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Weißstörche in den Kreisen Celle und Gifhorn
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Jahresbericht Landkreis Gifhorn 2009

Viele Weißstorchpaare, aber nur wenig Nachwuchs

Zahl der Paare steigt von dreiundzwanzig auf vierundzwanzig, davon zwei Neuansiedlungen

Im Vorjahr ließen sich im Kreis Gifhorn dreiundzwanzig Storchenpaare nieder. In diesem Jahr kam ein weiteres hinzu. Dabei erfolgten in Dannenbüttel und Gifhorn-Kästorf Neuansiedlungen, während in Hoitlingen nur ein Einzelstorch erst ab Ende Juni anwesend war. Darüber hinaus hielt sich über längere Zeit ein Besuchspaar in Didderse und Umgebung auf. Nicht besetzt oder nur kurzfristig beflogen waren die neu errichteten bzw. instand gesetzten Nester in Brenneckenbrück, Gilde, Jembke und Rühen. Damit liegt der Kreis Gifhorn, was die Zahl der Storchenpaare betrifft, im Trend. In Nordwestdeutschland blieb der Bestand 2009 gegenüber den Vorjahren stabil. In einigen Regionen gab es einen geringen, nur in der Region Minden-Lübbecke einen deutlichen Anstieg der Paare.

Ein Drittel aller Paare brütet nicht

Auffällig ist allerdings, dass von diesen vierundzwanzig Paaren im Kreis Gifhorn acht, also ein Drittel, gar nicht erst zur Brut schritten, ein Geschehen, das sich doch deutlich von den anderen Regionen und auch von den Gifhorner Ergebnissen der Vorjahre unterscheidet. Hauptursachen für das Nichtzustandekommen einer Brut sind im Allgemeinen die drei auch oft zusammenhängende Faktoren: Zu jung, zu spät, zu schwach. Es sind - auch durch den vom Storchenhof Loburg besenderten Storch „Albert von Lotto“ belegt - in diesem Jahr etliche Ostzieher unter den Störchen später als sonst angekommen. Die Ursachen dafür liegen zumeist in Bedingungen in den afrikanischen Überwinterungsgebieten und/oder dann anschließend auf dem Zug. Im Kreis Gifhorn haben sich in diesem Jahr ungewöhnlich viele junge, noch nicht ganz brutreife Störche niedergelassen, die ohnehin meistens erst nach den älteren Störchen eingetroffen sind. Die Ergebnisse in den nächsten Jahren werden aufzeigen, ob es sich hierbei um einen doch einmaligen Vorgang handelt oder ob sich eine Entwicklung speziell für den Kreis Gifhorn abzeichnet.

Lange Trockenheit und Schafskälte reduzieren Jungenzahl: nur einunddreißig werden flügge

Im Kreis Gifhorn wurden 2009 bei den vierundzwanzig Paaren nur einunddreißig Jungstörche flügge. Vier waren es in Calberlah/Wiesen, je drei in Ausbüttel, Betzhorn, Parsau/Wiesen, Triangel und Wesendorf, je zwei in Kaiserwinkel, Klein Schwülper, Leiferde und Westerholz, je einer in Forsthaus Giebel, Knesebeck, Lüben und Müden-Dieckhorst. Ohne (flügge) Junge blieben die Paare in Ahnsen, Dannenbüttel, Gifhorn-Kästorf, Hankensbüttel, Osloß, Parsau/Ort, Radenbeck, Vollbüttel, Wagenhoff und Wahrenholz.

