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Weißstörche in den Kreisen Celle und Gifhorn
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Aktuelles im 2. Quartal 2020

 

Nestpaare aktuell

(?) = noch keine vier Wochen da; (A) = Brutabbruch; (B) = brütet; (J) = Junge werden gefüttert;

Kreis Celle: Adelheidsdorf (B), Ahnsbeck (J), Altencelle (J), Altencelle-Burg (B), Bannetze (B), Bleckmar (B), Bockelskamp (J), Celle-Stadt (J), Großmoor (J), Hambühren (B), Hohne (J), Hornbostel (J), Jeversen (J), Langlingen-Mylius (J), Langlingen-Schleuse (J), Meißendorf (B), Nienhagen (A), Oldau (J), Stedden, Thören, Wathlingen (B), Wienhausen (A), Winsen (J), Wolthausen (J).

Aktuell sind es 24 Nestpaare (Vorjahr Endergebnis 22).

Kreis Gifhorn: Adenbüttel (B), Ahnsen (J), Allerbüttel (B), Ausbüttel-Siedlung (J), Barwedel (?), Bergfeld (?), Betzhorn (J), Böckelse (?), Calberlah (A), Dannenbüttel (J), Didderse (J), Ettenbüttel (B), GF-Kästorf (B), GF-Lehmweg (J), GF-Winkel (B), Hankensbüttel (J), Hillerse (A), Hoitlingen (J), Hülperode (A), Jembke (J), Klein Schwülper-Baum (J), Klein Schwülper-Jagdkanzel (B), Knesebeck (J), Lagesbüttel-Schunter (J), Leiferde-Kirche, Leiferde-Mast alt (J), Leiferde Mast neu (J), Leiferde-Schornstein (J), Leiferde-Plack (J), Müden-Dieckhorst (B), Müden-Langenklint (A), Neudorf-Platendorf 99C (J), Neuhaus (B), Osloß H41 (J), Parsau-Ort (B), Ribbesbüttel (B), Rötgesbüttel (J), Rothemühle (J), Rühen (J), Schönewörde (J), Tappenbeck (J), Teichgut (J), Triangel (J), Tülau-Fahrenhorst (B), Ummern-Ost (J), Ummern-West (B), Vollbüttel (B), Volkse (J), Vorhop (A), Wahrenholz (J), Walle (B), Wasbüttel (J), Wesendorf (J), Westerholz (J), Weyhausen-Süd/Hohe Horst (B), Weyhausen-West (J), Wittingen (B), Zasenbeck (A).

In Lüben ist ein Einzelstorch.

Aktuell sind es 58 Nestpaare (Vorjahr Endergebnis 55).

Dienstag, 26. Mai 2020
Zwei weitere Brutabbrüche - und einer doch nicht

Nach Zasenbeck, Calberlah/Wiesen und Müden-Langenklint gab es im Kreis Gifhorn zwei weitere Brutabbrüche:

In Hillerse hatte sich ein ganz junges Paar niedergelassen. Indes, immer wenn das Nachbarmännchen aus Volkse noch im Anflug war, verließen die beiden schon das Nest. Nachdem Volkse fütterte, wurde es ruhiger. Ab 09.05. wurde gebrütet. Zwei Tage danach lagen zwei Eier zerstört unter dem Nest, später noch mal eins. Gebrütet wird nicht mehr. Da in diesen Tagen keine nachbarschaftlichen Angriffe beobachtet wurden, kann es auch sein, dass einer/eine des brutunerfahrenen Paares dafür verantwortlich war. Gerade in diesem Nest hatte sich ähnliches schon mal ereignet (siehe 03.05.2014!).

In Vorhop lagen am vergangenen Sonntag zwei fast drei Wochen alte Junge tot unter dem Nest - und die Eltern paarten sich. Das geschieht häufig unmittelbar nach dem Verlust der Brut. Tags zuvor hatte es Kämpfe um das Nest gegeben. Allerdings wurde nicht beobachtet, dass das angreifende Paar das Nest erobert hatte. Da die Jungen keine Spuren von Verletzungen erkennen ließen und auch nicht ganz frischtot wirkten, spricht wenig dafür, dass sie bei den Kämpfen getötet und dann am folgenden Tag abgeworfen wurden. Vermutlich waren sie schon sie schon vor der Attacke tot ( Aspergillose?).

Im Kreis Celle hatte in Oldau nach dem Tod der beiden Jungen (siehe 20. Mai!) alles nach Brutabbruch ausgesehen. Zeitweise war kein Altstorch mehr auf dem Nest. Heute nun gab es die Überraschung. Betreuer Gerd Papenburg stellte fest: es sind - von unten schwer einsehbar - doch noch zwei Junge im Nest, und denen geht es offensichtlich soweit ganz gut.

Sonntag, 24. Mai 2020
Storchenberingung kaum möglich

Im vergangen Jahr habe ich in den Kreisen Celle und Gifhorn insgesamt 116 Störche nestjung beringt. Möglich war das weitestgehend nur durch die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren Celle, Wathlingen, Gifhorn und Wittingen sowie der LSW Stromversorgung Gifhorn, die seit vielen Jahren mit Geräten (Drehleiter, Hubsteiger) und Personal geholfen haben. Das ist diesmal coronabedingt nicht möglich. Derzeit kann ich darum Störche nur beringen, wenn privat ein Hubsteiger o.ä. gestellt wird. Dort, wo dies schon in den letzten Jahren geschehen ist (Bleckmar, Parsau, Triangel, Wasbüttel Weyhausen), lässt es sich hoffentlich auch jetzt wieder durchführen. Darüber hinaus ergibt sich vielleicht auch andernorts die Gelegenheit - wie heute bei der ersten diesjährigen Beringung in Dannenbüttel. Dabei erhielten die gut vier Wochen alten Jungen die Ringnummern DEW 9T 711-713.

Samstag, 23. Mai 2020
Endlich Regen

Hohne 23.5.20. A. FerduschViele Junge der früh brütenden Störche insbesondere im Kreis Gifhorn haben bisher überlebt, weil anfangs vielerorts noch eine gewisse Grundfeuchte war und es zwischendurch einmal kräftiger geregnet hatte. In den letzten Tagen bekamen dann aber vor allem die Störche Probleme, deren Jungen erst kürzlich geschlüpft waren. Nun war es wirklich trocken, und es gab immer weniger Regenwürmer. Seit gestern kommt endlich wieder Regen. Für die Landwirte reicht das noch nicht, wohl aber für regenwurmsuchende Storcheneltern. Es ist zu hoffen, dass nun auch die in diesen Tagen schlüpfenden Jungen - wie beispielsweise gestern die in Schönewörde - zumindest in der nächsten Zeit eine gute Nahrungsgrundlage haben.

Donnerstag, 21. Mai 2020
Nahrungssituation und Aktuelle Jungenzahlen bei den Frühbrütern

Wie sieht die derzeitige Nahrungssituation bei den Weißstörchen aus? Regenwürmer gibt es wenige. Die Mäusepopulation ist nach dem Höhepunkt im letzten Jahr schwer einzuschätzen, Heuschrecken kommen erst allmählich. Weil offensichtlich in der freien Landschaft nicht so viel zu finden ist, suchen derzeit bis zu 30 (!) Störche auf der Deponie Wolfsburg nach Futter. Einer von ihnen ist übrigens gestern beim Versuch gestorben, eine komplette Salami runterzuwürgen (Informationen Rita Lunde).

In Anbetracht dieser Situation ist es schon erstaunlich, dass im Kreis Gifhorn bei den meisten Paaren, die früh mit der Brut begonnen haben, zumindest bis jetzt erfreuliche Jungenzahlen zu verzeichnen sind: 4 Junge sind es momentan in Jembke, Neudorf-Platendorf und Ummern-Ost, 3 Junge in Ahnsen, Dannenbüttel, Leiferde Mast alt und Mast neu, Osloß, Rothemühle, Volkse, Vorhop, Tappenbeck, Wahrenholz und Wesendorf, 2 Junge in Betzhorn, GF-Lehmweg, Hoitlingen, Klein-Schwülper, Leiferde-Schornstein, Leiferde-Plack, Rühen und Wasbüttel, 1 Junges in Knesebeck, Lagesbüttel-Schunter und Triangel. Brutabbrüche gab es bisher in Hülperode, Müden-Langenklint und Zasenbeck.

Im Kreis Celle sind es derzeit wesentlich weniger Junge pro Nest: 3 Junge in Hohne, 2 Junge in Bockelskamp, Großmoor, Hornbostel, Jeversen, Winsen, Wolthausen, nur noch 1 Junges in Altencelle und Ahnsbeck. Brutabbrüche gab es bisher in Nienhagen, Oldau und Wienhausen.

Der aktuell doch erhebliche Unterschied in den Jungenzahlen pro Nest der beiden Landkreise entspricht den Ergebnissen in den vergangenen zehn Jahren. In diesem Zeitraum hat es im Vergleich 7 mal im Kreis Gifhorn und 3 mal im Kreis Celle die höhere Jungenzahl pro Paar gegeben. Dies spricht dafür, dass das Nahrungsangebot und die Witterungsbedigungen im Kreis Gifhorn meistens günstiger sind.

