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Weißstörche in den Kreisen Celle und Gifhorn
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Jahresbericht Landkreis Celle 2011

Kämpfe, taube Eier, Trockenheit – und dennoch 22 flügge Junge

1. Jahresübersicht

Die Lebensgeschichte von DEW 3X 951

19.05.2008: In Leiferde packt ein Altstorch eins seiner vier Jungen, das in seiner Entwicklung deutlich hinter den übrigen Geschwistern zurückgeblieben ist, und wirft es aus einer Höhe von 11 Metern herab. Dabei federt der große Kiwistrauch am Fuß des Schornsteins den Sturz so weit ab, dass das Junge noch lebend unten landet. Natürlich ist professionelle Hilfe sofort zur Stelle. Und tatsächlich gelingt es, den Jungstorch zunächst einmal zu stabilisieren und ihn dann so aufzuziehen, dass er mit den anderen die Reise ins Winterquartier antreten kann. Zuvor aber wird er noch beringt: mit der Nummer DEW 3X 951.

26.4.2011: Am Vortag hatte sich im Nest auf dem Spritzenhaus in Ahnsbeck ein Storch eingefunden. An diesem Morgen nun erscheint ein zweiter. Er kreist über dem Nest, wird klappernd begrüßt und landet. Schnell sind die beiden ein Paar. Der Neuankömmling, ein Männchen, ist beringt. Es trägt die Nummer DEW 3X 951. Der vor drei Jahren so wunderbar gerettete Jungstorch hat also auch weiter überlebt und macht sich nun daran, selbst ins Brutgeschäft einzusteigen. Übrigens: auch 2011 überstand ein Jungstorch den Abwurf aus 11 Metern – diesmal in Altencelle.

Stabiler Bestand, aber keine Zunahme

2009 waren im Kreis Celle zwölf Nester besetzt, 2010 elf, 2011 nun wieder zwölf. Der Storchenbestand bei uns ist also stabil geblieben. In unseren Nachbarkreisen Soltau-Fallingbostel, Hannover, Gifhorn und Peine ist hingegen die Zahl der Storchenpaare gerade in den letzten beiden Jahren angestiegen. Gleiches gilt für alle alten Bundesländer. Wesentliche Gründe dafür sind die derzeit günstigen Überwinterungsbedingungen in Afrika und die Tatsache, dass viele Westzieher bereits in Spanien überwintern. Dadurch reduzieren sich die Verluste dort und auf dem Zug doch erheblich. Die Frage stellt sich, ob die Storchenzahl demnächst auch im Kreis Celle ansteigt. Bisher noch nicht angenommene Nisthilfen gibt es dafür allein oberhalb von Celle schon zehn. Letztlich entscheidend wird aber sein, ob die Nahrungsbedingungen vor Ort ausreichen, um eine Storchenfamilie zu ernähren. Doch da sind in den letzten Jahren bei uns noch viele weitere Grünlandflächen umgebrochen worden – und auch die letzten Grünbrachen werden wieder beackert.

Nur acht von zwölf Paaren erfolgreich

Nur in acht der zwölf besetzten Nester im Kreis Celle wurden in diesem Jahr Junge flügge. Dies bedeutet eine unterdurchschnittliche Erfolgsquote. Die Ursachen, warum es viermal nicht geklappt hat, sind von Nest zu Nest verschieden. In Celle Stadt war das Paar erst Mitte Mai komplett Damit war es aber für eine erfolgreiche Brut zu spät. In Wienhausen erfolgte nach Kämpfen und zweimaligem Brutabbruch inklusive Partnerwechsel dann keine weitere Brut mehr. In Ahnsbeck war das noch sehr junge Paar offensichtlich mit der Aufzucht überfordert. In Oldau wurde zum dritten Mal in Folge auf tauben Eiern gebrütet.

Trockenheit ohne gravierende Folgen, 22 Junge werden flügge

Bereits im ausgehenden Winter setzte eine so noch nicht erlebte lang anhaltende Trockenheit ein, die bis in den Sommer hinein dauerte. Für die Storcheneltern wurde es immer schwieriger, Regenwürmer, die Hauptnahrung der Jungen in den ersten Wochen, zu finden. Es bestand die Befürchtung, dass dies zu erheblichen Jungenverlusten führen würde. Das traf aber so nicht ein. Mit letztlich 22 flüggen Jungen wurde zwar die vorjährige Rekordzahl von 24 zwar nicht ganz erreicht, aber ein angesichts der Bedingungen doch erstaunlich gutes Brutergebnis erzielt. Mehrere Faktoren trugen mit dazu bei: Da bis Mitte Mai noch Äcker umgepflügt und bestellt wurden, gab es hier kurzfristig die Gelegenheit, Würmer zu erbeuten. In austrocknenden Gräben, Bächen und Teichen boten sich den Störchen in diesem Jahr Nahrungsmöglichkeiten, die ihnen bei normalem Wasserstand nicht zur Verfügung stehen. Außerdem gab es vielerorts eine hohe Mäusepopulation, von der die Störche ebenfalls profitierten.