Die einunddreißig flüggen Jungen entsprechen einem Schnitt von 1,29 pro Paar insgesamt, nachdem es bereits 2001 mit 1,13 und 2005 mit 1,17 Jungen pro Paar extrem niedrige Nachwuchsraten gab. Ursachen dafür sind in diesem Jahr außer den nicht brütenden Paaren auch Verluste durch Nestkämpfe sowie durch Unerfahrenheit mindestens eines Partners. Hinzu kommt ganz wesentlich die lange Trockenheit fast das ganze Frühjahr über, so dass die Storcheneltern Regenwürmer, die Hauptnahrung für die Jungen zumindest in den ersten drei Lebenswochen, nicht in ausreichender Menge fanden. In der sensiblen Nestphase starben zudem nicht wenige Junge durch Unterkühlung infolge der Schafskälte. Nicht folgenlos bleibt es zudem, dass vielerorts durch den vermehrten Umbruch von Grünland weitere für den Storch lebensnotwendige Flächen verloren gegangen sind –und dass diese Entwicklung noch fortschreitet.

Ein Pelikan als Storchenbegleiter

Ungewöhnliches ereignete sich am 3. April im NABU- Artenschutzzentrum Leiferde. Auf Riesenschwingen landete dort ein Rosapelikan und versetzte außer die Mitarbeiter zunächst einmal insbesondere die Störche in Aufregung. Seine Versuche, sich dem Nest auf dem Schornstein zu nähern, wurde von dem dort brütenden Paar abgewehrt. So flog er zu den Pflegestörchen im Freigehege - und blieb fortan. Bei den Fütterungen holt er sich seinen Anteil. Als Sitzwarte und Schlafquartier dient ein unbesetztes Storchennest nebenan. Gelegentlich macht er Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung, hielt sich über Ostern sogar in Bremen auf. Inzwischen sind bis auf zwei alle flugfähigen Störche abgezogen. Der Pelikan ist aber immer noch da (geschrieben am 31.08.). Man darf gespannt sein, ob er hier auch überwintern will - an Nahrung würde es ihm dabei sicherlich nicht fehlen.

Dieses Geschehen erinnert an das Jahr 2001. Damals erschien ebenfalls ein auf Störche geprägter Rosapelikan . Mit ihnen vermutlich aus den afrikanischen Winterquartieren kommend wurde er zunächst in Polen registriert, tauchte dann in etlichen Storchenorten der neuen Bundesländer auf, bis er über einen Abstecher nach Schleswig-Holstein im Bereich zwischen Aller und Elbe blieb- immer in enger Anbindung an die Weißstörche, denen das manches Mal vor allem in Nestnähe gar nicht recht war. Ende August zog er dann mit den Störchen ab.

Warum ein Pelikan sich so eng an Störche anschließt, ist unklar. Möglicherweise handelt es sich um eine frühkindliche Prägung, weil er von einem Storchenpaar aufgezogen wurde. Ein ähnliches Verhalten ist nicht selten im Tierreich, so z.B. zwischen Schwänen und Gänsen.

Storchengeschehen vor Ort

Beim Brutgeschehen an den besetzen Nest-Standorten gab es viele interessante Beobachtungen:

In Ahnsen traf am 2. März wieder der nun dreijährige vermutlich männliche Storch mit der Ringnummer DEW 1 X 803 ein, zehn Tage darauf folgte der zweite. Zu einer Brut kam es allerdings nicht, obwohl dies zeitweise immer wieder den Anschein hatte. Von Beobachtern vor Ort mehrfach gesichtete Stellungswechsel bei der Paarung (mal der eine oben, mal der andere) lassen vermuten, dass es sich hier um ein gleichgeschlechtliches Paar handeln könnte. Das kommt auch bei Störchen zuweilen vor und wäre eine Erklärung, warum – wie übrigens schon im Vorjahr - hier keine Brut zustande kam. Die beiden blieben die Saison über zusammen, waren auch oft in der Umgebung unterwegs und besuchten so auch das Artenschutzzentrum in Leiferde, wo DEW 1X 803 als „Knesebecker Blitzschlagwaise“ 2006 aufgezogen worden war.