Mittwoch, 20. Mai 2020
Tod infolge von Nahrungsmangel

Oldau 2020 Brutabbruch (L. Hoek)Nein, es ist kein schöner Anblick, dieses tote Storchenküken vom Brutabbruch in Oldau (CE) mit dem weit aufgerissenen Schnabel, aus dem eine großer Klumpen aus Erde, Grasbüscheln, trockenen Grashalmen, Zweig- und Holzteilen herausquillt. Was ist geschehen? Dieses Storchenküken ist gestorben infolge von Nahrungsmangel. Ist nicht genug Nahrung da und wird der Hunger immer größer, dann beginnen Storchenjunge in ihrer Not das zu fressen, was im Nest liegt. Dieses Storchenküken muss eine große Menge davon gefressen haben. Beim Versuch, es als unverdaulich wieder auszuwürgen (auch Störche produzieren Gewölle), haben dann die ohnehin geschwächten Kräfte versagt. Gestorben ist das Küken an durch Ersticken bewirktem Herz-Kreislaufversagen. Zuweilen führt das Auffressen von Nestinhalt auch dazu, dass sich davon im Magen ein großer Klumpen bildet, Bezoar genannt, der nicht mehr als unverdaulich ausgewürgt werden kann und jegliche weitere Futterverwertung blockiert. Hierdurch verhungern Storchenjunge, selbst wenn dann wieder genug Nahrung vorhanden ist.

Dienstag, 19. Mai 2020
Nun fliegt er wieder

Calberlah-Abflug 1 (R.Lunde) Nach gut einer Woche Dauersitzen im Nest ist das Männchen in Calberlah-Wiesen gestern erstmals wieder geflogen (Fotos R. Lunde). Federanomalien, Flügel- oder sonstige Verletzungen konnten dabei nicht festgestellt werden. So können über den Grund dieser doch ungewöhnlichen Nestverharrung weiter nur Vermutungen angestellt werden: ein Schockerlebnis? Ein Aufprall mit Gehirnerschütterung oder schmerzhaften nun aber abgeklungenen Prellungen? Wie dem auch sei: Hauptsache, er fliegt wieder. Zu einem Nachgelege nach dem Brutabbruch wird es nicht mehr kommen.

Unklar ist auch, was sich im Nest Hülperode abgespielt hat. Nachdem schon Fütterungen für zumindest ein Junges beobachtet wurden, war dies schon vor der Beregnungsaktion am vergangengen Freitag nicht mehr der Fall. Normalerweise stehen dann beide Eltern wieder und fliegen auch mal beide vom Nest. Doch das ist nicht so. Es wird nun offensichtlich wieder fest gebrütet. Mein Vermutung: nach dem Tod der Jungen lag noch ein unbefruchtetes Ei im Nest, das nun erneut bebrütet wird (siehe "Leider vergebliche Liebesmüh vom 7. Mai!). Oder war/ist alles ganz anders?

Sonntag, 17. Mai 2020
Stichtag für die Bestandserhebung

Als Nest(=Horst)-Störche zählen alle Störche mit mindestens vier Wochen Nestbindung in der Zeit vom 16. April bis 15. Juni. Nach dem 17. Mai eintreffende Störche können dies bis zum 15. Juni nicht mehr erreichen. Darum kann sich die Zahl der Nestpaare ab heute nicht mehr erhöhen. Sie kann sich aber verringern, wenn die zuletzt eingetroffenen Störche (in GF: Barwedel, Bergfeld, Böckelse) weniger als vier Wochen bleiben. Störche, die nach dem 17. Mai eintreffen und an mindestens fünf aufeinander folgenden Tagen Nestbindung haben, zählen als Besuchsstörche. Sinn dieser zeitlichen Unterscheidung von Nest- und Besuchsstörchen ist es, Doppelzählungen zu vermeiden.

Samstag, 16. Mai 2020
Storchenmännchen fliegt nicht mehr vom Nest

Calberlah 2020 DEW 5T 295 (R.Lunde)sIm Vorjahr zog DEW 5T 295 (beringt 2016 in Vollbüttel) mit seiner Partnerin in Wasbüttel zwei Junge groß. In diesem Jahr wechselte er auf den freigewordenen Platz an der Seite des Weibchens in Calberlah-Wiesen. Bis vor einer Woche lief auch hier alles normal. Es wurde gebrütet, Junge schlüpften und wurden gefüttert. Dann fiel Rita Lunde bei ihren Kontrollfahrten auf, dass das Männchen immer im Nest saß und nicht mehr abflog. Wenn, stand es nur mal für kurze Zeit auf, stocherte ein wenig herum und setzte sich wieder (auf dem Foto von R. Lunde ist übrigens eine bisher von uns noch nicht entdeckte leichte Kreuzschnabel-Anomalie zu sehen). Seitdem hat es das Nest nicht mehr verlassen. Inzwischen leben die Jungen nicht mehr. Das Weibchen kommt weiter regelmäßig. Gibt es eine Erklärung für dieses Geschehen?

Ich habe es mehrfach erlebt, dass Jungstörche sich aufgrund von Federanomalien nicht trauten, vom Nest zu fliegen. Das trifft hier wohl nicht zu. Es könnte sein, dass das Männchen einen Flügelschaden erlitten hat, damit gerade noch so aufs Nest kam, mit diesen Erfahrungen aber spürt, dass ein Weiterfliegen nicht möglich ist. Dann wird es das Nest erst verlassen, wenn es der Hunger treibt (hat es sogar von den Jungen gelebt?) - und es wird sich zeigen, ob es vielleicht doch ganz gut oder eingeschränkt oder kaum bis gar nicht fliegen kann.

Donnerstag, 14. Mai 2020
Todesursache geklärt

Am 24. und 25 April starben innerhalb eines Tages die drei Storchenjungen in Nienhagen. In der Zeit gab es weder einen Nahrungsengpass noch Extremwetter. Zwei der drei toten Jungen wurden abgeworfen, konnten geborgen und über das Veterinäramt in Celle zur Ermittlung der Todesursache eingeschickt werden. Heute traf das Ergebnis ein: Die Jungen starben an Herz- und Kreislaufversagen infolge einer durch Aspergillose hervorgerufen Lungenentzündung.

Aspergillose ist eine die Atemwege befallende Schimmelpilzerkrankung. Sie gilt als Haupttodesursache bei Jungstörchen insbesondere in den ersten Lebenswochen. Ein Befall führt meist - wie nun auch in Nienhagen - innerhalb weniger Tage zum Tode.

Was kann man dagegen tun? Die von Experten empfohlenen Maßnahmen reichen vom Abbau eines Nestes mit Totaldesinfizierung bis hin zur Einschätzung: Das bringt alles nichts. Aspergillus-Sporen gibt es überall in der Natur. Und unter bestimmten Bedingungen (besonders feuchtwarmes Wetter) können sie sich auch ganz rasch todbringend verbreiten. Nun, feuchtwarmes Wetter hatten wir in Nienhagen nicht. Die Jungen sind trotzdem an Aspergillose gestorben.

Als Weißstorchbetreuer im Kreis Celle haben wir uns entschlossen, einen Mittelweg einzuschlagen. Dort, wo Storchenjunge mehrfach - vermutlich oder nachgewiesen - an Aspergillose gestorben sind, tragen wir einen Großteil des bestehendes Nestes ab. Bisher hat sich diese Maßnahme als hilfreich erwiesen. In Jeversen starben vier Jahre nacheinander die Jungen innerhalb der ersten zwei Lebenswochen. Nach Teilabtrag des Nestes wurden 2019 erstmals wieder 2 Junge flügge, und auch diesmal sieht es gut aus. In Großmoor starben die Jungen in den letzten beiden Jahren - und auch schon vorher. Auch hier haben sie (Schlupf ab 20. April) bisher überlebt.

Mittwoch 13. Mai 2020
Zum Frühstück Schlangenfraß oder Kochschinken?

Velstove 2020 (R.Lunde)Dass Schlangen zum Nahrungsspektrum der Weißstörche gehören, ist bekannt. Bei Jungstörchen ist es manchmal schon erstaunlich, wie sie es schaffen, auch eine schon etwas größere Schlange runter zu würgen. Es kann aber auch vorkommen, dass dann die Schlange im Hals stecken bleibt. Mir ist ein Fall bekannt, wie der Altstorch die Schlange wieder rausgezogen und selbst verspeist hat. Ich habe aber auch schon ein Foto von einem an einer Schlange erstickten Jungstorch gesehen. Dem hingen noch mindestens 40 cm der Schlange aus dem Schnabel. Dieses Problem hatte der Jungstorch hier in WOB-Velstove nicht (Foto R. Lunde). Vermutlich ist es eine Ringelnatter, die er dann in kurzer Zeit runterwürgte.

Hohne Screenshot 2020 (A.FerduschNicht unbedingt zum Nahrungsspektrum der Störche gehört, was der Storchenmännchen in Hohne gestern den drei Jungen präsentierte (Screenshot A. Ferdusch). Es handelt sich hierbei höchstwahrscheinlich um Kochschinken. Wie mag der Altstorch denn daran gekommen sein? Gut möglich, dass der Kochschinken wegen Ablauf des Verfallsdatums von einem Gartenbesitzer auf den Kompost geworfen wurde. Da muss ihn der Altstorch entdeckt haben. Daß Störche auch "totes Tier" verzehren, ist bekannt. Damit überwintern Tausende von Störchen auf Müllkippen in Spanien - und auch bei uns kommen viele zur Nahrungssuche auf die Deponien Alba-Braunschweig, WOB-Fallersleben und SZ-Heerte.

