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Weißstörche in den Kreisen Celle und Gifhorn
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Jahresbericht Landkreis Celle 2008

1. Jahresbilanz 2008

Erstmals seit 1981 wieder elf Storchenpaare im Kreis Celle - Überschwemmungsflächen ziehen Störche an – immer frühere Rückkehr - lange Trockenheit ohne schlimme Folgen – Gutes Nachwuchsergebnis mit zwanzig flüggen Jungstörchen - Nichtbrütertrupp an der Fuhse – Sorgen und Hoffnungen im Blick auf die kommenden Jahre

Die Chancen standen nicht sehr gut. Trotz der rund fünfunddreißig Nestangebote im Kreis Celle hatten sich in den letzten Jahren bei uns maximal zehn Storchenpaare niedergelassen. Machte es da Sinn, noch ein weiteres Nest zu installieren? Nach langem Abwägen fiel die Entscheidung: In Jeversen sollte dennoch ein Versuch gestartet werden. 1967 hatten dort die Störche zum letzen Male erfolgreich gebrütet. Fortan gab nur seltene Kurzbesuche, schließlich auch kein Nestangebot mehr. Störche aber wurden doch regelmäßig auf den umliegenden Wiesen gesichtet. Ende März wurde nun auf dem Hof Hemme ein Nestangebot errichtet, und zwar auf Mast, weil sich diese Siedlungsform bei Störchen zunehmender Beliebtheit erfreut. Und dann geschah, was realistisch gesehen für nur wenig aussichtsreich gehalten, insgeheim aber doch erhofft wurde: Bereits am 4. April erschien ein erster Storch, tags darauf ein zweiter. Die beiden setzten sich gegen weitere Mitbewerber durch. Am 15. April war Brutbeginn. Gut einen Monat später schlüpften drei Junge, von denen letztlich zwei flügge wurden.

Da sich auf allen zehn im Vorjahr besetzten Nestern ebenfalls wieder Störche eingefunden hatten, gab es 2008 im Kreis Celle nun elf Storchenpaare – und damit so viele wie seit 1981 nicht mehr. Zwischenzeitlich war die Zahl Anfang der neunziger Jahre auf nur noch fünf Paare abgesackt, um dann allmählich wieder auf sieben bis zehn Paare anzusteigen. Zu dem erfreulichen Ergebnis dieses Jahres trugen sicher mehrere Faktoren bei. Zum einen übten die im Frühjahr viele Wochen lang überschwemmten Flächen an der Aller eine besondere Anziehung auf die Störche aus. Davon profitierte dann auch Jeversen. Ja, im gegenüber liegenden Bannetze versuchte sogar noch ein weiterer Storch, ein Nest zubauen. Auch im benachbarten Kreis Soltau-Fallingbostel wie fast im gesamten nordwestdeutschen Bereich erhöhte sich die Zahl der Brutpaare. Mit dazu trug wohl auch bei, dass 2004 besonders viele Jungstörche flügge geworden waren, die nun brutreif sind. Zudem herrschten günstige Zugbedingungen bei der Rückkehr aus dem Winterquartier. Die ersten Störche kamen auf der Westroute aus Spanien so zeitig wie noch nie zurück. Den Anfang machte am 24. Februar Großmoor. In den Tagen darauf folgten Hornbostel, Altencelle und Nienhagen. Ab dem 27. März erschienen dann aus Afrika über den Bosporus auch die ersten Ostzieher. Bereits Mitte April – und damit früher als je zuvor - waren zehn Paare komplett.

Von den schließlich elf Storchenpaaren bei uns brüteten acht erfolgreich. Sie zogen insgesamt zwanzig Junge groß. Das ist ein gutes Ergebnis. Die große Trockenheit von Mai bis Juli hatte also keine so gravierenden Auswirkungen wie teilweise weiter nordöstlich. Dazu trug auch der vielfach sehr frühe Brutbeginn bei, so dass die für die ersten drei Wochen der Jungen wichtigste Nahrung „Regenwürmer“ noch ausreichend zur Verfügung stand. Je drei Jungstörche wurden in Hohne, Langlingen, Wienhausen und Winsen flügge, je zwei in Altencelle, Großmoor, Hornbostel und Jeversen. Die beiden Jungen im Baumnest an der Fritzenwiese starben vermutlich an Nahrungsmangel. Auch in Nienhagen starben die Jungen bald. In Ahnsbeck kam es wegen der Beinverletzung des Männchens nicht zur Brut.