Inzwischen wird auch die letzte Grünlandfläche in der Nähe des Storchennestes in Ausbüttel/Siedlung beackert. Dennoch schafften es die Eltern, darunter zum vierten Mal das mit der Nummer DEH M 134 in Frauendorf/Sachsen beringten Weibchen, wie im Vorjahr drei Junge groß zu ziehen. Zwischenzeitlich gab es mal die Sorge, dem Weibchen könnte etwas zugestoßen sein, weil nur das Männchen am Nest gesichtet wurde – und dann auch noch abflog, obwohl die Jungen gerade mal drei Wochen alt waren und es zudem regnete. Am späten Abend aber konnte dann doch Entwarnung gegeben werden. Auch das Weibchen erschien und fütterte. Übrigens: eins der drei Jungen kehrte auch noch zehn Tage nach dem Abflug der beiden anderen Geschwister immer mal wieder aufs Nest zurück.

Auch in Betzhorn waren zeitweise beide Altstörche unterwegs, obwohl die drei Jungen noch nicht einmal drei Wochen alt waren. Dies ist fast immer ein Indiz für Nahrungsknappheit. Wäre genug Futter da, würde mindestens vier Wochen lang immer ein Altstorch Wache bei den Jungen halten, während der andere unterwegs ist. In Notzeiten werden die Jungen aber auch schon eher allein gelassen. Gibt es dann wieder mehr Nahrung, z.B., nachdem es endlich geregnet hat, wird das Nest wieder durchgehend bewacht. Alle drei Jungen wurden flügge.

Bereits am 3. März – und damit wiederum als erstes im Kreis Gifhorn - war das Paar auf dem Nest in den Wiesen bei Calberlah komplett. Hier zeigt sich, was auch generell gilt: Die besten Brutstandorte werden oft als erste besetzt. Dazu passt dann auch, dass es den Calberlaher Störchen in diesem Jahr als einzigen im Kreis Gifhorn gelang, vier Junge groß zu ziehen. Wesentlich mit dazu bei trug wieder das nun neunjährige Männchen mit der Ringnummer DER O 7758 der Vogelwarte Radolfzell, das zum siebten Mal in Folge auf diesem Nest Brutvogel war.

Erfreuliches tat sich in Dannenbüttel. Das auf dem Hofgelände Lüdde am Rande der Allerwiesen auf einem Mast neu errichtete Nest wurde bereits im ersten Jahr angenommen. Nach einigen vorherigen Kurzbesuchen ließ sich dort am 7. Mai ein Storchenpaar nieder - und blieb die ganze Saison über. Zur Brut schritt es allerdings nicht. Wie auch der späte Ankunftstermin nahe legt, war dieses Paar wohl noch zu jung. Nun besteht die Hoffnung, dass die beiden 2010 wiederkehren und dann – um ein Jahr reifer - erfolgreich sein werden.

Bemerkenswertes tat sich in Didderse. Nachdem dort im vergangenen Jahr ein Storchentrupp über etliche Wochen in der Okeraue bis Neubrück übersommert hatte, tauchte nun Ende April ein Storchenpaar auf, das allabendlich auf einem Hausschornstein des Hofes Sunke übernachtete. Ein kurzfristig installierter Nistkorb brachte allerdings keinen Erfolg. Im Gegenteil: Die Störche suchten sich andere Schlafstellen. Offensichtlich war dieses Paar noch nicht brutreif. Zwischendurch verschwand es auch für einen längeren Zeitraum, kehrte dann aber wieder zurück und startete sogar erste Nestbauversuche auf dem benachbarten Schornstein und einer Feuerwehrsirene im Dorf. Weil eine Wiederkehr im nächsten Jahr durchaus möglich erscheint, ist geplant, in Didderse für die nächste Brutsaison ein „richtiges“ Storchennest anzubieten.

