wesendorf brütete nun zum dritten Mal in Folge dasselbe Storchenpaar. Bis zum kalten Dauerregen Ende Mai konnten drei Junge beobachtet werden. Dann schaffte es das völlig durchnässte Weibchen nicht mehr, aufs Nest zurückzukehren. Flugunfähig lief es über die Straße und konnte schließlich auf einen Acker in der Nähe getrieben werden. Da unklar war, ob noch Junge lebten, rückte die FW Feuerwehr Gifhorn mit der Drehleiter an. Es zeigte sich: zwei Junge waren tot, eins lebte noch. Stark unterkühlt und heftig zitternd wurde es nach Leiferde gebracht, wieder stabilisiert und ist dort dann auch ausgeflogen. Am Tag nach der Bergung des Jungen hatte sich das Weibchen dann so weit erholt, dass es wieder aufs Nest fliegen konnte.

Als das Paar in Westerholz gerade mit der Brut angefangen hatte, erschien das vorjährige Männchen aus Ahnsbeck (Kreis Celle). Nach heftigen Kämpfen eroberte es Nest und Partnerin. Bald darauf wurde wieder gebrütet. Drei Junge schlüpften und wurden auch flügge.

Auch diesmal wurde im 2011 erstmals besetzten Nest in Weyhausen/West wieder gebrütet. Drei Junge schlüpften. Die Zahl reduzierte sich dann allerdings auf eins. Dieses wurde zwar flügge, wurde aber einige Tage darauf hilflos in der Aller entdeckt. Völlig erschöpft wurde es geborgen und nach Leiferde gebracht. Mitte September ist es dann von dort aus doch noch abgezogen. Glücklicherweise fand es Anschluss an eine größere Storchengruppe, die sich da noch im Bereich Okerauen/Rieselfelder/Deponie ALBA aufhielt.

Erstmals überhaupt in der Geschichte des Ortes brütete in Weyhausen noch ein zweites Paar. Schon im Vorjahr war das Nest in den Wiesen Weyhausen/Süd (Hohe Horst) von einem Nichtbrüterpaar besetzt gewesen. Diesmal kam zumindest ein neues Männchen. Es war 2011 in Verden-Hönisch beringt worden und somit erst zwei Jahre alt. Dennoch gelang es ihm, zusammen mit seiner Partnerin zwei der anfangs vier Jungen groß zu ziehen.
Flügge Storchenjunge im Kreis Gifhorn in den letzten zehn Jahren

    (- = nicht besetzt, 0 = Paar ohne Bruterfolg)
____________Ort____________
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Summe
Ahnsen002003020
11
Ausbüttel/Siedlung3003333332
23
Bergfeld0----
00
0
Betzhorn32422300-0
16
Calberlah/Wiesen0223344330
24
Dannenbüttel-----02014
7
Didderse------2124
9
Ettenbüttel
-23
5
Eischott-----------
Forsthaus Giebel2032113422
20
Gifhorn-Kästorf-----00012
3
Hankensbüttel1020002211
9
Hillerse

02
2
Hoitlingen0-212-0132
11
Hülperode

23
5
Jembke0-------30
3
Kaiserwinkel300312--02
11
Klein Schwülper Dralle0-14223332
20
Knesebeck3201212-20
13
Leiferde/Weide

-4
4
Leiferde/Mast 14330----03
13
Leiferde/Schornstein---1323221
14
Lüben3102213333
21
Müden-Dieckhorst0022010---
5
Osloß-22330412-
17
Parsau/Ort----00-200
2
Parsau/Wiesen432443534-
32
Radenbeck
-3
3
Rötgesbüttel------0212
5
Rühen0-----0-0-
0
Triangel2022433241
23
Ummern/Ost------2022
6
Vollbüttel----202121
8
Vorhop
02
2
Wagenhoff----20---0
2
Wahrenholz2202102232
16
Wasbüttel-------322
7
Wesendorf-235333340
26
Westerholz222122233
20
Weyhausen-Süd

2
2
Weyhausen-West-.-----101
2
Wittingen210-------
3
Summe
34
21
34
44
41
31
53
44
62
61
425
Die produktivsten Standorte der letzten zehn Jahre sind Parsau/Wiesen mit 32, Wesendorf mit 26 und Calberlah/Wiesen mit 24 flüggen Jungen.
Gesamt-Weißstorchstatistik für den Kreis Gifhorn
Jahr
1934
1960
1967
1971
1990
1998
2000
2005
2007
2008
2009
2010
2011
2013
2014
Paare
4740
26
2119222218202324426273644
flügge
Junge
11631
35
633258492144413053446165
Ausblick und Dank
Der Weißstorchbestand nahm in den alten Bundesländern auch 2013 weiter zu. Vieles spricht dafür, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren weiter fortsetzt. Um so mehr bleibt es unsere Aufgabe, die vorhandenen Storchen-Nahrungsflächen zu erhalten und darüber hinaus frühere wieder herzustellen und neue zu schaffen.

Herzlich gedankt sei Jörg Heyna für die Hilfeleistung bei den Ringmeldungen, dem Landkreis Gifhorn und seinem Umweltamt, dem NABU-Artenschutzzentrum Leiferde und dem NABU Meinersen, der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Barnbruch, Georg Fiedler, sowie Vera Jortzick und Gerhard Braemer von AviSON für die Ringablesungen, dem heimischen Energieanbieter LSW, den Freiwilligen Feuerwehren Gifhorn, Vorsfelde und Wittingen für ihre Hilfeleistungen im Nestbereich, sowie den Weißstorch-Herbergseltern und allen weiteren Beobachtern vor Ort.

Lachendorf, den 23. September 2013
Hans Jürgen Behrmann
Hans-Jürgen Behrmann
Weißstorchbetreuer für die Landkreise Celle (bis 2019) und Gifhorn



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Hans-Jürgen Behrmann
Weißstorchbetreuer für die Landkreise Celle ( bis 2019) und Gifhorn



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