Dienstag 12. Mai 2020
Betroffenheit und Erleichterung

Am Sonntagnachmittag kam die Nachricht aus Altencelle, dass dort im Wohnbereich seit Stunden ein Storch auf einer kleinen Rasenfläche stehe. Offensichtlich könne er nicht mehr fliegen. Um das festzustellen, machte auf Anraten die Melderin die "Flugprobe" d.h., auf den Storch zuzugehen. Wenn er noch fliegen kann, wird er das auch tun. Dieser Storch aber blieb stehen. Als Mitbetreuer Gerd Papenburg und ich vor Ort eintrafen, bot sich uns ein schlimmer Anblick: Dem Storch fehlte rechts das halbe Bein. Immerhin hatte er aber noch so viel Kraft, dass er bei unserer Annäherung fast aus dem Stand aufflog und hinter den Häusern verschwand.

Einen Storch mit einer so schweren Verletzung zu sehen lässt uns nicht unberührt. Es ist in dieser Saison schon der dritte Fall in unserem Bereich: Von den BS Rieselfeldern wurde ein Storch gemeldet (G. Braemer), dem ein Fuß fehlte. Auf der Deponie Wolfsburg wurde über Wochen die Störchin WOB-Vorsfelde beobachtet (R. Lunde), bei der ein Bein nur noch an Sehnen hing. Und nun dieser Storch in Altencelle. Sicher, manchmal überleben Störche mit einem Bein auch über längere Zeit, aber dies eben doch mit permanenter Schiefhaltung, mit Entzündungen durch Überlastung des verbliebenen Beines, und das alles unter großen Schmerzen. Meist verhungern sie dann oder fallen einem Beutegreifer zum Opfer. Wirklich helfen ist nicht möglich.

Nachdem der Storch in Altencelle abgeflogen war, stand die bange Frage im Raum: Ist dies einer der Brutstörche von den besetzten Storchennestern in der näheren Umgebung? Nach intensiven Beobachtungen konnten wir erleichtert feststellen, dass diese Paare weiter komplett und unversehrt waren. Somit erübrigten sich Überlegungen über eine eventuelle Bergung von schon geschlüpften Jungen (Altencelle, Bockelskamp) oder von noch bebrüteten Eiern (Celle-Stadt).

Übrigens: Der so schwer verletzte Storch wurde am Abend noch einmal gesehen, als er 8 km weiter nördlich in Groß-Hehlen nach mehreren Versuchen auf einer Sirene landete, dort übernachtete und am frühen Morgen dann weiterzog - in eine Zukunft ohne Hoffnung.

Montag 11. Mai 2020
Warum haben sie nun wieder aufgehört?

In Müden-Langenklint hatte sich nach längerem Hin und Her auch zum Nachbarnest in Hahnenhorn nun doch ein Storchenpaar niedergelassen. Ab dem 1. Mai wurde gebrütet. Heute aber flogen doch wieder beide Störche vom Nest. Das bedeutet Brutabbruch. Dies hat sehr wahrscheinlich mit dem Alter des Paares zu tun. Das Männchen, 2018 in Wesendorf beringt, ist erst zwei Jahre alt, das unberingte Weibchen vermutlich auch. Bei so jungen Paaren ist oft die Brutreife noch nicht voll ausgebildet. Da kann es dann vorkommen, dass vielleicht doch ein Ei (manchmal sogar zwei) im Nest liegen und sogar anfangs gebrütet wird. Aber dann lässt der Bruttrieb bei zumindest einem Partner doch wieder nach. Es kommt zum Abbruch. Zuweilen verlässt das Paar dann anschließend den Ort und zieht weiter.

Müden-Langenklint 2020 (F.Börner)Letzte Meldung: Und dann war es doch ganz anders

Von Storchenmitbetreuer Friedrich Börner erhielt ich soeben die Information, warum der Brutabbruch in Müden-Langenklint wirklich erfolgt ist. Am Sonntagabend saß der eine Partner brütend auf den Eiern. Da tauchte ein Fremdstorch auf. Es kam zum Kampf. Der Störenfried schaffte es, aufs Nest zu gelangen. Nun liegen beide Eier zerstört unter dem Nest (Foto F. Börner). Der Störstorch zog dann wieder ab.

 

Zur Zeit haben wir im Kreis Gifhorn zwei jeweils zweijährige Paare, die offensichtlich (Ribbesbüttel) oder möglicherweise (Kreuz Kirche Leiferde) angefangen haben zu brüten. Dazu kommt noch ein unberingtes Paar in Hillerse, bei dem seit drei Tagen immer ein Partner sitzt. Hier gilt es abzuwarten, wie sich das Brutgeschehen weiter entwickelt.

Sonntag 10. Mai 2020
Derzeit viele Dreier im Gifhorner Land

Osloß 2020 (Rita Lunde)In immer mehr Storchennestern schlüpfen jetzt die Jungen. Dort, wo dies schon einige Tage her ist, kann man nun bei geduldigem Beobachten anhand der sich hochreckenden Köpfe die Zahl der sich derzeit im Nest befindenden Jungen feststellen. Dabei ergibt sich, dass in vielen Nestern im Kreis Gifhorn aktuell drei Junge sind.

Dies trifft im NABU ASZ Leiferde zu auf die beiden Nester auf Mast und auf das von Fridolin und Mai auf dem Schornstein. Dort waren es anfangs sogar fünf. Drei Junge werden in Wesendorf (anfangs fünf), Betzhorn und Wahrenholz gefüttert. Etwas später geschlüpft sind die nun jeweils drei Jungen in Dannenbüttel, Tappenbeck, Jembke und Osloß (Foto und Meldungen Rita Lunde).

Im nur schwer einsehbaren Nest in Rühen sind mindestens zwei Junge, in Triangel ist nur noch eins.

Samstag 9. Mai 2020
Hat auch der Kleine eine Chance?

Weißstörche legen im Schnitt 3-5 Eier, damit die zur Arterhaltung notwendige Zahl von 2 (bei Westziehern schon 1,5) flüggen Jungen pro Brut erreicht wird. Die Storcheneltern treten damit sozusagen in Vorleistung. Wie viele der geschlüpften Jungen dann tatsächlich groß werden, das richtet sich vor allem nach dem Nahrungsangebot, den Witterungsumständen und der Erfahrung der Eltern. Mögliche Jungenverluste sind also von der Natur einkalkuliert. Trotzdem, wenn sie geschehen - vielleicht sogar von einer Webcam dokumentiert - dann lässt uns das nicht unberührt.

Hone2020sIm Nest auf der Kirche in Hohne (CE) schlüpften vier Junge. Eins starb nach wenigen Tagen. Ein zweites ist wesentlich kleiner als die beiden Geschwister (Screenshot A. Ferdusch). Es hat es schwer, sich zu behaupten. Man hat den Eindruck, dass der Größenabstand zu den beiden anderen von Tag zu Tag wächst. Hat dieses Storchenjunge überhaupt eine Chance, zu überleben und flügge zu werden?

Im letzten Jahr mit dem riesigen Mäuseangebot wäre die Aussicht besser gewesen. Diesmal ist noch nicht abzusehen, wie es mit der Mäusepopulation bestellt ist. Ist der Bestand, wie dies meist nach einem extremen Anstieg geschieht, dann zusammengebrochen - und die Regengüsse im Februar haben den Rest bewirkt - oder haben doch genügend überlebt, um die Produktion wieder anzukurbeln? Und natürlich spielt das Wetter eine Rolle - ob zumindest ab und zu für die “Regenwurm-Ernte” genug Niederschlag fällt. Ab Juni ist dann die Frage, wie sich der Heuschreckenbestand entwickelt. 2018 haben viele Storchenjungen vor allem durch das reichhaltige Vorhandensein dieser Insekten überlebt. Klar ist: Gibt es einen Nahrungsengpass, wird es zuerst für die kleineren unter den Geschwistern eng. Das ist dann auch so etwas wie eine "Natürliche Auslese".

Freitag, 8. Mai 2020
Wenn die Eltern sich plötzlich wieder paaren...

... dann bedeutet das für den Storchennachwuchs im Nest nichts Gutes. Dann ist klar: Die Jungen leben nicht mehr, die Brut wurde abgebrochen. Kurzfristig paaren sich die Eltern noch mal. Es ist ein Reflex. Sie möchten doch ihrer Aufgabe gerecht werden, für Nachwuchs zu sorgen. Aber das geht nun nicht mehr. Die Brutsaison ist für sie zuende.

Bei der heutigen Kontrolle des Nestes auf dem Kloster Wienhausen stellte Mitbetreuer Gerd Papenburg fest: Ein Altstorch steht im Nest. Von den Jungen ist nichts zu sehen. Dann fliegt er ab. Im Nest regt sich nichts. Da Junge in dem Alter (Schlupftermin ab dem 21. April) nie allein gelassen werden, konnte das alles nur heißen: Sie leben nicht mehr. Mittags kehrten beide Altstörche zusammen zurück - und paarten sich.

Nach Nienhagen ist dies der zweite Brutabbruch im Kreis Celle. Auch hier handelt es sich um erfahrene Eltern. Auch hier können Nahrungsmangel oder Extremwetter eigentlich nicht die Ursache für das so plötzliche Sterben sein. Hoffentlich wissen wir mehr, wenn das Obduktionsergebnis für die beiden zur Untersuchung eingeschickten Nienhagener Jungen vorliegt.