Ein Junges wurde flügge in Jeversen. Je zwei waren es in Nienhagen und Hohne, je drei in Altencelle, Großmoor und Winsen, je vier in Langlingen und Hornbostel. Ich konnte alle 22 beringen. Hinzu kommt noch ein in die Pflegestation Leiferde gebrachter und dort ausgeflogener Jungstorch aus Altencelle.

2. Celler Weißstorch-Entwicklung in den letzten zehn Jahren

Jahr

02

03

04

05

06

07

08

09

10

11

Summe

Ahnsbeck

3

1

2

2

3

-

11

Altencelle

2

2

2

3

2

1

2

2
+1*

2

3
+1*

21
 +2*

Celle/Stadt

-

-

-

-

-

0

2

1

 3

Großmoor

4

4

0

4

0

1

2

0

4

3

22

Hohne

1

4

3

1

0

3

2

3

2

19

Hornbostel

4

2

3

2

3

2

2

2

3

4

27

Jeversen

-

-

-

-

-

-

2

1

2

1

 6

Langlingen

4

3

2

0

-

4

3

1

3

4

24

Nienhagen

1

2

5

2

3

2

0

1

2

2

20

Oldau

-

-

-

⊗⊗

-

-

 0

Wienhausen

0

3

0

3

3

3

2

2

16

Winsen

2

1

0

3

0

2

3

11

 

flügge Jungstörche

20

15

22

16

15

13

20

13
+1*

24

22
+1*

180
+2*

Horstpaare m. ausgeflogenen Jungen

7

7

8

6

6

6

8

8

10

8

74

Horstpaare ohne (bzw.in Pflegestation) ausgeflogene Junge

1

1

1

2

1

4

3

4

1

4

22

Horstpaare insgesamt

8

8

9

8

7

10

11

12

11

12

96

Einzelstorch

1

1

-

1

-

-

-

-

-

-

3

Einzelbesuchsstorch

-

-

-

-

2

-

-

-

-

-

2

Besuchspaare

-

-

-

1

-

-

-

-

-

-

1

Vergleich der Horstpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit flüggen Jungen ( )

Vergleich der Horstpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit flüggen Jungen
Vergleich der Horstpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit flüggen Jungen - Diagramm

4. Informationen von den einzelnen Brutstandorten

Junge Eltern in Ahnsbeck überfordert

Nach einjähriger Pause wurde nun auch wieder das Nest in Ahnsbeck besetzt. Das Männchen mit der Ringnummer DEW 3X 951 war erst drei Jahre alt, das Weibchen vermutlich auch nicht älter. Schon während des Brütens fiel auf, dass zwischenzeitlich der Storch im Nest auch schon mal für eine Stunde stand, bevor er sich wieder auf die Eier setzte. Dennoch schlüpfte mindestens ein Junges, das aber dann nach einer Woche tot abgeworfen wurde. Offensichtlich war das noch sehr junge Paar angesichts der schwierigen Nahrungssituation überfordert. Die beiden verließen dann Ahnsbeck, kehrten aber in kleineren oder größeren Abständen immer mal wieder zurück.

Rinderherz für Altenceller Abwurfopfer

Am frühen Nachmittag des 22. Mai beobachteten die Storchen-Herbergseltern in Altencelle, wie einer der beiden Altstörche das kleinste der vier Jungen packte, an den Nestrand zog und herab warf. Da es noch lebte, wurde es unverzüglich in die Pflegestation nach Leiferde gebracht. Zunächst wirkte das Junge recht apathisch. Als ihm aber eine Schüssel mit in Streifen geschnittenem Rinderherz an den Schnabel gehalten wurde, erwachten seine Lebensgeister wieder, und es schlang das Futter mit Heißhunger hinunter. Der Jungstorch wurde in Leiferde wieder aufgepäppelt und zog dann mit anderen Störchen von dort gen Südwesten - wie wenige Tage zuvor auch seine drei flüggen Geschwister von Altencelle aus. Bereits 2009 hatte dort ebenfalls ein Junges den Abwurf aus 11 Metern Höhe auf die Wiese überlebt.