Mindestens ein erneuter Wechsel vollzog sich im Nest auf dem Forsthaus Giebel. Im Vorjahr war einer der beiden Elternstörche – vermutlich das Weibchen - beringt gewesen. In diesem Jahr tauchte er nicht mehr auf. Dafür kam, nun mit dem Ringnummer DEH H 4845, ein anderer Storch Er wurde nestjung 2007 in Emersleben Krs. Halberstadt beringt, war also erst zwei Jahre alt. Dennoch gelang es ihm, zusammen mit seinem Partner ein Junges großzuziehen. Bruten mit erst zweijährigen Störche sind sehr selten, nehmen aber in den letzten Jahren zu. Sie haben eher Aussicht auf Erfolg, wenn der andere Partner ein bereits erfahrener Altstorch ist. Und dann gibt es noch eine positive Meldung: Der einzige Jungstorch des Vorjahres war damals kaum flügge mit seinen Eltern abgezogen. Normalerweise haben solche Störche keine Chance, das erste Jahr mit dem weiten Flug nach Afrika zu überstehen. Um so erfreuter sind wir, dass dieses Junge mit der Nummer DEW 5X 367 ein Jahr danach am 3. August 2009 bei Nienwedel/Elbe in einem Trupp von umherziehenden Störchen abgelesen wurde. Wie und wo auch immer - es hat überlebt!

Die im Vorjahr in Wagenhoff erfolgreiche Storchen-Neuansiedlung führte dazu, dies nun auch im benachbarten Gifhorn-Kästorf zu versuchen. Ein Nest auf Mast wurde auf dem Grundstück Krenzke installiert. Tatsächlich kamen am 2. und 3. Mai zwei Störche, die sich erfreulicherweise entschlossen, hier sesshaft zu werden. Ihre relativ späte Ankunft, nur geringe Nestbauaktivitäten und häufige Abwesenheit vom Nest lassen darauf schließen, dass es sich um ein noch sehr junges Paar handeln musste. Immerhin - die beiden blieben bis zum Schluss. So bestehen nun gute Aussichten auf eine Rückkehr im nächsten Jahr, obwohl auch hier durch Umbruch von Grünland weitere wichtige Storchen- Nahrungsflächen ausgefallen sind.

Zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren wurden im Nest am Otterzentrum Hankensbüttel keine Jungen flügge. Zwar erschien am 10. April ein erster Storch, dem sich eine Woche später ein zweiter hinzu gesellte. Bald jedoch war meistens nur noch ein Storch zu beobachten, nur selten der zweite. Zwischenzeitlich hatte es den Anschein, als überhaupt nur noch ein Storch vorhanden sei. Ab August wurde dann gar keiner mehr gesichtet. Das Brutgeschehen der letzten Jahre in Hankensbüttel lässt befürchten, dass mittlerweile die Nahrungsflächen für eine erfolgreiche Brut nicht mehr ausreichen.

In den Vorjahren war das Storchenpaar in Hoitlingen jeweils als letztes im Kreis komplett. Trotz kaum noch vorhandener Feuchtgrünlandflächen in Nestnähe schafften sie es nach der Erstbesiedlung 2003 mehrfach, ein oder zwei Junge groß zu ziehen. In diesem Jahr kam der erste Storch erst Mitte Juni, für eine Brut also mehr als einen Monat zu spät. Für kurze Zeit gesellte sich danach ein zweiter hinzu, verschwand dann aber wieder. Der Brutstandort Hoitlingen erscheint aufgrund kaum noch ausreichender Nahrungsgrundlagen in Zukunft gefährdet.

Am 24. März erschien der erste Storch in Kaiserwinkel. Dieser im Vergleich mit den Jahren zuvor früheste Ankunftstermin überhaupt lässt darauf schließen, dass nun ein Benutzer der westlichen Zugroute hier sesshaft geworden ist. Zehn Tage darauf war das Paar komplett. Zunächst wurden drei Jungstörche beobachtet, von denen letztlich zwei flügge wurden. Eine traurige Mitteilung gibt es leider auch: Der eine der beiden 2007 in Kaiserwinkel flüggen Jungstörche, mit der Nummer DEW 4X 398 beringt, wurde als nun Zweijähriger am 3. August 2009 in Ungarn tot aufgefunden. Er war an einem Stromschlag gestorben.