Donnerstag, 7. Mai 2020
Nienhagen Mai 2020 (J.Bieda)sLeider vergebliche Liebesmüh

Da sitzt die Störchin in Nienhagen (CE) und brütet. Neben ihr steht das Männchen (Foto J. Bieda). Bald wird er sie wieder ablösen - so, wie die beiden das nun schon seit 13 Tagen tun. Alles scheint in Ordnung zu sein. Doch das ist es nicht. In diesem Nest wird kein Junges mehr schlüpfen. Die sind nämlich schon geschlüpft, drei an der Zahl, am 17. und 18. April. Doch schon nach gut einer Woche starben alle drei kurz nacheinander (siehe Bericht vom 26. April). Im Nest liegt jetzt nur noch ein unbefruchtetes Ei. Und da bei den Eltern auch nach dem Jungenverlust der Bruttrieb weiter bestand, haben sie sogleich mit dem erneuten Bebrüten dieses Eies begonnen. Dass kein Leben drin ist und somit auch nicht heranwächst, spüren sie nicht. Sie folgen nur ihrem Bruttrieb, und der sagt ihnen: Ihr müsst das Ei bebrüten. Das tun sie nun also, und sie werden es noch längere Zeit so machen. Erst wenn der Bruttrieb nachlässt, werden sie sich allmählich vom Bebrüten lösen können und dann auch wieder zu zweit ihr Nest verlassen.

Mittwoch, 6. Mai 2020
Willst Du mich veräppeln oder verklopsen...

Okeraue-Nord  II (G.Braemer)...mag wohl das Storchenweibchen in dem neuen Nest auf der Jagdkanzel in der Okeraue-Nord (GF) gedacht haben, als ihr Männchen den Schnabel voll mit sechs rundlichen Brocken ankam (Foto G. Braemer 01.05.20) und diese dann mit im Nest verbaute. Auch altgediente Storchenbetreuer können sich nicht erinnern, derartiges schon mal gesehen zu haben.

Bei einer Umfrage, um was es sich bei den Brocken handeln könnte, gab es unterschiedliche Antworten. Die überwiegende Mehrzahl sprach sich für Pferdeäpfel aus. Aber sind die nicht größer und anders in der Zusammensetzung? Die Antwort von R. Löhmer lautet : "komprimierte 'Äpfel' eines kleinrassigen Pferdes." Das könnte passen. Zum einen ist bekannt, dass Störche zum Nestinnenausbau auch Mist einschließlich Pferdeäpfeln verwenden. Und zum anderen: Auf der Weide nebenan werden tatsächlich kleinrassige Pferde, nämlich Island-Ponys, gehalten.

Bei den Antworten gibt es auch diese zweimal geäußerte Meinung: Es könnte sich um Speiballen (Gewölle) handeln, die das Storchenmännchen aufgesammelt und im Nest verbaut hat. Wie z.B. Eulen würgen auch die Störche unverdaubare Nahrung in Gewöllen wieder aus. Und sind an den Brocken nicht sogar Mäusehaare zu erkennen?

Fazit: Vieles spricht für Pferdeäpfel. Letztlich zu klären ist die Frage aktuell nicht.

Montag, 4. Mai 2020
Keine gravierende Brutverluste durch Trockenheit

Zum vergangenen Wochenende hin hat es endlich geregnet. Nun gibt es zumindest in den nächsten Tagen auch wieder mehr Regenwürmer, die Hauptnahrung für die Storchenjungen in den ersten Wochen. Die zuvor in den Medien geäußerte Feststellung "Störche finden wegen der Trockenheit keine Nahrung mehr für ihre Jungen" kann ich allerdings so nicht bestätigen. Schon in meinem Beitrag am 27. April (60 Regenwürmer in fünf Minuten) habe ich die Ernährungssituation als stabil eingeschätzt . Ein Überblick nun über 19 Nester in den Kreisen Celle und Gifhorn, in denen vom 17. bis Ende April Junge geschlüpft sind, zeigt, dass in allen mindestens 2 Junge sind. Derzeitige Rekordhalter sind mit aktuell 5 Jungen Fridolin und Mai in Leiferde. In Wesendorf leben von 6(!) geschlüpften Jungen noch 4 - die anderen beiden wurden erst gestern und heute abgeworfen. Beim Brutabbruch in Nienhagen spielte Nahrungsmangel keine Rolle. Dieser Überblick besagt, dass insgesamt doch mehr Regenwürmer zur Verfügung standen als befürchtet. Eine wesentliche Rolle wird dabei der vielerorts doch noch relativ hohe Grundwasserstand gespielt haben.

Samstag, 2. Mai 2020
Doch nicht unfruchtbar

Erstmals brüteten DEW 4T 450 und 5T 405, damals beide zwei Jahre alt, 2018 auf dem Gelände des NABU ASZ Leiferde. Nach viel zu langem Brüten stellte sich schließlich heraus: die Eier waren unbefruchtet. Im folgende Jahr bezog das Paar das Nest auf der gekappten Eiche im Dorf. Wieder saßen die beiden weit über den errechneten Schlupftermin hinaus auf den Eiern. Junge schlüpften erneut nicht. War möglicherweise einer der beiden Partner unfruchtbar? Nun, im dritten Jahr, bezog das Paar wieder das Nest auf der Eiche. Brutbeginn war der 28. März. Und dann kam am 29. April die Meldung von H.-C. Albrecht: "Heute konnte ich beobachten, dass gefüttert wurde". Somit kann die Befürchtung "Unfruchtbarkeit" nun ad acta gelegt werden.

Entwarnung in Wolthausen

Aus Wolthausen (CE) kam die Meldung, es sei nur noch ein Elternstorch da, und der würde vom Nest fliegen, um Futter zu holen. Somit wären die gerade mal 5 Tage alten Jungen allein. Betreuer Gerd Papenburg stellte dann vor Ort fest: Es ist alles in Ordnung. Beide Altstörche sind da, es wird gefüttert. Der Eindruck eines zeitweise leeren Nestes war entstanden, weil der jeweilige Altstorch beim Hudern der Jungen so flach im Nest saß, daß er von unten nicht sichtbar war.

Nest Okeraue-Nord: Standort mit Problemen

Mit dem Bau seines Nestes auf dem Dach einer Jagdkanzel in der Okeraue hat sich das wohl noch junge Storchenpaar einen wirklich suboptimalen Standort ausgesucht. Zu der jagdlichen Problematik (wir werden weiter beobachten!) kommt hinzu, dass die Jagdkanzel direkt an einem auch von Spaziergängern genutzten Weg steht. Hoffentlich gewöhnen sich die Störche daran. Meine Beobachtung vorgestern: Als ein Mensch mit Hund noch rund 25 Meter von der Kanzel entfernt war, flog der bis dahin sitzende Storch ab und landete gleich daneben auf der Wiese. Als der Spaziergänger am Nest vorbeigangen war, kehrte der Storch sofort aufs Nest zurück und setzte sich wieder. Übrigens: auch heute saß ein Storch. Vermutlich hat die Brut begonnen.

Würden sie noch brüten?
Freitag, 1. Mai 2020

An mehreren Neststandorten sind bisher noch keine Störche eingetroffen. Hier taucht die Frage auf: "Wenn sie jetzt noch kommen sollten, könnte das mit der Brut dann noch klappen?" - Nun, eine Faustregel besagt: Mit jedem Tag, den die Störche nach dem 1. Mai eintreffen, verringert sich die Aussicht auf eine erfolgreiche Brut. Meistens sind es nämlich jüngere, noch nicht (ganz) brutreife Störche, die noch jetzt im Mai und Juni ankommen. Natürlich gibt es Ausnahmen. In sogenannten Störungsjahren können Störche aufgrund widriger Zugbedingungen unterwegs so lange aufgehalten werden, dass auch vorherige Brutstörche erst im Mai eintreffen. Manchmal klappt es dann noch, manchmal ist aber die biologische Uhr schon zu weit vorgerückt. Und auch dies gibt es bei Paaren, bei denen mindestens ein Partner sehr jung ist: Lange Zeit sieht es nicht nach einer Brut aus. Dann beginnt das Paar doch noch. Die Abbruchrate solcher Bruten ist allerdings relativ hoch.

Erfolgreiche Spätbruten mit jeweils zwei flüggen Jungen gab es im Kreis Gifhorn 2015 in Bergfeld (Eintreffen des Paares am 6. Mai, Brutbeginn am 16. Mai) und 2017 in Wasbüttel (23. April + 4. Mai - 18. Mai.).

Einzelstörche wurden gestern aus Hahnenhorn und heute aus Kaiserwinkel gemeldet. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sie bleiben und ob evtl. noch ein Partner hinzukommt.

Okeraue Nord 29.4.20 (G.Braemer)sStorchenbrut mit Hindernissen
Donnerstag, 30. April 2020

In der Okeraue hat sich noch ein weiteres, zunächst unentdecktes Storchenpaar angesiedelt, und zwar auf dem Dach einer transportablen Jagdkanzel (Foto G. Braemer). Die war dort aufgestellt worden, um ab dem 1. Mai zur Bock- und Wildschweinjagd genutzt zu werden. Ich habe mir heute längere Zeit ein Bild vor Ort gemacht und festgestellt: Der Brutbeginn steht unmittelbar bevor. Da die Störung der Brut von streng geschützten Vögeln, zu denen auch der Weißstorch zählt, gesetzlich verboten ist (und unter Strafe steht), bin ich initiativ geworden. Es erfolgten Gespräche mit dem - mir bekannten - Jagdpächter und dem Umweltamt Gifhorn. Der Jagdpächter hat zugesichert, dass die Jagdkanzel in der Brutzeit der Störche nicht genutzt wird.

