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Weißstörche in den Kreisen Celle und Gifhorn
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Jahresbericht Landkreis Celle 2004

1. Weißstorch-Statistik

Weißstorch-Statistik
anmerkungen

Vergleich der Nestpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit Jungen ( )

Vergleich der Nestpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit Jungen

 

2. Gut geklappert, Adebar! Celler Weißstörche zogen 22 Junge groß

2004 war ein erfolgreiches Storchenjahr

Die Invasion

Am 27. August um die Mittagszeit herum begann der Lachendorfer Landwirt Rolf Deecke eine Brachfläche in den Allerdreckwiesen zu mulchen. Er ahnte nicht, dass ihm gleich ein Naturschauspiel bevorstehen würde, wie er es so hier noch nie erlebt hatte. Zunächst erschien das Ahnsbecker Storchenpaar mit seinen beiden Jungen, um insbesondere Mäuse zu fangen. Dann aber regnete es mit einem Male Störche vom Himmel. Innerhalb weniger Minuten landeten insgesamt 57 Störche, um sich an der Nahrungsaufnahme zu beteiligen. Die meisten von ihnen waren Jungstörche, davon etliche beringt. Dem Storchenexperten Hans Reither gelang es später, mehrere Ringe abzulesen. Es stellte sich heraus, dass diese Störche aus der Region Bremen-Oldenburg stammten. Zusammen mit den anderen hatten sie sich zu einem großen Trupp zusammengeschlossen und nun auf dem Zug gen Süden bei uns Zwischenstation gemacht.

Zeitige Ankunft, Feuchtigkeit und viele Mäuse: hohe Jungenzahlen, darunter ein Fünfer

2004 war, was den Storchennachwuchs betrifft, fast überall in Deutschland ein erfreuliches Jahr. Auch der Kreis Celle liegt dabei im Trend. Mit 22 flüggen Jungstörchen wurde das drittbeste Brutergebnis in den letzten 20 Jahren erzielt. Dazu trug mit bei die zeitige Ankunft im Frühjahr. Insbesondere die Oststörche hatten auf ihrem Flug von Afrika über die Türkei bis zu uns hin gute Flugbedingungen und trafen bereits ab dem 21. März bei uns ein, nur wenig später als die ersten Weststörche, die von Afrika über Spanien oder direkt von dort zu uns kommen. So fanden auch die Mischpaare (ein Partner Ost-, der andere Westzieher) früher als sonst zusammen.

Fast den ganzen Sommer über hatten wir eine feuchte Witterung. Dies kam den jungen Störchen insbesondere in ihren ersten Lebenswochen zugute, in denen Regenwürmer eine Hauptnahrung für sie sind. Zudem gab es auch viele Mäuse, so dass die Störche fast immer genug zu fressen fanden. Dass wir von Kälteeinbrüchen und Dauerregen verschont blieben, trug ebenfalls mit zum guten Brutergebnis bei. So wurde in Nienhagen sogar eine Fünferbrut flügge. Das hatte es im Kreis Celle zuletzt vor 25 Jahren in Eschede gegeben.

Jungstörche erstmals wieder beringt.

 Fast zwei Jahrzehnte fanden in den alten Bundesländern fast keine Storchenberingungen mehr statt. Nach der Entwicklung neuer Ringe wurde es nun möglich, alle Jungstörche im Kreis Celle zu beringen. Sie erhielten von der Vogelwarte Helgoland die Ringnummern DEW 2X 201 bis DEW 2X 224. Die Beringung geschieht im Alter von vier bis fünf Wochen. Die Jungstörche stellen sich dabei tot. Nur an ihren Augen ist zu erkennen, dass sie alles aufmerksam verfolgen. Die Eltern schauen aus sicherer Entfernung zu und kehren gleich anschließend wieder zum Nest zurück. Von zwei Nienhagener Jungstörchen sind schon Rückmeldungen erfolgt. Der eine verunglückte bei Gifhorn an einer Stromleitung, der andere wurde im September in Südspanien abgelesen. So konnten die Ringe erste interessante Erkenntnisse über die Zugrichtung von Jungen eines Mischpaares vermitteln.

3. Informationen von den einzelnen Brutstandorten

Ahnsbecker Jungstörche anhänglich

Am längsten von allen blieben die zwei Ahnsbecker Jungstörche. Als die anderen Celler Jungen längst abgezogen waren, verweilten sie immer noch bei ihren Eltern. Am 27./28. August aber machte auf dem Weg gen Süden der große Storchentrupp in der Nähe Station. Als er weiter zog, schlossen sich die beiden an. Zwei Tage darauf starteten auch die Eltern.