Am 11. und 18. März und damit wahrscheinlich als Westzieher kamen die beiden Störche in Klein Schwülper an, darunter auch als nun Dreijährige das mit der Nummer DEW 3X 631 beringte Weibchen des Vorjahres. Anfang April wurde bereits gebrütet. Am 4. April wurde dann ein schwer verletzter Storch im Dorf gefunden. Er starb unmittelbar nach seiner Einlieferung in die NABU-Pflegestation in Leiferde. In den Tagen davor und danach gab es in Klein Schwülper heftige Kämpfe um das Nest, bei denen auch die Eier zerstört wurden. Anschließend hatte das beringte Weibchen einen neuen Partner. Es legte noch einmal nach. Drei Junge schlüpften, von denen letztlich zwei flügge wurden. – Dass Störche noch einmal nachlegen, kommt manchmal vor. Dies ist dann möglich, wenn der Verlust des ersten Geleges noch in Legephase oder ganz am Anfang der Brutphase geschah.

Wenn einer der Partner des Storchenpaares Westzieher, der andere aber Ostzieher ist, kann dies durchaus eine lange Wartezeit bedeuten. Am 9. März und damit eindeutig als Westzieher kam der erste Storch in Knesebeck an. Er hatte bereits im Vorjahr als damals Zweijähriger hier erfolgreich gebrütet. Er war allerdings nicht, wie damals vermutet, ein Weibchen, sondern erwies sich nun eindeutig als Männchen. Länger als einen Monat musste er warten, bis endlich die alte (oder eine neue) Partnerin erschien. Die beiden zogen dann zwei Junge groß, von denen eins noch im Alter von 3 Wochen infolge Futtermangels starb. Wie bei Störchen üblich, übernachteten die Storcheneltern in der letzten Phase der Jungenaufzucht dann nicht mehr im Nest, sondern irgendwo in der Nachbarschaft. In Knesebeck standen einer oder beide Eltern etliche Male auf einem Zweitnest am Ende der Straße „Am Ziegelkamp“.

Die inzwischen vielerorts installierten Nestkameras vermitteln ein genaueres Bild vom Brutgeschehen als dies zuvor möglich war. So bekommt der Beobachter erstmals direkt mit, wie zunächst meist vier bis fünf Junge schlüpfen, diese Zahl sich aber bald aufgrund ungünstiger Wetter- und Nahrungsbedingungen – und dabei auch nicht selten unter Mitwirkung der Storcheneltern - oft erheblich verringert. In Leiferde wurde nach der frühen Ankunft des Paares am 9. und 13. März bereits in der letzten Märzwoche gebrütet. Von der Kamera in den Seminarraum übertragen konnte dort beobachtet werden, wie am Anfang fünf Junge im Nest gefüttert wurden. Aufgrund eines zeitweiligen Nahrungsengpasses starben dann aber innerhalb weniger Tage drei von ihnen. Die beiden kräftigsten indes überlebten, wuchsen heran und wurden flügge.

Zunächst verlief das Brutgeschehen in Lüben problemlos. Am 30. März. und 12. April. trafen die beiden Störche ein, ab dem 22. April wurde gebrütet. Vier Tage danach aber erfolgte der Brutabbruch. Ein anderes Storchenpaar griff das Nest an, vertrieb das bisherige Paar und warf, wie dies in der Tierwelt häufig der Fall ist, die mindestens drei Eier seiner Vorgänger heraus. Das neue Paar begann dann das Nest weiter auszubauen und tatsächlich – ab dem 11. Mai wurde wieder gebrütet. Nach dem Schlüpfen war dann von Anfang an nur ein Junges zu sehen. Es wurde schließlich Mitte August zu einem Zeitpunkt flügge, als alle anderen Jungstörche im Kreis bereits in ihr Winterquartier abgezogen waren. Zehn Tage darauf begab es sich dann auch der Lübener Jungstorch auf die große Reise- und nahm seine Eltern gleich mit.