Brutabbruch in Zasenbeck
Mittwoch, 29. April 2020

Zasenbeck 13.4.20 (H.C.Albrecht)sAm 08.04. war das Zasenbecker Storchenmännchen in einen hohen Schornstein gestürzt und gestorben. Am Tag darauf hatte der Rivale dessen Stelle übernommen und zunächst ein Ei aus dem Nest geworfen. Wann ein zweites, erst am 13.04. entdecktes Ei (Foto H.-C. Albrecht) hinzugekommen ist, ist unklar. Weitere zerstörte Eier wurden damals nicht gefunden. In den nächsten Tagen flogen dann auch mal beide Störche vom Nest. Ich nehme an, dass es zwischenzeitlich einen stressbedingten Legestop bei dem Weibchen gegeben hat. Dass nun definitiv gebrütet wurde (mit Brutablösung!) stellte ich am 17.04. fest. Bei weiteren Kontrollfahrten sass stets ein Storch im Nest. Es hat aber auch, wie Anlieger berichten, zwischenzeitlich Unstimmigkeiten zwischen den beiden gegeben, "weil sie ihn nicht aufs Nest lassen wollte". Gestern wurden dann zwei Eier abgeworfen - nun wird nicht mehr gebrütet. Offensichtlich war die Gesamtsituation doch zu kompliziert für das Gelingen der Brut.

Entwarnung in Weyhausen
Dienstag, 28. April 2020

Heute mittag kam von einer Beobachterin mit direktem Blick auf das Storchennest Weyhausen-West die Information, dass es an diesem Tag noch keine Ablösung beim Brüten gegeben habe. Sollte einer der beiden Brutstörche ausgefallen sein? Wenn ja, gab es die Möglichkeit, die bereits zwei Wochen lang bebrüteten Eier zu bergen?

Der Ausfall eines Brutstorches kommt zuweilen vor - meist weil der einem Unfall zum Opfer gefallen ist. Zuletzt geschah das auf eben diesem Nest vor drei Jahren (Aktuelles 8. Mai 2017). Ich habe es aber auch schon zweimal in Parsau erlebt (Aktuelles 23. Mai 2012, Aktuelles 16. Mai 2015), dass eine Störchin aus unerfindlichen Gründen mitten in der Brutphase die Brut verlassen hatte. Dass zumindest eine von ihnen aber noch lebte, zeigte sich im folgenden Jahr: Da brütete sie - mit Erfolg - in Mecklenburg-Vorpommern. Und dann gabt es auch schon zweimal dieses: Bei einem noch sehr junger Storchenmännchen waren bei seiner ersten Brut die elterlichen Pflichten noch nicht voll ausgeprägt. Es kam zum Brüten und später auch zum Füttern nur ab und zu mal zum Nest. In einem solchen Fall (Ahnsbeck) starb die Brut an Unterversorgung, in einem anderen (Ettenbüttel) schaffte es die Störchin weitgehend allein, zwei Junge groß zu ziehen. In beiden Fällen (Aktuelles 25. Juni 2012) brütete das dann gereifte Männchen im nächsten Jahr erfolgreich.

 In Weyhausen stellte Mitbetreuerin Rita Lunde zunächst einmal fest, dass der brütende Partner die zweijährige Störchin DEW 1V 015 war. Sie stand offensichtlich schon beunruhigt mehrfach auf. Vermisst wurde also das unberingte Männchen. Eine Suche nach ihm in der Umgebung blieb erfolglos. Doch dann, am frühen Nachmittag, kehrte es doch zurück. Ob eine vorherige Ablösung nicht bemerkt worden oder ob das Männchen viele Stunden aushäusig gewesen war (eine Ablösung erfolgt meist nach etwa 3 Stunden), ließ sich natürlich nicht mehr feststellen. Wie dem auch sei, wichtig ist erst mal, dass es wieder da ist.

Plus und minus: Im Nest von Fridolin und Mai in Leiferde wurde nun ein viertes Junges gesichtet. In Winsen (CE) fraß heute morgen der eine Brutstorch ein fünf Tage altes Junges auf. Es sind aber immer noch mindestens zwei Junge im Nest.

60 Regenwürmer in fünf Minuten
Montag, 27. April 2020

Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Die Böden sind staubtrocken. Dennoch bringen die Storcheneltern derzeit noch erstaunlich viele Regenwürmer als Futter für die Jungen. Der für den Kreis Stade zuständige Storchenbetreuer Gert Dahms hat vorgestern bei einem Storch einmal genau gezählt, wie viele Regenwürmer der in fünf Minuten auf einem gepflügten Acker und dem daneben liegenden extensiven Grünland eingesammelt hat. Es waren genau 60 (aber keine Maus)! Offensichtlich haben sich viele Regenwürmer noch nicht in tiefere Regionen zurückgezogen. Und wenn es jetzt in den nächsten Tagen tatsächlich endlich wieder (und nicht zu wenig) regnen sollte, bliebe die aktuelle Ernährungssituation für die Storchenbruten weiterhin stabil.

Aus Leiferde werden heute je drei Junge in den Nestern auf dem Schornstein (Fridolin und Mai) und Mast I gemeldet. Im Kreis Celle wird nun auch in Altencelle-Burg und in Wathlingen gebrütet. Bei einer kleinen Rundreise gestern im Kreis Gifhorn zeigte sich, dass die Paare in Müden-Langenklint und Ribbesbüttel noch nicht mit der Brut begonnen haben. Im Nest auf dem Kreuz der Kirche in Leiferde saß einer der Partner des zweijährigen Paares.

Nun sind alle Jungen tot
Sonntag, 26. April 2020

Gestern war das erste der drei Jungen in Nienhagen (CE) gestorben und wurde anschließend vom Storchenmännchen gefressen. Innerhalb eines Tages starben nun auch die beiden anderen Storchenjungen. Sie wurden nur acht bzw. neun Tage alt. Die letzten beiden Toten wurden aus dem Nest geworfen. Sie konnten geborgen werden und werden nun zur Untersuchung eingeschickt. Dann wird hoffentlich die Todesursache ermittelt werden. Weil alle drei Jungen so schnell gestorben sind, könnte eine Infektion der Grund sein, möglicherweise auch irgendetwas mit dem Gefütterten.

Ein Nachgelege ist wegen des zu großen Abstands zur Mitte März begonnenen Brut nicht zu erwarten. Allerdings befindet sich jetzt noch ein höchstwahrscheinlich unbefruchtetes Ei im Nest (Manchmal stirbt auch der Embryo im Ei ab). Vermutlich werden es die nun kinderlosen Storcheneltern in der nächsten Zeit weiter bebrüten.

Im Webcam-Nest in Hohne (Erstschlupf 17. April) sind weiterhin vier Junge zu sehen, in Winsen (23. April) mindestens zwei.

Kronismus
Samstag, 25. April 2020

In der griechischen Mythologie wird vom Titan Kronos berichtet, dass er seine Kinder auffrisst, um nicht seine Herrschaft an sie zu verlieren. Die überleben das aber, werden später wieder ausgewürgt und als Götter aktiv.

Wenn ein Brutstorch ein Junges auffrisst, nennt man das Kronismus. Dies geschieht gar nicht so selten. Früher hat man es nur kaum bemerkt. Heute durch die Webcams werden wir doch vermehrt Augenzeugen - so auch gestern in Nienhagen (CE). Am späten Nachmittag packte das Storchenmännchen ein da schon totes Junges und würgte es runter. Das mit zu verfolgen lässt doch nicht unberührt. Wahrscheinlich bewegt uns das sogar mehr als den Storch selbst. Für ihn passt ein Junges nicht mehr in das Jungenschema, wenn es sich anders verhält, als Junge sich verhalten müssen, um gehudert und gefüttert zu werden. Ein totes Junges ist dann eher ein störendes Objekt oder ein Stück potentielle Nahrung. Eine persönliche Beziehung zu den Jungen unterhalten Störche nicht. Werden Junge ausgetauscht, merken sie es nicht. Es sind dann ihre Jungen, wenn sie sich artgerecht verhalten. Zählen können Störche nicht: Auch wenn Junge verloren gehen oder zusätzlich weitere eingesetzt werden, bleibt das elterliche Verhalten wie zuvor.

Warum das eine Woche alte Junge in Nienhagen gestern gestoben ist, ist unklar. Nahrungsmangel kann es eigentlich nicht sein. Gefüttert wurde bisher reichlich. Extremes Wetter gab es auch nicht. Eine Erkrankung ist immer mal möglich. Es könnte auch am mitgebrachten Futter liegen. Das Nestgeschehen wird weiter beobachtet.

Übrigens: Seit heute wird auch im Nest von Fridolin und Mai in Leiferde gefüttert. Danke für die Informationen aus Isenbüttel und Rostock.