Weibchen zu spät und Nest futsch in Celle

Das von den Störchen selbst erbaute Nest auf einer abgebrochen Lärche in Celles Innenstadt nahe der Fritzenwiese war nun auch zum fünften Mal in Folge besetzt. Diesmal gab es allerdings keinen Bruterfolg. Das Männchen war rechtzeitig am 20. April eingetroffen, ein Weibchen wollte sich aber nicht einstellen. Erst am 14. Mai kam und blieb dann eins - für eine erfolgreiche Brut war es da aber schon zu spät. Die bleiben blieben bis Ende Juli. Am 26. August wurde dann durch heftige Sturmböen das gesamte Nest herab gerissen und völlig zerstört. Es wird nun versucht, oben auf dem Baum möglichst noch vor dem Winter eine neue Nesthilfe zu installieren.

Ein besonderes Konfirmationsfoto in Großmoor

„Alles Gute kommt von oben“ – diese Erfahrung machte eine Familie, die in Großmoor trotz Warnung seitlich an der Kirche unterhalb des Storchennestes ein Konfirmationsfoto machen wollte. Plötzlich kam ein weißer Kotstrahl von oben herab und traf das Kleid der Konfirmandin. Die Anwesenden nahmen es aber mit Humor und waren sich einig: Das bringt Glück. Glück und Können halfen dann auch den Storcheneltern, trotz der langen Trockenheit drei der ursprünglich vier geschlüpften Jungen bis zum Flüggewerden groß zu ziehen.

Flugattacke in Hohne

Normalerweise verlassen Storcheneltern beizeiten das Nest, wenn sich die Drehleiter der Feuerwehr zwecks Beringung nähert. In sicherer Entfernung warten sie das Geschehen ab und kehren anschließend wieder zurück. In Hohne war das in diesem Jahr anders. Der Altstorch klapperte höchst ungehalten und flog erst im allerletzten Moment ab. Dann zog er eine Schleife, kam zurück, flog im Tiefflug zweimal dicht über unsere Köpfe hinweg und setzte sich nur wenige Meter entfernt aufs Kirchendach. Von dort aus beäugte er misstrauisch das Geschehen. Als wir nach der nicht einmal fünf Minuten dauernden Beringung und Nestkontrolle mit dem Korb wieder abwärts fuhren, kehrte er sogleich wieder zu seinen beiden Jungen zurück.

Erfahrene Eltern in Hornbostel

Erfahrene Storcheneltern haben bessere Bruterfolge als noch junge Erstbrüter. Das Paar In Hornbostel brütete diesmal bereits zum fünften Mal in Folge in dieser Zusammensetzung. Das Männchen kommt sogar schon seit 2002. Die beiden schafften es, trotz der lange anhaltenden Trockenheit genügend Futter für ihre vier Jungen heranzuschaffen, so dass diese schließlich alle vier flügge wurden. Das gelang in Hornbostel zuletzt 2002. Mit nun 27 flüggen Jungen in den letzten zehn Jahren ist Hornbostel der erfolgreichste Brutstandort im Kreis Celle – sicher auch mit bedingt durch die große Erfahrung der Storcheneltern.

Zwei Weibchen und sechs Eier in Jeversen

Zum vierten Mal in Folge wurde das neue Nest auf Mast in Jeversen besetzt. Anfangs war zumindest das Weibchen neu. Wenige Tage nach Brutbeginn gab es dann heftige Kämpfe mit Brutabbruch. Zwei Eier lagen zerstört unter dem Nest, und es gab ein offensichtlich neues Weibchen - das vom Vorjahr? Zum zweiten Mal wurde mit der Brut begonnen. Zwei Junge schlüpften. Eins starb bald. Das andere wurde im Alter von zwei Wochen bei glühender Hitze einen Tag lang und auch mehrfach am Folgetag allein gelassen, was für extremen Futtermangel und/oder Unerfahrenheit der Eltern spricht, Dann stabilisierte sich die Brutpflege wieder. Das Junge überlebte. Bei seiner Beringung wurden noch zwei unbefruchtete Eier im Nest gefunden, so dass es insgesamt mindestens sechs Eier gewesen sein müssen - von vermutlich zwei Weibchen.

Ein Langlinger auf Rügen

Wie geht es weiter mit unseren Jungstörchen, wenn sie das elterliche Nest verlassen haben? Aufgrund der Beringung sind Antworten möglich. So hielt sich im Juni dieses Jahres in einem Nichtbrütertrupp auf Rügen DEW 6X 751 auf – und der war im Vorjahr in Langlingen beringt worden. Bereits als Einjähriger war er also nun aus Afrika zurückgekehrt und übersommerte bei uns - weit entfernt von seinem Geburtsort. Dies geschieht in einem solchen Alter relativ selten, hat aber in den letzten Jahren zugenommen. Im Nest auf dem Hof Mylius wurden 2011 sogar vier Junge flügge – ein ganz erstaunliches Ergebnis angesichts so vieler verlorener Nahrungsflächen und der großen Trockenheit. Leider verstarb ein Junges dann nach Kollision mit der Überlandleitung nahe Nienhof.