In Müden-Dieckhorst war die große Frage: Wie würden die Störche reagieren, nachdem der bisherige Neststandort mit dem hohen Schornstein im vergangenen Herbst dem Neubau eines Einkaufsmarktes weichen musste? In Zusammenarbeit mit dem NABU Meinersen waren dann zwei Alternativangebote geschaffen worden: das eine Nest auf einem Scheunendach im Dorf, das andere auf Mast in den Wiesen. Am 2. März erschien der erste Storch – und entschied sich nach einigen irritierten Rundflügen dann für das Nest in den Wiesen. Dort ließ sich ab dem 12. März auch der zweite Storch nieder. Am 19. März waren dann allerdings beide verschwunden. Möglicherweise waren sie es, die tags zuvor das im benachbarten Hohne brütende Paar angegriffen, vertrieben und sich dort angesiedelt hatten. In Müden-Dieckhorst wurde nun gehofft, dass hier von den ab dem 25. März eintreffenden Ostziehern ein neues Paar bleiben würde. Und in der Tat: Am 2. April siedelte sich ein offensichtlich noch sehr junges Paar im Nest auf dem Mast in den Wiesen an. Es kann sein, dass dann dort Mitte Mai zunächst drei Junge schlüpften. Mit Sicherheit wurde anschließend aber nur eins festgestellt. Bei seiner späteren Beringung fand sich noch ein weiteres Ei am Nestrand, wobei es ungeklärt bleiben muss, ob es vom ersten oder vom zweiten Paar stammte.

In Osloß waren das auf einem schon sehr baufälligen Hausschornstein befindliche Nest im Frühjahr abgebaut, der Schornstein erneuert und ein komplettes neues Nest auf einem Untergestell darauf montiert worden. Ein erster Storch erschien am 10. April. Offensichtlich war es aber nicht das Männchen, das bei wechselnden Partnerinnen in den letzten Jahren immer der Garant für eine erfolgreiche Brut gewesen war. Lange Zeit tat sich dann gar nichts mehr. Erst am 5. Mai erschien ein zweiter Storch auf dem Nest. Zu einer Brut kam es dann allerdings nicht mehr. Möglicherweise war einer der Partner noch zu jung. In der Folgezeit zeigten die Störche eine nur geringe Nestbindung, so dass sich ab und zu die Frage stellte, ob denn beide oder überhaupt noch einer da seien. Am 13. August wurde das Paar zum letzten Mal auf dem Nest beobachtet. Kurz darauf muss es dann gen Süden gezogen sein.

An vielen Neststandorten im gesamten nordwestdeutschen Raum starben in diesem Jahr Jungstörche in den ersten Lebenswochen aufgrund des durch die lange Trockenheit bedingten Mangels an Nahrung, insbesondere an Regenwürmern. Im Bereich von Flußauen und ausgesprochenen Feuchtwiesen waren die Verluste weniger gravierend. So gab es auch diesmal keine Probleme für das Storchenpaar, dessen Nest in den Wiesen östlich von Parsau liegt. Auch nach monatelanger Trockenheit waren dort die Flächen ringsherum immer noch gut durchfeuchtet. Drei Junge wurden flügge. – Dieser Neststandort ist mit 30 ausgeflogenen Jungen in den letzen zehn Jahren der ertragreichste im gesamten Kreis Gifhorn.

Im Ort Parsau selbst hatte es nach langer Zeit im Vorjahr wieder einen Brutversuch gegeben, der aber aufgrund der Unerfahrenheit insbesondere des Weibchens nicht erfolgreich war. In diesem Jahr schien es zunächst so, als ob gar keine Störche bleiben würden. Dann stellte sich ab Mitte Mai doch noch ein Paar ein, das tagsüber sporadisch und nachts regelmäßig das Nest auf dem Mast aufsuchte. Eine Brut fand allerdings nicht mehr statt. Anhand seiner Ringnummer DEH H 5150 stellte sich heraus, dass es sich bei dem Männchen um dasselbe, nun dreijährige wie im Vorjahr handelte. Beim unberingten Weibchen war natürlich keine nähere Aussage möglich. Zwischenzeitlich wurde das Paar auch einmal auf dem Nest im benachbarten Bergfeld abgelesen, das es zuweilen ebenfalls aufsuchte.