Werden sie noch brüten?
Freitag, 24. April 2020

Das Storchenpaar ist schon einige Tage da. Die beiden paaren sich auch. Ihre Nestbauaktivitäten hingegen sind ,wenn überhaupt, sehr gering. Zur Zeit sieht es nicht danach aus, dass sie brüten werden. Ob das noch klappen könnte? Möglich ist es. Wenn aber die Paare tagsüber meistens unterwegs sind und erst spät abends zum Übernachten kommen, sieht es eher nicht danach aus. Meistens handelt es sich hierbei um Paare, bei denen zumindest ein Partner noch nicht ganz brutreif ist. Gerade bei nun Zweijährigen kann dies so sein, und davon haben wir in diesem Jahr aufgrund des sehr guten Storchenjahrgangs 2018 doch etliche. Andererseits waren im letzten Jahr in Lagesbüttel-Schunterbrücke sogar beide Partner erst zweijährig. Trotzdem schafften sie es, ein Junges groß zu ziehen. Ein Anzeichen, dass es doch noch zur Brut kommen könnte, ist außer Paarung und Nestbau dann gegeben, wenn ein Partner über längere Zeit auf dem Nest bleibt und Wache hält.

Im Kreis Celle gehören die Paare in Adelheidsdorf, Altencelle-Burg, Stedden und Thören zu denen, die oft unterwegs sind. Hier sieht es (noch) nicht nach einer Brut aus. In Wathlingen könnte es zur Brut kommen (Beobachtungen G. Papenburg).

Im Kreis Gifhorn sind bei den Paaren in Ribbesbüttel und auf dem Kreuz der Kirche in Leiferde gleich beide Partner erst zwei Jahre alt. Aber das Beispiel Lagesbüttel-Schunterbrücke vom Vorjahr zeigt ja, dass auch hierbei eine Brut möglich ist. Wie es mit dem Paar weitergeht, das nun 5 Tage in Neuhaus ist, wird sich zeigen.

Das Paar, das bisher auch häufiger Hahnenhorn aufgesucht hat, hat sich nun entschieden, in Müden-Langenklint zumindest zu übernachten. Das Paar in Gerstenbüttel ist letzte Nacht dort nicht mehr aufgetaucht (Meldungen F. Börner und H.-C. Albrecht).

Hier ist unser Revier
Mittwoch, 22. April 2020

In Storchenkolonien ist es anders. Da befindet sich oft ein Nest neben dem anderen. In unserer Region aber hat im Grunde jedes Storchenpaar (Ausnahme: Leiferde, das durch die Storchenstation ohnehin schon Koloniecharakter hat) sein Revier. Wenn andere Paare sich auch dort ansiedeln wollen, wird es versuchen, die Konkurrenz zu vertreiben. Allerdings gibt es mit steigender Storchenzahl die Entwicklung, dass die besetzten Brutplätze näher zueinander rücken und nun manchmal sogar nahe beieinander liegen (z.B. letztes Jahr in Winsen). Revierkämpfe finden aber weiterhin statt.

Vor wenigen Tagen versuchte ein junges Storchenpaar, sich in Flackenhorst (CE) anzusiedeln. Aber dann kam das Männchen vom 1 km entfernten Nest in Bockelskamp und machte deutlich: Hier ist unser Revier! Das junge Paar konnte dem nichts entgegensetzen. Es musste weiterziehen. Der Bockelskämper Storch kommt aber vorsichtshalber noch jeden Tag vorbei, um sich zu vergewissern, dass die "Eindringlinge" wirklich weg sind.

Lange Jahre hat das Paar in Triangel (GF) eine Neuansiedlung in dem 1 km entfernten Neuhaus verhindert. Im letzten Jahr aber brütete dort erstmals ein junges Paar. Seit 3 Tagen ist dieses Nest nun wieder von einem Paar besetzt. Ob es bleiben darf/ wird?

Freche Elster
Montag, 20. April 2020

Nienhagen 2020 Freche Elster (J.Bieda)sDie Störchin in Nienhagen hatte gefüttert und sich dann wieder auf die Jungen gesetzt. Da landete eine Elster auf dem Nest. Sie pickte erst ein wenig im Randbereich und begann dann pickend um die Störchin herumzugehen. Die blieb ruhig sitzen, drehte nur manchmal den Kopf zur Elster hin. Als diese hinter der Störchin angelangt war, hatte sie plötzlich sogar einen Wurm im Schnabel, den sie sogleich vor Ort verzehrte. Auf dem Rückweg ging sie, ohne den Mindestabstand einzuhalten (!), sogar nahe am Schnabel der Störchin vorbei. Die hätte nur noch zustechen müssen. Tat sie aber nicht. Nach 2:24 Minuten flog die Elster wieder ab.

Derzeit gibt es mehreren Orten Storchenpaare mit relativ geringer Nestbindung. Tagsüber sind sie oft unterwegs. Hier wird sich bald zeigen, ob sie richtig sesshaft werden. So ein Paar ist im Kreis Celle das in Adelheidsdorf und im Kreis Gifhorn das in Gerstenbüttel. Die beiden zweijährigen Störche auf dem Kreuz der Kirche in Leiferde sind nun den dritten Tag da. Und DEW 8X 490 baut weiter an seinem Hügelnest im Freigehege des NABU ASZs. In Rothemühle hätten nach meiner Berechnung vor vier Tagen die ersten Jungen schlüpfen können. Aber auch heute tat sich dort noch nichts. Es gab nur eine Brutablösung ohne vorherige Fütterung. Im Bereich zwischen Hahnenhorn und Müden-Langenklint scheint nun kein Paar mehr zu sein. In den Nachbarnestern Ummern-West, Müden-Dieckhorst und Ettenbüttel war Brutbeginn bzw. steht er unmittelbar bevor.

Die nächsten schlüpfen
Sonntag, 19. April 2020

Nienhagen 2020, 3 Junge (J.Bieda)In der vergangenen Woche schlüpften die ersten Jungen. Im Kreis Celle sind es in Nienhagen nun drei (Foto J. Bieda). Gefüttert wird auch schon in Ahnsbeck und Hohne. Im Kreis Gifhorn sind Junge geschlüpft in Wesendorf. Das ist besonders erfreulich, weil die durchaus erfahrenen Eltern im letzten Jahr bald zwei Monate lang brüteten, ohne dass Nachwuchs schlüpfte. Aus unbekannten Gründen musste das Leben in den Eiern abgestorben sein. Aber nun hat es ja wieder geklappt.

Wenn ein Altstorch innerhalb einer Viertelstunde gleich dreimal aufsteht, nach unten schaut, das Nestinnere zurechtstopft und sich nach kurzer Zeit wieder hinsetzt, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass der erste Schlupftermin bevorsteht. So beobachtet gestern in Wahrenholz. Nach einer Stunde erschien der zweite Storch. Es gab eine Brutablösung - ohne vorheriges Füttern. Folglich ist weiter Warten angesagt. Schon geschlüpft sein müssten die ersten Jungen in Rothemühle.

In den Nachbarkreisen werden die ersten Jungen gefüttert in Wendeburg (PE) und in Wolfsburg in Kästorf und in der Deponie (Meldungen G. Fiedler und R. Lunde).

... weitere Nester werden besetzt

Während die ersten Jungen schlüpfen, werden von anderen Nestern Neuankömmlinge gemeldet. Im Kreis Celle ist nun in Bleckmar ein zweiter Storch eingetroffen, in Adelheidsdorf ist wohl seit 2-3 Tagen ein Paar, in Jeversen hat auf einem zweiten Nest im Dorf seit gestern ein Storch Nistmaterial eingetragen. In Leiferde (GF) stehen seit gestern auf dem Nest auf dem Kreuz der Kirche zwei Zweijährige.

Nienhagen 9:13 Uhr
Freitag, 17. April 2020

Um 09:11 Uhr rief ich die Storchen-Webcam in Nienhagen auf. Die Störchin brütete. Plötzlich zuckte sie mit den Flügeln, dann mit dem ganzen Körper. Mir kam sogleich das frühere Storchenmännchen in Hornbostel in den Sinn. Das hatte mit einem dauernd zuckenden Flügel nicht mehr lange gelebt (siehe Eintrag vom 02.09.2018!) . Nach einer kurzen Pause befiel die Störchin erneut ein Zucken. Hatte sie etwa etwas Vergiftetes gefressen? Um 9:13 Uhr stand sie auf, schaute nach unten. Da bewegte sich ja etwas! Das erste Junge war geschlüpft! Die Störchin machte kurz Nestpflege und setzte sich dann mit aufschuckelndem Gefieder vorsichtig wieder hin.

Mit dem von uns errechneten ersten Schlupftermin für Nienhagen am 18. April hatten wir somit ganz gut gelegen. Gleiches gilt für das auch per Webcam übertragene Storchengeschehen in Hohne. Hier beobachtete H.C. Albrecht die erste Fütterung heute um 12:43 Uhr. In den nächsten Tagen werden weitere Junge schlüpfen.

Veränderungen in der Besetzung der Nester: Das neue Männchen in Isenbüttel ist nun tatsächlich zu Nest und Weibchen in GF-Winkel umgezogen. In Isenbüttel ist derzeit kein Storch mehr. In Radenbeck ist das bis dahin Solo-Weibchen der letzten Jahre nach einigen Tagen wieder verschwunden. Das gestern in Ribbesbüttel gelandete Weibchen ist bisher geblieben. Damit hat Ribbesbüttel nun ein gegenüber dem Vorjahr völlig neues Paar. Entdeckt habe ich dann, dass es erstmals auch in Tülau-Fahrenholz ein Paar gibt. Auf meine Nachfrage ergab sich, dass es schon am 9. April komplett war.