Sehr jung in Altencelle

Drei Wochen lang wartete das Altenceller Männchen auf eine Partnerin . Endlich blieb eine Störchin. Es stellte sich aber sehr schnell heraus, dass es sich um eine noch sehr junge Störchin handeln musste. Oft war sie gemeinsam mit dem Männchen unterwegs. Zunächst sah es so aus, als ob es mit der Brut nicht klappen würde. Dann wurde aber doch gebrütet. Als die zunächst drei Jungen geschlüpft waren, hatte das Männchen den Hauptteil der Versorgung zu übernehmen. Das Weibchen war oft lange unterwegs und brachte kaum Futter mit. So ist es als Erfolg zu werten, dass dennoch zwei Junge flügge wurden. Die Ablesung des Ringes der Störchin mit dem Hiddenseer Kennzeichen DEH L 950 erbrachte dann die Bestätigung: Es handelte sich um eine erst dreijährige Erstbrüterin.

Hiobsbotschaften aus Großmoor

Am 11.04. wurde ein Storch mit schwersten Verletzungen nahe der Bahnstrecke in Dasselsbruch gefunden. Er musste eingeschläfert werden. Die Befürchtung, es handele sich um einen der Großmoorer Brutstörche, bestätigte sich glücklicherweise nicht. So konnte auch eine Aktion zur Bergung der vier Eier im Nest rechtzeitig abgebrochen werden. Neun Tage darauf wurde bei Obershagen ein Storch mit gebrochenem Bein gesichtet. Wieder handelte es sich nur um einen Durchzügler. Es wuchsen dann im Nest auf der Kirche zwei Junge heran. Kurz vor dem Ausfliegen aber verstarben beide. Eine Obduktion in der Tierärztlichen Hochschule ergab: Tod durch Aspergillose, eine Schimmelpilzinfektion der Lunge und Atemwege. Es ist dies eine Erkrankung, die bei langer Feuchtigkeit vor allem geschwächte Junge treffen kann. Im Winter wurde nun, da es in den letzten Jahren doch sehr gewachsen war und die Störche auch schon das Kreuz mit eingebaut hatten, das Nest in Großmoor zur Hälfte abgetragen.

Das Hohner Wunder

Fünfzig Jahre lang wuchsen in Hohne nie mehr als zwei Jungstörche heran. Lange Zeit fand überhaupt keine Brut mehr statt. Um so erstaunlicher war, dass bei der ersten erfolgreichen Brut dann im Jahre 2000 gleich vier Jungstörche flügge wurden. Seither ist das Nest auf der Kirche wieder regelmäßig besetzt. Auch in diesem Jahr gelang es den Storcheneltern, vier Junge groß zu ziehen. Sie schafften damit das zweitbeste Ergebnis im Celler Land.

Hornbostel weiter Spitze

Von allen Neststandorten im Celler Land wurden in den letzten 12 Jahren insgesamt in Hornbostel die meisten Jungstörche flügge. Diese Tendenz setzte sich auch im Jahre 2004 fort: Wieder wurden drei Junge erfolgreich aufgezogen. Dazu trug zum dritten Mal in Folge das nun fünfjährige Männchen mit dem Hiddenseering DEH H 0788 bei.

Neues Quartier in Langlingen

Über mehr als hundert Jahre nisteten die Störche auf dem alten Brennereischornstein des Hofes Mylius. Dieser Schornstein verkrümmte sich in den letzten Jahren immer mehr im oberen Bereich und musste darum aus Sicherheitsgründen im Herbst abgetragen werden. Zuvor hatten die Langlinger Störche dort noch einmal zwei von zunächst drei Jungstörchen groß gezogen. Zum fünften Mal in Folge trug dazu das Männchen mit dem Ring Radolfzell DER O 6559 bei. Inzwischen wurde auf der Putenscheune nebenan ein neues Storchennest installiert. Ich bin zuversichtlich, dass die Störche im nächsten Jahr dieses Quartier annehmen werden.