Der erste Storch, der am 15. April auf dem Nest in Radenbeck landete, wurde drei Tage später anhand seiner Nummer DEH H 3621 als 2005 in Kremkau Krs. Stendal beringt identifiziert. Er blieb aber nicht. Am 30. April erschien dann ein unberingtes Storchenpaar. Es blieb abgesehen von gelegentlichen Ausflügen bis zum Ende der Saison, brütete allerdings nicht. Auch hier ist zu vermuten, dass mindestens einer der beiden noch nicht brutreif war. Ob es dann im nächsten Jahr erstmals nach 1998 wieder mit der Brut klappt?

Als am 10. März das nun vierjährige Weibchen mit der Ringnummer DEH H 3671 zum dritten Mal in Folge in Triangel eintraf, war das Männchen der Vorjahre noch nicht da. Es kam aber auch nicht mehr. Statt dessen erschien elf Tage danach ein neues Männchen. Es trug die Nummer DEW 3X 085, war 2006 im Ilkerbruch beringt worden und demzufolge erst drei Jahre alt. Seine erste Aktion in der sicherlich ersten Brutsaison seines Lebens: es eroberte das Nest und warf dabei zunächst einmal das Weibchen runter. Dieses kehrte aber beharrlich immer wieder zurück. Allmählich gewöhnten sich die beiden aneinander und wurden nach zwei Tagen ein Paar. Trotz der Unerfahrenheit des Männchens schafften es dann die beiden, drei Junge groß zu ziehen. Während diese sich bereits Anfang des Monats auf die große Reise begaben, traten die Eltern als Westzieher dann am 26. August den Flug ins Winterquartier an.

Im Vorjahr war in Vollbüttel eine Neuansiedlung erfolgt. Zwei Junge wurden flügge. In diesem Jahr hingegen blieben die Störche zunächst aus. Erst am 20. Mai und damit für eine Brut zu spät erschien dann ein Paar. Immerhin: Es blieb bis zum Saisonende und war bis dahin täglich auf dem Nest anwesend. Dies gibt Anlass zur Hoffnung, dass es dann im nächsten Jahr mit der Brut klappen wird.

Nach der vorjährigen gelungenen Neuansiedlung in Wagenhoff waren nun alle Storchenfreunde gespannt, ob es auch diesmal wieder eine erfolgreiche Brut im Nest auf dem Dach des Trafogebäudes der LSW geben würde. Zunächst deutete auch alles darauf hin. Bereits am 26. März traf ein erster Storch ein, verschwand aber nach einigen Tagen wieder. Ab dem 13. April war dann ein Paar anwesend. Am 24. April begann es mit der Brut. Am Tag darauf griff dann ein dritter Storch an. In den folgenden heftigen Kämpfen erwies er sich als stärker als das Paar. Er eroberte das Nest, vertrieb, obwohl die andern beiden doch zu zweit waren, die bisherigen Besitzer und warf die bis dahin gelegten zwei Eier herab. Fortan gab es in Wagenhoff nur noch diesen Einzelstorch, der bis zum Saisonende keinen Partner mehr fand.

Bereits am 06.03. und damit wesentlich zeitiger als bisher erschien der erste Storch auf der Kirche in Wahrenholz. Am 24.03. kam der zweite. Mit dem Brutgeschäft indes wollte es zunächst nicht so recht klappen. Es erfolgten auch nur wenige Nestbauaktivitäten. Erst einen Monat später wurde dann doch mit der Brut begonnen. Wahrscheinlich sind gegen Ende Mai sogar Junge geschlüpft. Sie müssen aber sehr bald gestorben sein, denn wenige Tage danach war kein Leben mehr im Nest zu beobachten. Fortan waren beide Altstörche tagsüber oft unterwegs, so dass zwischenzeitlich der Eindruck entstand, das Nest sei mittlerweile verwaist. Über Nacht kehrten sie dann aber doch zurück. – Der Ablauf des Brutgeschehens in Wahrenholz lässt darauf schließen, dass offensichtlich mindestens ein Partner doch noch sehr jung war.