Junge zuerst und Alte zuletzt aus Nienhagen weg

Wie schon in den Vorjahren waren die beiden Altstörche in Nienhagen immer noch da, als sich alle anderen im Kreis schon auf den Weg gemacht hatten. Erst am 11. und 15. September verließen sie ihren Brutstandort. Aber so weit ist es ja bis zu ihrem mutmaßlichen Überwinterungsgebiet in Spanien nun auch wieder nicht. Ihre beiden diesjährigen Jungen hingegen waren als erste im Kreis Celle bereits am 21. Juli abgezogen, obwohl andernorts die Bruten ähnlich früh begonnen hatten. Auch dies war in den letzten Jahren schon häufig so gewesen. Möglicherweise stellt sich die Nahrungsstruktur in Nienhagen im Juli für flügge Jungstörche anders dar als für ihre erfahrenen Eltern dann im August und September.

Zum dritten Mal taube Eier in Oldau

Taube, also unbefruchtete Eier finden wir ab und zu in den Nestern. Dann war entweder ein Partner noch zu jung – oder die Eiablage erfolgte schon vor der Befruchtung durch den Partner. Als das Paar in Oldau Wochen nach dem errechneten Schlupftermin immer noch brütete, wurden zwei der vier Eier geborgen und untersucht. Das Ergebnis: sie waren nicht befruchtet. Schon in den beiden Jahren zuvor hatte das Paar erfolglos gebrütet. Ein ähnlicher Fall ist nirgends bekannt. Vermutlich ist einer der beiden Störche unfruchtbar. Dies kann auch die Folge der Aufnahme von belasteter Nahrung sein.

Zweifacher Brutabbruch in Wienhausen

Zunächst lief alles normal im Nest auf dem Kloster Wienhausen. Das Paar mit einem neuen Weibchen begann mit der Brut. Dann gab es heftige Kämpfe. Ein anderes Weibchen (das vorjährige?) vertrieb die Konkurrentin. Diese ließ sich für wenige Tage im benachbarten Bockelskamp nieder, wurde dort auch noch einmal vom Männchen besucht und verschwand dann. In Wienhausen wurde nun zum zweiten Mal gebrütet. Es erfolgten aber immer mal wieder Angriffe. Die führten am 10.05. zur Zerstörung der Eier, einer Kopfverletzung bei einem Storch und wohl auch zu einem erneuten Partnerwechsel. Einen dritten Brutversuch gab es dann nicht mehr.

Winsen-Oldauer Partnerpuzzle

Am Anfang war es verwirrend. Mal tauchte ein Paar in Winsen auf, mal eins im benachbarten Oldau, aber nie zur gleichen Zeit. Nachts schlief dann meist nur ein Storch in jedem Nest - oder in einem Nest zwei und im anderen Nest keiner. Am Morgen und zuweilen auch tagsüber waren es dann wieder zwei - entweder in Winsen oder in Oldau. Erst als ab dem 18.04. an beiden Standorten gebrütet wurde, stand fest: Es sind nun tatsächlich zwei Paare. Erfreulich, dass dann in Winsen wie im Vorjahr drei Junge flügge wurden.

Neue Störchin zu spät in Ummern

Ummern gehört zwar seit der letzten Gebietsreform nicht mehr zum Kreis Celle, ist aber mit diesem weiterhin in vielerlei Hinsicht verbunden. So wird das dortige Storchengeschehen auch bei uns mit Interesse verfolgt. Im Vorjahr erbrachte eine Neuansiedlung mit zwei Jungen die erste erfolgreiche Storchenbrut im Ort seit mehr als fünfzig Jahren. In diesem Jahr kam Mitte April der erste Storch. Der zweite erschien dann aber erst einen Monat danach und somit für eine erfolgreiche Brut zu spät. Offensichtlich handelte es sich hierbei um ein neues noch sehr junges Weibchen. Die beiden blieben dann aber bis zum Ende der Saison, so dass gute Hoffnung für das nächste Jahr besteht.

5 . Alle Storchendaten 2011 für den Kreis Celle

Alle Storchendaten 2011 für den Kreis Celle

x = nicht bekannt

6. Dank

Herzlich gedankt sei allen Storcheninteressierten vor Ort, die mit ihren Beobachtungen zu diesem Storchenbericht beigetragen haben, Joerg Heyna für seine Hilfe bei den Ringmeldungen, der Unteren Naturschutzbehörde, dem NABU Artenschutzzentrum in Leiferde und der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Barnbruch für die gute Zusammenarbeit sowie der Freiwilligen Feuerwehr Celle und der SVO Celle für ihre Hilfeleistungen im Nestbereich.

 

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