Ungewöhnlich war, dass sich ab Mitte Mai bis Ende Juli ein Nichtbrütertrupp von fünf bis maximal zwölf Störchen vornehmlich im Fuhsebereich zwischen Bockelskamp, Wathlingen und Nienhagen aufhielt und offensichtlich auch genügend Nahrung fand. So entstand die Idee, auch dort ein Nestangebot zu schaffen. Dieses Vorhaben wurde nun bereits am 9. Oktober verwirklicht – auf einem Hausdach in der Trift in Flackenhorst.

In den kommenden Jahren wird zu beobachten sein, welche Auswirkungen der weitere Umbruch von Grünland und die Nutzung bisheriger Brachen insbesondere zum Anbau nachwachsender Rohstoffe für unsere Störche haben wird und ob es dadurch punktuell zur Aufgabe von Brutstandorten kommt. Spannend wird auch sein, ob sich der 2008 festzustellende leichte Populationsdruck und damit auch die Besiedlung suboptimaler Standorte fortsetzt.

2. Entwicklung in den letzten dreizehn Jahren

Entwicklung in den letzten 13 Jahren
Anmerkungen

3. Vergleich der Nestpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit flüggen Jungen ( )

Vergleich der Nestpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit flüggen Jungen

4. Informationen von den einzelnen Brutstandorten

Ahnsbecker Männchen überlebt schwere Verletzung

Am 27.03. traf das Männchen in Ahnsbeck ein, wurde aber schon am folgenden Tag nicht mehr auf dem Nest gesehen. Dann kam die Nachricht: In der Kurve zwischen Ahnsbeck und Helmerkamp befindet sich nur wenige Meter neben der Straße unter der hohen Stromleitung ein offensichtlich verletzter Storch. Inzwischen hatte auch ich ihn dort entdeckt und festgestellt: Er kann kaum gehen, knickt immer wieder mit einem Bein ein. Und fliegen kann er auch nicht richtig, landet gleich wieder humpelnd auf dem Boden. Dennoch war es nicht möglich, den Storch einzufangen. Ich beschloss, ihn nicht zusätzlich zu quälen, sondern ihn ganz in Ruhe zu lassen. In den folgenden Tagen bewegte sich der Storch kaum vom Fleck. Er stand im oft strömenden Regen fast immer an der gleichen Stelle. Ein Ende schien absehbar. Dann begann der Storch sich allmählich humpelnd auch auf eine benachbarte Maisbrache zu begeben, wo er Regenwürmer fand. Einige Tage später wurde er nicht mehr gesichtet. Am 12.04. kam dann die Nachricht: Im Ahnsbecker Nest ist ein Storch gelandet. Am einknickenden Bein wurde deutlich: Es war der so schwer verletzte Storch. Er hatte es geschafft, in freier Wildbahn mit all ihren Gefahren trotz der gravierenden Beeinträchtigungen zwei Wochen lang zu überleben. Mit letzten Kräften war er dann sogar wieder auf sein Nest geflogen. Darin verbrachte er völlig erschöpft die folgenden Tage fast nur im Liegen. Allmählich aber stabilisierte er sich, verließ das Nest auch wieder zur Nahrungsaufnahme. Am 23. April gesellte sich ein gegenüber dem Vorjahr diesmal unberingtes neues Weibchen hinzu. Allerdings zeigte sich sehr bald: Aufgrund des lädierten Beines des Männchens war eine erfolgreiche Paarung nicht möglich. Auch Versuche im Sitzen klappten nicht. Darum gab in diesem Jahr in Ahnsbeck keinen Storchennachwuchs. Das Storchenpaar verschwand dann im Laufe der Saison mehrfach für einige Tage, tauchte aber anschließend doch wieder auf. Ob es das Männchen trotz seiner schweren Beinverletzung schafft, auch den Zug ins Überwinterungsquartier und die Monate dort zu überstehen? Ob es im nächsten Jahr wieder auf dem Nest in Ahnsbeck landet?