Seltsames Verhalten des DEW 8X 490
Mittwoch, 15. April 2020

Der erste Abschnitt im Leben dieses Storches verlief dramatisch. Mitten in der Brutphase verließ 2015 ein Altstorch das Nest in Parsau-Ort und ward nicht mehr gesehen. Ich konnte die Eier noch rechtzeitig vor dem Erkalten bergen. In Leiferde wurden sie ausgebrütet. Eins der dort geschlüpften und später flügge gewordenen Jungen erhielt den Ring DEW 8X 490. Nach mehreren Ablesungen in den beiden folgenden Jahren erschien dieser Storch 2018 wieder in Leiferde Er baute mit einem unberingten Weibchen das Nest auf der gekappten Eiche im Ort aus. Eine Zeitlang wurde gebrütet, doch dann erfolgte der Abbruch. 8X 490 zog weiter. 2019 wurde er nirgends im Lande gemeldet.

Vor einigen Tagen ist er nun aber wieder aufgetaucht, und zwar im Freigehege in Leiferde. Offensichtlich hatte er sich gemerkt, wo es Futter zu holen gibt. Seitdem hält er sich oft in diesem Gehege auf - inmitten von 8 Pfleglingen. Auf einem kleinen Erdhügel hat er einige Zweige zusammengetragen. Will er etwa dort ein Nest bauen? Inzwischen hat sich 8X 490 dort zum absoluten Dominator entwickelt. Kein anderer Storch von den freifliegenden Paaren darf mehr ins Freigehege, um dort einen Happen zu schnappen. Sogar Fridolin wird abgewehrt.

Zu Ostern wurde dann ein Fremdstorch im Gehege tot aufgefunden: das vorjährige Isenbütteler Männchen. In diesem Jahr hatte es sich im Ilkerbruch angesiedelt, war aber dort schon einige Tage nicht mehr gesehen worden. Wieso es nun tot in Leiferde im Gehege lag, soll untersucht werden. Ob 8X 490 daran beteiligt war? Auf die weitere Entwicklung darf man gespannt sein.

Besetzte Storchennester GF: In Adenbüttel ist das Paar komplett, Barwedel seit Tagen nicht besetzt, evtl. ist das neue Storchenmännchen von Isenbüttel zur Störchin nach GF-Winkel gezogen, Didderse brütet.

CE: In Bockelskamp, beiden Langlinger Nestern und Oldau wird gebrütet. Im Ort Meißendorf/Mitte hält sich seit mehreren Tagen ein zweijähriger, in Wahrenholz (GF) beringter Storch auf.

Zwischenbilanz zu Ostern 2020

Bisher ist die Storchensaison in diesem Jahr gut verlaufen. Bis zum 17. Mai, dem Stichdatum für die Erfassung der Storchenpaare, werden sich sicher noch einige Veränderungen ergeben.

Im Kreis Celle sind bisher an 22 Brutstellen (2019: 22) Störche eingetroffen. Von den vorjährigen Nestern noch nicht besetzt ist das in Winsen-Jann Hinsch-Hof. Dafür ist neu hinzugekommen das Nest in Wathlingen. Derzeit sind es 21 Paare und 1 Einzelstorch (in Bleckmar).

Im Kreis Gifhorn sind bisher an 55 Brutstellen (2019: 55) Störche eingetroffen. Von den vorjährigen Nestern noch nicht besetzt sind die in Lagesbüttel-Rotdornallee und in Neuhaus. Dafür sind neu hinzugekommen die Nester in Hahnenhorn und in Lüben. Derzeit sind es 50 Paare und 5 Einzelstörche.

Wer ist denn nun der Vater?
Ostermontag, 13. April 2020

Bei manchen Vogelarten - beispielsweise Blaumeisen - ist nachgewiesen: Nicht an allen Eiern, die in einem Nest liegen, muss das dortige Männchen beteiligt gewesen sein. Wie verhält es sich bei den Weißstörchen? Dabei spielen dann auch diese Fragen eine Rolle: Ab wann ist aufgrund der Paarung/en eine Befruchtung der Eier möglich? Wie lange ist der übertragene Samenvorrat wirksam?

Störche, die schon sehr zeitig kommen (oder sogar überwinterten), haben sich zuvor schon über viele Wochen gepaart, bis dann das erste befruchtete Ei gelegt wird. Ein möglichst früher Beginn oder die Anzahl der Paarungen sind also nicht entscheidend. Sie können erst dann Erfolg haben, wenn die Eireife einsetzt.

Bei ihrem Eintreffen an ihrem Brutstandort kann eine Störchin aber zuvor durchaus schon einen oder mehrere andere Paarungspartner gehabt haben - wie beispielsweise die Wesendorfer Störchin 2012, die vor der Rückkehr bereits einige Zeit auf den Nestern in Nienhagen und Winsen mit den dortigen Männchen verbracht hatte.

Wenn eine Störchin schon kurz, nachdem der "richtige" Partner ein bis dahin neues Männchen vertrieben hat, bereits das erste Ei legt, wie letztes Jahr in Rötgesbüttel, spricht einiges dafür, dass dessen Befruchtung, möglicherweise auch die der folgenden Eier, schon durch den vertriebenen Vorgänger erfolgt war.

Meist enden die Paarungen, wenn das erste Ei gelegt ist. Dann werden aber im Abstand von 2 Tagen oft noch vier weitere Eier gelegt, und die sind auch befruchtet. Somit dürfte der zuvor übertragene Samen für mindestens 10 Tage wirksam sein. Ich vermute, dass die Eizellen bei Erreichung eines gewissen Reifegrades durch das vorhandene Samenpotential befruchtet werden. Wenn allerdings zu dem Samenpotential des bisherigen Männchens noch das seines Nachfolgers hinzukommt, wird es kompliziert.

Und wie ist es "in einer normalen Storchenehe", bei der das Weibchen vor der Ankunft noch keine anderweitige Beziehung hatte? Wann könnte dort Brutbeginn sein? Bei erfahrenen Paaren, so auch die Einschätzung von Storchenmitbetreuer Georg Fiedler, könnte dies nach etwa einer Woche der Fall sein.

Die Frage nach der Vaterschaft bei den jungen Störchen im Nest kann also durchaus zu unterschiedlichen Antworten führen. Indes: Wirklich wichtig in dem allen ist nur dies, dass die Jungen behütet heranwachsen.

FROHE OSTERN! - Zasenbeck: So ging es weiter
Ostersonntag, 12. April 2020

Am 8. April stürzte das Zasenbecker Storchenmännchen bei der Vertreibung eines Fremdstorches in einen hohen Schornstein, aus dem eine Befreiung nicht möglich war. Die Störchin blieb im Nest sitzen und wehrte zunächst die Landungsversuche des Neuen (dabei kann es sich ja durchaus um das zu spät gekommene Männchen vom letzten Jahr handeln) ab. Am Nachmittag des 9. Aprils durfte er dann aufs Nest. Es kam zu ersten Paarungen. Am nächsten Morgen wurde ein Ei (wobei unklar bleibt, ob es sich bereits im Nest befunden hatte oder nach dem Partnerwechsel gelegt worden war) zerbrochen unter dem Nest gefunden. Es ist in der Natur eben nicht nur bei Löwen so: Ein neuer Partner tötet den bereits vorhandenen Nachwuchs bzw. zerstört die Brut, um so das eigene Erbgut weitergeben zu können. Noch mehr zerstörte Eier wurden seitdem nicht gefunden. Fest gebrütet wird auch noch nicht. Offensichtlich ist bei der Störchin eine - wohl schockbedingte - Unterbrechung des zweitägigen Legerhythmusses erfolgt.

Der Einflug weiterer Ostzieher und junger Westzieher hält an. Kreis Gifhorn: In Schönewörde schraubte sich das unberingte Paar am vierten Tag bei idealen Aufwinden hoch und höher - und entschwand (Beobachtung Stefan Müller). Dafür traf dann das beringte Paar ein, das sich bereits im letzten Jahr ab dem 13. Mai für einen Monat hier aufgehalten hatte. Beide - er 2015 in Kaiserwinkel (GF), sie 2014 in Vellahn (LWL) beringt - sind auch aufgrund früherer Ankunftsdaten den Ostziehern zuzurechnen. Ferner sind angekommen der erste Storch in Adenbüttel und in GF-Winkel. Komplett sind nun die beiden Paare in Weyhausen-Süd/Hohe Horst und in Weyhausen-West in teilweise neuer Zusammensetzung. In Isenbüttel ist auch ein neues Weibchen aufgetaucht. Hier braucht es offensichtlich seine Zeit, zueinander zu finden. Gestern kam es nach drei Tagen erstmals zu einer Paarung. Ein unberingter Storch ist nun in Ettenbüttel. Vorgestern wehrte er erfolgreich einen beringten Konkurrenten ab.

Im Kreis Celle ließ sich gestern ein Paar auf der Nisthilfe in Wathlingen nieder. Ob es bleibt, wird sich zeigen. Die letzte erfolgreiche Brut im diesem ehemaligen Storchendorf (um 1900 gab es auf 19 Höfen 29 Nester!) fand 1967 statt. Seit gestern nachmittag ist in Bleckmar nach zwei Durchzüglern vor einiger Zeit nun ein Storch, der bisher geblieben ist. Es könnte sich um einen der Brutstörche des Vorjahres handeln.