Rekordergebnis in Nienhagen

Zuletzt vor 25 Jahren waren - damals in Eschede - im Kreis Celle fünf Storchenjunge auf einem Nest groß geworden. Die günstigen Bedingungen dieses Jahres machten es möglich, dass nach einen Vierteljahrhundert dieses besondere Ereignis auch in Nienhagen Wirklichkeit werden konnte. Hatte es hier etwa auch eine Ansiedlungsprämie für Störche gegeben? Als die Jungen immer größer wurden, herrschte schon eine gewisse Enge auf dem Nest. Dann geschah es am 24. Juli, dass bei ersten Flugübungen eines Geschwisters ein Jungstorch einen Stoß bekam, das Gleichgewicht verlor, übers Dach nach unten rutschte und unten im Hof landete. Vor Schreck würgte er zunächst einmal die zuletzt erhaltene Nahrung aus. Auf diese Weise erleichtert versuchte er, zu fliegen und auf das Nest zurückzukehren. Und tatsächlich: Er schaffte es. Schließlich wurden alle fünf Jungstörche flügge. Da ein Elternteil Ost- und der andere Westzieher ist, stellte sich die Frage, welche Richtung wohl die Jungen einschlagen würden. Erste Teilantworten ergaben sich mit Hilfe der Beringung. Der Abflug der Jungen erfolgte am 8.8. zunächst gen Osten. Am selben Tage noch verunglückte einer der Jungstörche tödlich an einer Stromleitung bei Ribbesbüttel im Kreis Gifhorn. Drei Tage darauf kehrten die restlichen vier Jungen auf ihr Nest in Nienhagen zurück, ließen sich noch einmal von den Eltern füttern und flogen dann am nächsten Morgen endgültig ab. Zumindest eins von ihnen muss dann die Westroute eingeschlagen haben, denn es wurde Ende September in Südspanien abgelesen. Vermutlich sind auch die drei Geschwister dieselbe Route geflogen. Ob sie dann bei den überwinternden Artgenossen in Spanien geblieben oder weiter nach Afrika gezogen sind, bleibt zunächst offen.

Nur zu Besuch in Oldau

Leider fand nun schon zum vierten Mal in Folge in Oldau keine Brut statt. Im Mai hielt sich allerdings ein noch junges Paar dort auf. Es baute auch am Nest, war aber sonst meistens unterwegs und zog nach zwei Wochen weiter. Fortan gab es nur noch sporadische Nestbesuche.

Rückkehr nach Wienhausen

Vor zwei Jahren hatte sie zusammen mit ihrem Partner zwei Junge im Nest auf dem Kloster aufgezogen, die dann aber doch durch den kalten Dauerregen starben. Im vorigen Jahr wurde sie nirgends in Deutschland gesichtet. Das Männchen blieb allein, eine Brut fand nicht statt. 2004 aber kehrte sie zurück, erkennbar an ihrem Hiddenseering DEH KA 4136. So gab es wieder Nachwuchs in Wienhausen. Als dann am 22.8. ein Durchzüglertrupp hoch über dem Ort kreiste, schraubten sich auch die drei Jungstörche nach oben, schlossen sich den anderen an und verließen ihren Geburtsort auf dem Zug gen Süden. Zwei Wochen später folgten die Eltern.

Paarkonflikte in Winsen

Es liegt nun schon mehr als 25 Jahre zurück. Damals brüteten in Bröckel letztmals im Kreis Celle in einem Ort gleich zwei Storchenpaare erfolgreich. Seither hat es zwar ab und zu Versuche gegeben, die aber allesamt scheiterten. Die Nahrung reicht vor Ort nur noch für ein Paar mit seinen Jungen aus. Darum werden nach zuweilen heftigen Kämpfen weitere Paare immer wieder vertrieben. Dabei kann auch die eine Brut Schaden nehmen. In Winsen brütet seit vielen Jahren das Storchenpaar auf dem Schornstein der Schlachterei Kleinschmidt. Am 15. April tauchte dann ein zweites Paar auf, ließ sich im ca. 250 m Luftlinie entfernten Nest auf der Gärtnerei Lohmann nieder und begann es auszubauen. Da beide Störche aber auch oft gemeinsam unterwegs und längere Zeit nicht in Nestnähe waren, ließ dies auf ein noch nicht brutreifes Paar schließen. Es gab Auseinandersetzungen mit dem schon brütenden Paar bei Kleinschmidt. Ihnen fielen vermutlich Eier zum Opfer, da dort dann nur zwei Junge schlüpften. Nach einer Woche gab das junge Paar den Ansiedlungsversuch auf. Es zog alleraufwärts, rastete noch für eine Stunde auf dem neuen Nest in Stedden und verließ dann endgültig die Region. Von den zwei Jungen wurde letztlich eins flügge.

Oppershäuser Störche waren keine

Anfang des neuen Jahres kamen mehrere Anrufe, die von einem bis drei Störchen im Bereich der Oppershäuser Schleuse berichteten. Eine Nachsuche ergab, dass es sich dabei nicht um Störche, sondern um drei hier doch sehr seltene Silberreiher handelte. Locker vergesellschaftet mit einigen Graureihern suchten sie insbesondere auf dem abgeernteten Maisacker vor der Schleuse Nahrung.

4. Alle Daten - alle Zahlen 2004 im Kreis Celle

Alle Daten - alle Zahlen 2004 im Kreis Celle

x = nicht bekannt, (Datum) = Storch blieb nicht

 

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