Erstmals wurde ein 2005 in Ahnsbeck beringter Jungstorch nun selber Vater. DEW 2X 904 war im Vorjahr als Zweijähriger mit Partnerin in Eickeloh und Hodenhagen abgelesen worden, hatte aber noch nicht gebrütet. Diesmal klappte es nun in Hodenhagen: ein Junges wurde flügge.

Außergewöhnlich frühe Ankunft in Altencelle

Am 2. März und damit so früh wie nie zuvor war das Storchenpaar in Altencelle komplett. Im Gegensatz zu manchen Jahren zuvor waren diesmal offensichtlich beide Eltern Westzieher. Von den zunächst vier geschlüpften Jungen wurde eins bald von einem Elternteil verschlungen - ein Vorgang, der bei Störchen nicht ungewöhnlich ist und rein vom Instinkt gesteuert wird. Meist trifft es ein Nesthäkchen, damit die übrig bleibenden Nestgeschwister bessere Überlebenschancen haben. Im Alter von gut drei Wochen wurde ein weiterer Jungstorch tot abgeworfen. Die anderen beiden aber wurden flügge. Am 26. Juli schlossen sich beide einem durchziehenden Trupp an. Zwei Tage später kehrte der eine wieder zum Nest zurück, um dann erst am 10. August endgültig abzuziehen.

Celler Baumbrut blieb erfolglos

Im vergangenen Jahr hatte ein Storchenpaar auf einer abgebrochenen Lärche in einem Garten an der Fritzenwiese in Celle schon mal mit dem Nestbau begonnen. In diesem Jahr setzten beide ihr Werk fort und schritten dann auch zur Brut. Dies ist doppelter Hinsicht ein besonderes Ereignis: Seit fast einem halben Jahrhundert ist es wieder die erste Storchenbrut in Celles Innenstadt (zuletzt 1963 am Bahnhof) und außerdem auch wieder die erste Baumbrut im Kreis Celle seit Ende der Sechziger Jahre (zuletzt in Nienhof). Zwei Junge schlüpften, starben aber nach knapp zwei Wochen. Grund wird vermutlich sein, dass die noch relativ unerfahrenen Storcheneltern angesichts der großen Trockenheit nicht mehr genügend Nahrung fanden. Dabei spielt wohl auch eine Rolle, dass ihnen mit den Bereichen Dammaschwiesen, Fuhseaue im Bereich Westercelle und den Allerflächen unterhalb des Bahnhofs ein insgesamt doch nur suboptimales und zudem auch noch in seinen Teilen weit auseinander liegendes Nahrungsrevier zur Verfügung stand. Natürlich sind nun alle gespannt, ob es im nächsten Jahr wieder zu einer – hoffentlich dann erfolgreichen - Brut kommt.

Nahrungsflächenverlust in Großmoor

Bereits am 24. Februar und damit noch drei Tage eher als im Vorjahr traf als Westzieher das Storchenmännchen in Großmoor ein. Gut einen Monat später kam das Weibchen, vermutlich Ostzieherin. Vier Junge wuchsen heran, aber nur zwei von ihnen wurden flügge. Ein Junges starb noch nach der Beringung, Grund dafür ist, dass es in Großmoor im Gegensatz zu anderen Storchenstandorten kaum Wasserflächen gibt. In trockenen Zeiten wird darum die Nahrung knapp. Hinzu kommt gerade auch in diesem Frühjahr der Umbruch vieler, darunter auch etlicher für die Störche sehr wichtiger Grünlandflächen, um dort Mais anzubauen. Eine Studentengruppe der Uni Hannover hat im Rahmen des Projektes „Nachwachsende Rohstoffe und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Natur“ umfassende Untersuchungen dazu erstellt und die Ergebnisse ihrer Arbeit auch bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. Übrigens: Ein weiterer Beweis für die unterschiedlichen Zugrichtungen der beiden Elternstörche war auch in diesem Jahr, dass sie nicht zusammen, sondern im Abstand von mehreren Tagen ihre Reise ins Winterquartier antraten.