Schlupfprognosen
Freitag, 10. April 2020

In etlichen Nestern brüten die Storchenpaare nun z.T. schon seit längerem (jeweils aktuelle Übersicht in der HP unter Aktuelles). Das Schlüpfen der ersten Jungen wird im Kreis Gifhorn ab dem 15. April in Rothemühle erwartet, danach in Wesendorf, Wahrenholz und Leiferde ASZ Mast I. Im Kreis Celle hatte in Nienhagen am 14. März das erste Ei im Nest gelegen, zwei Tage darauf das zweite. Somit haben wir 32 Tage danach den 17. April als ersten Schlupftermin errechnet. Danach folgen die Paare in Ahnsbeck, Hohne und Großmoor.

Der Einzelstorch in Lüben und das Paar in Schönewörde sind bisher geblieben. Auch in Ettenbüttel ist jetzt ein Storch, der sich heute eines Konkurrenten erwehren musste. In Ummern-West ist nach dem Männchen nun gestern um 9.00 Uhr auch ein gegenüber dem letzten Jahr neues Weibchen gekommen - mit total bekalktem Ring. Auch hier kam die interessierte Konkurrenz: Ein Fremdpaar kreiste in einer Stunde zweimal um das Nest, ohne es aber direkt anzugreifen. Ebenso sind die Störche in Wittingen nun zu zweit.

Storchendrama in Zasenbeck
Mittwoch, 8. April 2020

Am Nachmittag attackierte ein Fremdstorch das Nest in Zasenbeck mit dem noch nicht brütenden Paar. Es gab Kämpfe. Der Fremdstorch flog dann auf den 26 m hohen schon seit vielen Jahren stillgelegten Schornstein in der Ortsmitte. Ein Neststorch, vermutlich das Männchen, versuchte ihn auch von dort zu vertreiben. Dabei verlor es das Gleichgewicht und stürzte in den Schornstein. Vor Ort zeigte sich, dass es bei diesem Schornstein von unten keinen Zugang mehr gibt, über den man den abgestürzten Storch eventuell hätte bergen können. Alles war total zugemauert. Laut Auskunft von Ortsbewohnern liegen unten im Schornstein ohnehin etliche Meter Bauschutt, der bei einem früheren Teilabtrag des Schornsteins einfach von oben hineingeworfen wurde. Ein Aufstemmen der dicken Wand (in welcher Höhe?) wäre nicht zu verantworten gewesen, da der Schornstein nicht mehr sehr stabil ist und von oben schon mehrfach Steine heruntergefallen sind. Schweren Herzens mussten wir den abgestürzten Storch, falls er noch leben sollte, seinem weiteren Schicksal überlassen. Ich werde umgehend mit den zuständigen Stellen Kontakt aufnehmen, damit als erstes der Schornstein einen Deckel bekommt.

Der Angreifer versuchte dann später aufs Nest zu kommen, Das ließ aber der dort sitzende Storch nicht zu. Da noch nicht gebrütet wurde, ist vorstellbar, dass die beiden nun ein Paar werden.

Der Einflug weiterer west- und ostziehender Störche hält an. Im Kreis Celle wurden neu festgestellt zwei Störche in Stedden und einer in Meißendorf. Einen Weibchenwechsel gab es in Hambüren. Das neue Weibchen auf dem Nest Langlingen-Mylius ist das vorjährige vom Nachbarnest Langlingen-Schleuse.

Im Kreis Gifhorn ist seit Wochenanfang ein Paar in Allerbüttel. Die Ringnummern DEW 1V 023 (aus Leiferde stammend) und DEH AZ 93 (aus Thüringen) weisen sie als zwei- bzw. dreijährig aus. Zwei - wie im Vorjahr - unberingte sind es in Parsau-Ort. Auch in Barwedel sind es nun zwei. Das Männchen in Vollbüttel hat mit DEH HN 159 nun endlich eine Partnerin gefunden. Es ist die vorjährige Störchin aus Ribbesbüttel. Dort ist jetzt der zweijährige, aus WOB-Vorsfelde stammende DEW 7T 987. Ebenfalls Störche gemeldet wurden heute aus Lüben und Schönewörde. Hier muss abgewartet werde, ob sie bleiben.

Weitere Ankünfte und Findungsgeschehen
Dienstag, 7. April 2020

Derzeit treffen weiter ganz junge Westzieher und zugleich wieder mehr Ostzieher ein, darunter auch die nächsten Senderstörche. Typisches "Markenzeichen" für Ostzieher sind ihre oft bekalkten Ringe, so aktuell auch bei der gestern eingetroffenen Störchin in Radenbeck (GF). Das Bekalken der Beine als Abkühlung in großer Hitze ist beim Überwintern in Spanien eben nicht nötig. Es ist anzunehmen, dass die beiden - wie im Vorjahr - nicht beringten Störche, die Sonntag und heute auf dem Nest Müden-Dieckhorst angekommen sind, auch zu den Ostziehern zählen. In Langlingen/Mylius (CE) sind Samstag das Männchen der letzten Jahre und Montag ein neues Weibchen mit bekalktem Ring eingetroffen. Hier muss noch geklärt werden, wer sie ist. Es könnte die vorjährige Störchin vom bereits besetzten benachbarten Nest Langlingen/Schleuse sein.

Die zweijährige, aus Hohne stammende Störchin DEW 1V 015 hatte zwei Tage lang vergeblich versucht, den Platz neben "Georg" auf dem Nest in GF-Kästorf zu belegen. Sie ist dann weitergezogen. Vorgestern landete sie in Weyhausen-West. Dem dortigen Männchen war das recht. Als es dann aber zur Paarung schreiten wollte, flog sie erschreckt ab. Das gleiche ereignete sich auch gestern - nicht ungewöhnlich für einen jungen Storch ohne jegliche Paarungserfahrung. Weil sie nun aber auch am dritten Tag noch da und auf dem Nest geduldet ist, kann es durchaus noch was werden mit den beiden.

,Allein gegen sechs Unberingte - DEW 4T 434 muß weiter kämpfen
Sonntag, 5. April 2020

Weyhausen-Süd 4.4.20 (R.Lunde)Es hatte schon so ausgesehen, dass DEW 4T 434 es im dritten Jahr seines Bemühens nun mit der Besetzung des Nestes Weyhausen-West endlich geschafft hat (siehe Bericht 27. März 2020). Doch tags darauf musste er auch dort wieder weichen. Seit drei Tagen steht er nun auf dem Nest Weyhausen-Süd/Hohe Horst - und verteidigt es vehement. Gestern wurde er durch eine Gruppe von sechs unberingten (!) Störchen attackiert, blieb aber standhaft. Eine Verletzung über dem Auge, die ein wenig versetzt noch wesentlich schlimmer hätte sein können zeugt von der Heftigkeit des Kampfes (Bericht und Foto R. Lunde). - Vermutlich handelt es sich bei den Angreifern um Zwei- und Dreijährige der 3. Welle Westzieher. Erstaunlich, dass alle unberingt waren und somit wohl aus weiter entfernten Gebieten stammten, in denen nicht beringt wird. - G. Braemer hatte tags zuvor von der BS Alba-Deponie außer 2 beringten sogar 13 nichtberingte Weißstörche gemeldet.

Neu eingetroffen war ja gestern das/ein Weibchen in Westerholz. Gleich zwei Weibchen hatten versucht, zum Männchen aufs Nest zu gelangen. Die eine schaffte es, die andere flog weiter. Kurz darauf kam dann aus dem Nachbarort Teichgut die Nachricht: auch bei uns ist das/ein Weibchen gelandet. Vermutlich gehörten beide Störchinnen zu einer durchziehenden Gruppe. Ebenfalls neu ist das zweijährige, aus Hohne (CE) stammende Weibchen DEW 1V 015. Seit gestern versucht es bei "Georg" in GF-Kästorf zu landen.

Ganz langsam füllt es sich - Warterekord 52 Tage
Samstag, 4. April 2020

In den letzten Tagen sind sporadisch weitere Störche eingetroffen. Im Kreis Gifhorn ist nun auch das Paar in Walle komplett. Somit ist von den im Vorjahr im Gifhorner Umfeld von Rieselfeldern, Alba Deponie und Okeraue besetzten Nestern nur noch das in Lagesbüttel-Rotdornallee ohne Storch. In Westerholz ist nun der 2. Storch, vermutlich das Weibchen, angekommen. Ob das Männchen dennoch auch weiterhin sein Spiegelbild in den Glasscheiben u.a. attackiert? In beiden Nestern in Weyhausen hat sich jetzt offenbar je ein Männchen festgesetzt. Das vorjährige Männchen aus Isenbüttel ist nach über zwei Wochen vergeblichen Wartens nun nach Ilkerbruch-Ost umgezogen, wo es eine Partnerin gibt. Seine Stelle hat nun neu der dreijährige, aus Hessen stammende DEW 5T 481 eingenommen, der im Vorjahr schon mal in einem Nichtbrütertrupp im Kreis Peine abgelesen wurde.

Im Kreis Celle ist nun auch in Hambühren ein Weibchen eingetroffen. Es ist zwei Jahre alt und stammt aus dem Nachbarort Winsen. Es gehört somit zur dritten Westzieher-Welle mit nun zwei- und dreijährigen potentiellen Erstbrütern. In Celle-Stadt musste das Westzieher-Männchen 52 Tage warten, bis nun heute das Ostzieher-Weibchen kam.

 

 

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