Als erster stellte sich am 13. März in Wesendorf wieder der schon 2008 am Brutgeschäft beteiligte Ringstorch DEW 1X 962 ein. Die Annahme vom Vorjahr, es handele sich hierbei um einen Weibchen, musste korrigiert werden, als am 24. März der zweite Storch eintraf. An den Paarungsaktivitäten war unschwer zu erkennen: Der Ringstorch ist ein Männchen. Zusammen mit seiner Partnerin zog er zunächst vier Junge auf, von denen letztlich drei flügge wurden. Sie blieben danach aber noch relativ lange. Erst am 17. August waren sie dann endgültig abgezogen.

Das Brutgeschehen in Westerholz lief lange Zeit problemlos. Am 6. April erschienen die Altstörche. Sie brüteten erfolgreich, zwei Junge wurden flügge. Dann aber, am 26. Juli, verfehlte einer dieser Jungen, mit der Nummer DEW 6X 476 beringt, infolge einer Sturmböe beim Landeanflug das Nest. Im Güllesilo wurde er schließlich gefunden und sogleich geborgen. Da er anschließend mit seinem verklebten Gefieder nicht mehr flugfähig war, kam er in die NABU Pflegestation in Leiferde. Dort wurde er einer intensiven Reinigungsprozedur unterzogen. Nach wenigen Tagen konnte er wieder fliegen (siehe auch beigefügtes Foto) Die Überlegung, ihn ins heimatliche Westerholz zurück zu bringen, wurde fallengelassen, als sich herausstellte, dass sein Nestgeschwister dort inzwischen abgezogen war. So blieb der „Güllestorch“ weiter in Leiferde, bis er dann mit anderen Jungstörchen am 14.08 die große Reise antrat.

Gesamt-Weißstorchstatistik für den Kreis Gifhorn

Jahr

1934

1960

1967

1971

1990

1998

2000

2005

2007

2008

2009

Paare

47

40

26

21

19

22

22

18

20

23

24

FlüggeJunge

 116

31

35

63

32

58

49

21

44

41

31

 

Ausblick und Dank

Im Blick auf die kommenden Jahre wird zu beobachten sein, welche Auswirkungen der weitere Verlust ihrer Nahrungsflächen insbesondere durch Grünlandumbruch für die Störche haben wird. Auch muss sich dann zeigen, ob der diesjährige hohe Anteil nicht brütender Storchenpaare im Kreis Gifhorn eine Fortsetzung findet oder ob es nur 2009 so extrem war. Nachdem dies in den letzten zwei Jahren erfreulicherweise an vier Stellen erfolgreich war, wird die Suche nach potentiellen neuen Brutstandorten weiter fortgeführt. Vorzuklären ist dabei immer, ob vor Ort noch genügend Feuchtgrünland vorhanden ist, das den Nahrungsbedarf für eine Storchenfamilie decken kann.

Herzlich gedankt sei Hans und Gerlind Reither sowie Georg und Sabine Fiedler für ihre hilfreiche Unterstützung bei den Aufgaben der Weißstorchbetreuung, der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN in Hannover und dem Umweltamt Gifhorn, dem NABU-Artenschutzzentrum Leiferde, dem NABU-Kreisverband und seinen Gruppen in den verschiedenen Samtgemeinden, dem heimischen Energieanbieter LSW, den Freiwilligen Feuerwehren Gifhorn, Vorsfelde und Wittingen für ihre Hilfeleistungen im Nestbereich, sowie allen Weißstorch-Herbergseltern und weiteren Beobachtern vor Ort.

 

 

 

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