Ehemalige Jungstörche aus Hohne Viererbrut 2004 brüten nun selber

Nachdem in den letzten beiden Jahren im Nest auf der Kirche in Hohne nur noch ein bzw. gar kein Junges flügge geworden war, bestand die Sorge, dass sich diese Entwicklung auch 2008 fortsetzen würde. Erfreulicherweise kam es aber anders. Drei Junge wuchsen heran – und wurden auch groß. Zugute kam den Störchen sicher, dass bei langer Trockenheit der Wasserspiegel in der Wiehe und auch etlichen Teichen doch erheblich sinkt und so neue Nahrungsquellen entstehen.

Bemerkenswert ist, dass von den 2004 in Hohne beringten vier Jungstörchen zwei in diesem Jahr nun erstmals selbst gebrütet haben. DEW 2X 222 wurde in den vergangenen Jahren schon mehrfach abgelesen: 2005 als Einjähriger in Luxemburg, 2007 mit Partnerin auf dem Durchzug zweimal in Wiepke bei Magdeburg. In diesem Jahr nun zog er mit Partnerin im nicht sehr weit davon entfernten Algenstedt drei Junge groß.

DEW 2X 220 wurde 2008 erstmals wieder abgelesen: nun als männlicher Brutstorch in Rethem/Aller mit einer ebenfalls beringten Partnerin – leider letztlich ohne ausfliegende Junge.

Das Vorjahrspaar blieb Hornbostel treu

Das einzige Nest, bei dem beide Brutstörche beringt waren, befand sich in Hornbostel. Und so stand auch zweifelsfrei fest: Es handelte sich um dasselbe Brutpaar wie im Vorjahr, das auf dem Schornstein der Bäckerei Segelke wieder zwei Junge groß zog. Eine weitere Erkenntnis gab es das Weibchen betreffend. An sich den Westziehern zugerechnet war es am 11. und 12. August letzten Jahres in einem großen Storchentrupp bei Klein Lüben östlich von Wittenberge abgelesen worden, obwohl in den Tagen darauf bis zum Abflug das Storchenpaar in Hornbostel von den Beobachtern vor Ort als noch zusammen gemeldet wurde. Es wurde gerätselt: Sollte das Weibchen vielleicht mit den Jungen erst mal gen Osten abgezogen, dann aber wieder zurückgekehrt sein? Oder sollte es wider Erwarten doch Ostzieherin sein und das Männchen in Hornbostel gleich nach ihrem Abflug für den Rest der Saison eine neue Partnerin gefunden haben? In diesem Jahr kam das Weibchen bereits am 11. März zurück, also mehr als zwei Wochen früher als die ersten Ostzieher. Sie gehört damit aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Westziehern. Als Erklärung für die letztjährigen Ablesungen in Brandenburg bleibt somit wohl nur die Annahme einer kurzfristigen Ausflugs gen Osten mit anschließender Rückkehr nach Hornbostel.

Bis zu ihrem diesjährigen Brutbeginn am 31. März hielt sich das Weibchen zusammen mit seinem Partner täglich viele Stunden insbesondere zum Zweck der Regenwurmsuche in den überschwemmten Wiesen an der Aller auf. Es war schon erstaunlich, wie oft die beiden im flachen Wasser stochernd dabei fündig wurden.

Das Männchen, mit der Nummer DEH H 0788 der Vogelwarte Hiddensee 1999 in Skeuditz/Sachsen beringt, blieb seiner ersten Brutstation Hornbostel nun schon zum siebten Mal in Folge treu.

Das vorjährige Weibchen DEW 1X 389, 2004 nestjung in Petershagen beringt, war auch in diesem Jahr wieder seine Partnerin.

