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Weißstörche in den Kreisen Celle und Gifhorn
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Jahresbericht Landkreis Celle 1999

1. Alle Daten - alle Zahlen

Alle Daten - alle Zahlen

x = nicht bekannt

2. Ankunft - so früh wie seit Jahrzehnten nicht

Bereits die Ankunft der Störche hat für den späteren Bruterfolg Bedeutung. Normalerweise treffen sie bei uns im April ein, wobei die Faustregel gilt: Je eher, desto besser. Bei Störchen, die erst im Mai bei uns erscheinen, wird die Aussicht auf eine erfolgreiche Brut von Tag zu Tag geringer. Meistens handelt es sich dabei ohnehin um noch nicht ganz brutreife jüngere Paare. Im Jahr 1999 kamen die Störche bei uns so früh an wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ende März waren bereits 40% von ihnen im Celler Land eingetroffen. Sie müssen auf ihrer Zugroute von Afrika bis zu uns optimale Flugbedingungen vorgefunden haben. Wie in den letzten Jahren, so wurde auch diesmal wieder das Nest in Wienhausen als erstes besetzt, vermutlich von demselben Paar wie zuvor. Nach dem ersten großen Einflug bis Ende März dauerte es dann bis Mitte April, ehe der nächste Schwung bei uns eintraf. Übrigens sind die ersten Störche, die kommen, nicht immer die „richtigen“, die dann auch bleiben. Manchmal nutzen sie das Nest nur als Raststation für einige Stunden - wie in Langlingen - oder bis zum nächsten Tag. In Hohne tauchte bereits Ende März ein Storch auf, widmete sich intensiv der Nestsäuberung - und verschwand wieder.

Rechtzeitig trafen die Störche in Ahnsbeck, Altencelle, Großmoor, Hornbostel, Langlingen, Nienhagen, Oldau, Wienhausen und Winsen ein. Bis Pfingsten kamen dann noch nicht brutreife Paare in Eschede und Hohne hinzu, die ebenfalls blieben.

3. Brut - an allen neun Stellen des Vorjahres

Etwa eine Woche nach Ankunft des Partners ist Brutbeginn. Die zuerst gekommenen Paare lassen sich dabei meist etwas mehr Zeit. Zur Brut schritten die Störche in allen neun Orten des Landkreises, in denen sie auch im Vorjahr gebrütet hatten. Wieviel Eier gelegt werden, ist in den meisten Fällen nicht bekannt, da die Störche beim Brüten ja nicht gestört werden sollen.

4. Junge - mit 21 flüggen das zweitbeste Ergebnis in den letzten 20 Jahren

Nach der Brutdauer von 32 Tagen schlüpften diesmal bereits am 7. Mai in Wienhausen die ersten von schliesslich 29 Storchenjungen. Dabei ist es in der Natur so angelegt, zunächst einmal viele Junge zu produzieren. Wieviele von ihnen dann groß werden, das liegt an den Witterungs- und Nahrungsbedingungen. Die Jungenverluste durch nasskaltes Wetter und Nahrungsmangel hielten sich in diesem Jahr bei uns in Grenzen. Kritisch wurde die Ernährungslage nach längerer Trockenheit Ende Mai, bis der Regen am 1. Juni Entlastung - und vor allem wieder die Möglichkeit, Regenwürmer zu finden - brachte. Auffällig war aber dann, dass um den 12. Juni herum von allen Nestern mehrfach beide Eltern auf Nahrungssuche waren, obwohl normalerweise noch ein Elternteil zur Bewachung der Jungen hätte bleiben müssen. Dies geschah auch in Altencelle, wo die Jungen gerade mal 2 ½ Wochen alt waren. Offensichtlich handelte es sich in diesen Tagen um einen kurzfristigen Nahrungsengpass. Mehrere Storchenjunge starben, darunter auch die ohnehin zuletzt geschlüpften in Oldau. Keine Jungenverluste gab es hingegen durch die Trockenheit im Juli und August.

Flügge wurden schließlich im Kreis Celle 21 Junge. Hinzu kam noch ein weiterer Jungstorch aus Großmoor, der stark geschwächt in die Pflegestation in Verden eingeliefert wurde und dort ausflog. Damit wurde 1999 das zweitbeste Jungenergebnis der letzten 20 Jahre im Kreis Celle erreicht. Nur im Vorjahr waren es mit 26 flüggen Jungen noch mehr.