Störche in Jeversen erschlossen sich eigenes Revier

Bei den Überlegungen, ob eine Neuansiedlung in Jeversen denkbar ist, spielte ganz wesentlich die Frage eine Rolle, ob zwischen den beiden Storchenstandorten Hornbostel und Marklendorf überhaupt ausreichend Platz für ein drittes Paar mit eigenem Nahrungsrevier vorhanden sein könnte. Diese Frage wurde positiv beantwortet. Es ließ sich tatsächlich ein Storchenpaar auf dem mit Unterstützung von SVO und der NABU Gruppe Wietze errichteten neuen Nest nieder und brütete dann auch erfolgreich. Zwei der zunächst drei geschlüpften Jungen wurden flügge. Angriffe von Seiten der benachbarten Paare gab es kaum, zumal diese bei Ankunft der Störche in Jeversen bereits mit der Brut begonnen hatten. Anfangs wurde noch nicht weit vom Nest entfernt das an ihrem Ring erkennbare Weibchen aus Hornbostel auf Nahrungssuche beobachtet, später dann nicht mehr. Durch das Hochwasser hatten sich im Grünland ober- und unterhalb der Allerbrücke Bereiche gebildet, in denen auch nach Wochen großer Trockenheit noch Wasser stand. Dort waren die Störche häufig anzutreffen – und es reichte ja dann auch für eine erfolgreiche Brut, an der das ganze Dorf regen Anteil nahm.

Langlinger Jungstörche duschten unter dem Rasensprenger

Was empfinden Jungstörche in ihrem Nest, wenn die Sonne von oben auf sie niederbrennt? Nun, etwas Abkühlung hätten sie sicher gerne. Als die drei Jungstörche auf der Putenscheune in Langlingen gerade ihre ersten Flugversuche geschafft hatten, entdeckten sie, dass auf dem Hofgelände eine neu angesäte Rasenfläche mit dem Sprenger gewässert wurde. Sie flogen vom Nest herunter, inspizierten die Gegebenheiten und stellten sich dann alle drei mitten unter die Beregnung. Offensichtlich genossen sie die erfrischende Abkühlung sehr, denn sie nahmen auch an den folgenden Tagen diese für Störche doch etwas ungewöhnliche Duschmöglichkeit wahr. Erstaunlich ist, dass es die Altstörche in Langlingen schafften, immerhin drei von ursprünglich vier Jungen groß zu bekommen, obwohl gerade auch im Allerbereich weitere ehemalige Nahrungsflächen zu Maisäckern geworden waren.

Undurchsichtiges Brutgeschehen in Nienhagen

Am 5. März traf der erste Storch in Nienhagen ein. Er konnte anhand seiner Ringnummer als das Männchen bestimmt werden, das schon in beiden Vorjahren hier gebrütet hatte. Am 11. März erschien die unberingte Partnerin, so dass offen bleiben musste, ob es sich um eine neue handelte. Während der Brutzeit kam es mehrfach zu Angriffen von Fremdstörchen. Ob schon dabei Eier zerstört wurden, bleibt unklar. Anfang Mai lag ein befruchtetes Ei unter dem Nest. Gleichzeitig fanden die ersten Fütterungen statt. Es war aber immer nur ein kleines Köpfchen zu sehen, das sich ab und zu hochreckte. Um Pfingsten herum wurde dann das Füttern eingestellt. Das Junge lebte nicht mehr. Es wurde wenig später von den Eltern aus dem Nest geworfen An sich stand in diesen Tagen genug Nahrung zur Verfügung stand. Auch herrschten keine extremen Witterungsbedingungen. Darum kann die Frage, warum zum ersten Mal seit 1997 im Nest am Schafstallweg keine Jungen flügge wurden, letztlich nicht beantwortet werden. Die Altstörche blieben aber trotz zwischenzeitlicher Ausflüge bis zum Saisonende.

Das Storchenmännchen mit dem Helgolandring DEW T 201 wurde 2000 im Tierpark Eekholt in Schleswig-Holstein geboren, machte als Zweijähriger eine Stippvisite in Werben Krs. Stendal, brütete 2004 und 2005 im Storchendorf Rühstädt an der Elbe und nun zum dritten Mal in Nienhagen.

Der vorjährige Jungstorch DEW 2X 928 wurde einen Monat nach seinem Abflug am 14.08.07 in einem Storchentrupp nahe Geestgottberg nahe Wittenberge abgelesen. Es kommt häufiger vor, dass Jungstörche erst noch eine Zeitlang in Trupps durch die Lande ziehen, ehe sie dann endgültig zum Zug ins Winterquartier aufbrechen.

Dritter Dreier in Folge in Wienhausen

Das Brutgeschehen in Wienhausen verlief problemlos. Von den zunächst vier geschlüpften Jungen wurden drei flügge. Damit wiederholten die Eltern das Ergebnis der beiden Jahre zuvor und sind in diesem Zeitraum mit neun Jungen das produktivste Paar im Kreis Celle. Am 17.07. wurde erstmals ein Jungstorch beim Abflug von seinem Nest beobachtet. Bereits neun Tage später zog dann schon der erste ab. Da zur gleichen Zeit auch die beiden Altenceller Jungstörche auf die Reise gingen, steht zu vermuten, dass ein durchziehender Storchentrupp die Jungen von beiden Standorten mitgenommen hat. Die anderen beiden Wienhäuser Jungstörche folgten zwei Tage später. Es ist dies immer noch ein sehr früher Abzugstermin. Normalerweise brauchen Jungstörche mindestens zwei Wochen nach den ersten Ausflügen, um fit für die große Reise zu sein. Andrerseits beweisen Ablesungen, dass auch Jungstörche, die nach gerade einer Woche Flugerfahrung ihren Neststandort verließen, einen Monat später wohlbehalten in einem größeren Storchentrupp gesichtet wurden.

Abwärtstrend in Winsen gestoppt, Nestbauversuch in Bannetze

Nur ein einziges Junges war in den vergangenen fünf Jahren im Nest hoch oben auf dem Schornstein der Schlachterei Kleinschmidt in Winsen groß geworden. Manchmal fand noch nicht einmal ein Paar zusammen. Von den beiden im Vorjahr erwies sich das beringte Weibchen mit seinen erst zwei Jahren als noch zu jung, das Männchen aufgrund des ganzen Verhaltens beispielsweise bei den Paarungen vermutlich ebenfalls. So hatten auch sie letztlich keinen Bruterfolg. In diesem Jahr aber wurde der Abwärtstrend endlich gestoppt – mit, weil unberingt, zumindest einem neuen Weibchen. Drei Junge wuchsen heran und wurden auch problemlos flügge. Nach ihrem Abflug am 16. August offensichtlich Richtung Osten übernachteten zwei Tage darauf zwei von ihnen auf einem Hausdach in Beedenbostel, wobei ihre Ringnummern DEW 5X 448 und DEW 5X 449 abgelesen werden konnten. Zum diesjährigen Bruterfolg in Winsen trug außer dem reiferen Alter der Eltern sicher auch die durch die langen Überschwemmungen bedingte gute Ernährungslage bei.

Hierin liegt wohl auch der Grund für die Ansiedlungsversuche eines Einzelstorches in Bannetze. Mehr als zehn Tage versuchte er sich erfolglos mit dem Bau eines Nestes auf der Rundung einer Sirene und in den Wipfeln einer hohen Eiche. Mehrfach kam „Besuch“ von einem der Störche aus Hornbostel, zu deren Nahrungsrevier auch Bannetze gehört. Der wurde jeweils heftigst angeklappert. Zu richtigen Kämpfen kam es aber nicht. Sollte dieser Einzelstorch im nächsten Jahr wieder erscheinen, wird er ein mit Hilfe von SVO und dem NABU Winsen errichtetes Nestangebot auf Mast nur wenig entfernt von der Sirene vorfinden.

5. Alle Storchendaten 2008 für den Kreis Celle

Alle Storchendaten 2008 für den Kreis Celle

x = nicht bekannt

 

Herzlich gedankt sei allen Storcheninteressierten vor Ort, die mit ihren Beobachtungen zu diesem Storchenbericht beigetragen haben, Hans und Gerlind Reither insbesondere auch für ihre Ringablesungen, der Staatlichen Vogelschutzwarte und der Unteren Naturschutzbehörde, dem NABU Artenschutzzentrum in Leiferde, den NABU Gruppen Wietze und Winsen und der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Barnbruch für die gute Zusammenarbeit sowie der Freiwilligen Feuerwehr Celle für ihre Hilfeleistungen im Nestbereich.

 

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