5. Abflug - wieder blieb ein Langlinger Altstorch am längsten

Storchenjunge brauchen nach dem ersten Ausfliegen mindestens noch 2 Wochen, bis sie gerüstet sind für die große Reise gen Süden. Meistens bleiben sie länger vor Ort, streifen aber dann auch in Trupps durch die Lande. Fast immer fliegen sie vor den Eltern ab, selten auch zusammen mit ihnen wie in diesem Jahr in Winsen. Als erstes verließen uns diesmal die jungen Störche aus Ahnsbeck bereits Anfang August. Zwischen dem 12. und 14. August setzte die große Reisewelle ein. Offensichtlich waren da die Flugbedingungen besonders günstig. Die meisten Elternstörche flogen zwischen dem 19. und 25. August ab. In Nienhagen waren zunächst nur 2 Storchenjunge abgezogen. Das dritte blieb noch rund 10 Tage länger und wurde weiter auf dem Nest gefüttert. Am längsten hielt sich - wie bereits seit 1992(!) - vermutlich ist es all die Jahre derselbe - der eine Altstorch in Langlingen auf. Er zog diesmal am 6. September ab.

6. Besondere Vorkommnisse - Ring- und Müllkippenstörche, Unfälle

Zwei Störche im Kreis Celle trugen einen Ring. Aufgrund der Nummer konnte festgestellt werden: Bei dem Männchen in Oldau handelte es sich um einen Storch, der 1991 in Jössen/Kreis Minden-Lübbecke nestjung beringt worden war. 1995 schritt er mit einer Partnerin in Hodenhagen erstmals zur Brut, allerdings ohne Erfolg. 1996 war er in Bothmer - mit zwei flüggen Jungen. Im Jahr darauf machte er mit einer 2jährigen Partnerin eine Stipvisite auf dem Nest in Jeversen. Von 1998 liegen keine Beobachtungen vor. Es handelt sich also um einen Storch, der sich in der Region gut auskennt, aber ziemlich unstet ist.

Das Storchenmännchen in Großmoor war erst 2 Jahre zuvor im Zoo von Münster/Westfalen geschlüpft. Da er im folgenden Frühjahr in einer Storchenstation in Holland abgelesen wurde, ist dieser Storch vermutlich nie nach Afrika geflogen. Dies geschieht häufiger bei von Menschen aufgezogenen Störchen. Es ist übrigens das erste Storchenmännchen im norddeutschen Bereich, das bereits als 2jähriger erfolgreich brütete(!).

Besondere Anteilnahme fand das Geschick eines Jungstorches aus Hornbostel. Mit Flügelbruch kehrte er zu Fuß von der Aller wieder zurück bis unter das Nest auf dem Schornstein der Bäckerei Segelke. Er kam dann in die Pflegestation nach Leiferde, wo die Schwinge amputiert werden musste. Fliegen wird er nie mehr können, aber immerhin: Sein Leben wurde gerettet.

Und dann tauchte erstmals am 13. April ein Storch auf der Müllkippe in Höfer auf. Gut eine Stunde suchte er dort inmitten von Kolkraben, Krähen und Roten Milanen nach Nahrung. Fortan kam er fast jeden Tag wieder, letztmals wurde er von den Mitarbeitern dort am 4. August beobachtet. Es ist bekannt, dass Störche inzwischen in größerer Zahl bereits auf den Müllkippen in Spanien überwintern. Auch in Niedersachsen ist dies schon vorgekommen. Störche, die im Zivilisationsmüll ihre Nahrung suchen - dies zeigt, wie sehr wir uns von natürlichen Lebensgrundlagen entfernen.

7. Ausblick auf das Jahr 2000

Es besteht die Hoffnung, dass auch in diesem Jahr der Storchenbestand im Kreis Celle stabil bleibt. Anlass zur Sorge gibt allerdings, dass - bedingt durch das Höfesterben und den Rückgang der Milchviehhaltung - die für den Storch notwendigen Nahrungsflächen weiter abnehmen. Wenn die Nahrungsbedingungen aber nicht mehr ausreichen, dann kommen auch die Störche nicht mehr wieder, wie dies in den letzten 15 Jahren bereits in Bröckel, Wiedenrode, Beedenbostel und Oldendorf eingetreten ist. Auch in Eschede kamen in den letzten 3 Jahren keine Jungen mehr hoch. Damit den noch vorhandenen Brutstandorten im Kreis Celle dieses Schicksal erspart bleibt, sind auch künftig gemeinsame Anstrengungen von Behörden, Naturschutz, Jagd und Landwirtschaft notwendig, um die Nahrungsgrundlagen für den Weißstorch zu sichern.

Weißstorch-Statistik für den Kreis Celle

Weißstorch-Statistik für den Kreis Celle

Anmerkungen

Vergleich der Nestpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit Jungen ( )

Vergleich der Nestpaare insgesamt seit 1907 im Kreis Celle mit Jungen

 

 

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